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Bettel und Lenert blicken auf das vergangene Jahr zurück
Politik 4 Min. 03.01.2022
RTL und "Télécran"

Bettel und Lenert blicken auf das vergangene Jahr zurück

In Interviews sprachen die beiden Politiker über das vergangene Jahr.
RTL und "Télécran"

Bettel und Lenert blicken auf das vergangene Jahr zurück

In Interviews sprachen die beiden Politiker über das vergangene Jahr.
Foto: Guy Jallay/LW-Archiv
Politik 4 Min. 03.01.2022
RTL und "Télécran"

Bettel und Lenert blicken auf das vergangene Jahr zurück

In diesen Tagen gaben Premier Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert Interviews über das vergangene Corona-Jahr.

(jwi) - Die Menschen seien der Corona-Pandemie müde, doch die Nachwirkungen dürften noch länger anhalten, erklärte Premierminister Xavier Bettel (DP) am vergangenen Samstag bei RTL. Im Interview blickte der Politiker auf die vergangenen Monate zurück. „Es war wirklich kein einfaches Jahr.“

Auf seine eigene Erkrankung an Covid-19 im März angesprochen, betonte er, das Virus sehr ernst zu nehmen. „Ich hatte einen schlimmen Verlauf und will mir nicht vorstellen, wie es ohne meine erste Impfung ausgegangen wäre.“ Diese fünf Wochen im Krankenhaus, ohne viel Sauerstoff, seien schlimm gewesen.

Das Demonstrationsrecht hört dort auf, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Xavier Bettel, Premierminister

Aus diesem Grund sei es jetzt wichtig, Menschen sprechen zu lassen, welche selbst vom Virus betroffen sind. Nur sie könnten diejenigen überzeugen, die sich bisher geweigert haben, sich impfen zu lassen. „Wir als Politiker wissen, dass wir nicht immer alle Menschen erreichen können. Deswegen planen wir weitere öffentliche Termine mit dem betroffenen Personal aus den Kliniken. Diese sollen dann die Möglichkeit bekommen ihre Erfahrungen zu äußern.“ Der größte Frust für das Krankenhauspersonal seien nämlich die Patienten ohne Impfung. Denn deren Einlieferung hätte mit einem kleinen Piks vermieden werden können, sagte Bettel. 


Präzise Drohungen gegen Familien von Politikern
Die Kriminalpolizei hat nach Morddrohungen am Freitag einen Verdächtigen festgenommen. Er war bislang noch nicht auffällig.

Im Gespräch ging der Premier unter anderem noch auf die aktuelle Lage in den Krankenhäusern ein. Seit Jahren gebe es nämlich einen akuten Mangel beim Personal: „Luxemburg hätte ohne die Großregion  seine Krankenhäuser längst zumachen müssen.“ Denn Betten habe man zwar genug, es fehle aber an Mitarbeitern. Aus diesem Grund gebe es Gespräche zwischen den einzelnen Ministerien, diese Berufswahl künftig attraktiver zu machen. 

Im Interview kritisierte der Premier ebenfalls die gewaltsamen Ausschreitungen in der Hauptstadt. „Das Demonstrationsrecht hört dort auf, wo die Freiheit des anderen beginnt.“ Und zum Vergleich zwischen den Corona-Maßnahmen mit dem Genozid am Judentum habe der Minister eine klare Meinung: „Es kotzt mich an.“ Gegen seine privaten, persönliche Angriffe sagte Bettel, er sei bereit, seine Verantwortung für die getroffenen Maßnahmen zu übernehmen und dafür einzustehen. Denn er wisse, dass er als Premier im politischen Mittelpunkt stehe. Aber für die persönlichen Übergriffe habe er kein Verständnis und werde auch juristische Schritte einleiten, so Bettel weiter. 

Paulette Lenert im „Télécran“  

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) sprach in der ersten Ausgabe des Wochenmagazins „Télécran“ in diesem Jahr über die vergangenen Monate. Diese seien die schwierigsten, intensivsten und emotional anstrengendsten ihres Lebens gewesen. „Es fühlt sich an, als ob es sechs Jahre statt drei Jahre gewesen wären.“ Der Schwächeanfall im März sei aber kein Grund gewesen aufzugeben. „Wenn ich Grenzen aufgezeigt bekomme, dann lautet der Auftrag an mich selbst zu lernen, mit diesen Grenzen umzugehen.“ Dazu liebe die Ministerin ihren Job. Lenert sei zudem dankbar, zum vierten mal in Folge als beliebteste Politikerin des Landes gewählt worden zu sein. 


IPO , PK Xavier Bettel u. Paulette Lenert , Coronamassnahmen , Covid-19 , Sars-Cov-2 , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Lenert: "Wir haben genug Betten, aber zu wenig Personal"
Kritik an fehlenden Krankenhausbetten sei "die falsche Debatte", so die Gesundheitsministerin. Eine Impfpflicht sei "das allerletzte Mittel".

Mit der Erfahrung von heute würde die Ministerin dennoch einiges anders angehen. „Denn niemand hätte gedacht, dass die Pandemie so lange anhalten würde.“ So gebe es zum Beispiel durch die Zeitverträge bei der Santé ein nicht so eingespieltes Team wie gewünscht. Deswegen hätte man frühzeitig das Personal aufstocken sollen. Nun fehle es aber an Kontinuität: „Es war ein Auf-Sicht-Fahren, aus der Not geboren.“

Dass sich eine Minderheit radikalisiert, ist ein Phänomen, das zur Pandemie gehört.

Paulette Lenert, Gesundheitsministerin

Die Proteste und Unruhen in der Bevölkerung zu den aktuellen Corona-Maßnahmen seien indes nicht überraschend. „Dass sich eine Minderheit radikalisiert, ist ein Phänomen, das zur Pandemie gehört.“ Gewalt oder Morddrohungen seien allerdings nicht zu tolerieren. Drohungen gegen die eigene Person blende die Ministerin aus dem Privatleben aus, obwohl es sie doch belaste. 

Für eine Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht sei indes die Gesellschaft noch nicht reif. „Ich finde es ungünstig, inmitten der hochkochenden Emotionen über so etwas zu sprechen.“ Auch die neue 2G- oder 3G-Regelung sei keine Impfpflicht durch die Hintertür. „Fakt ist, dass die Ungeimpften ein viel größeres Risiko für sich selbst und für das System sind als Geimpfte. (...) Insofern ist es eine Art differenzierter Herangehensweise, die Menschen mit einem großen Risiko von verschiedenen Bereichen fernzuhalten und gleichzeitig den Geimpften eine gewisse Normalität zurückzugeben“. Ihr größter Wunsch für 2022: Dass die Pandemie vorüber sein wird. 

Lesen Sie das komplette Interview von Gesundheitsministerin Paulette Lenert in der ersten Ausgabe 2022 des „Télécran“.

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