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Besuch beim belgischen Vizepremier: Belgien verspricht Nachbarn Zugang zu Atommeilern
Im Fokus der Kritik sind die Atomkraftwerke Doel, das nahe der niederländischen Grenze liegt, aber auch Tihange. Es befindet sich 100 Kilometer von Luxemburg entfernt.

Besuch beim belgischen Vizepremier: Belgien verspricht Nachbarn Zugang zu Atommeilern

AFP
Im Fokus der Kritik sind die Atomkraftwerke Doel, das nahe der niederländischen Grenze liegt, aber auch Tihange. Es befindet sich 100 Kilometer von Luxemburg entfernt.
Politik 18.01.2016

Besuch beim belgischen Vizepremier: Belgien verspricht Nachbarn Zugang zu Atommeilern

Belgien lässt Experten aus den Nachbarländern, darunter auch aus Luxemburg, die umstrittenen Atomkraftwerke besichtigen. Das ist das Ergebnis eines Krisengesprächs mit dem belgischen Innenminister Jan Jambon.

(dv/dpa) - Nach einer Pannenserie in seinen Atomreaktoren verspricht Belgien verunsicherten Nachbarländern erstmals eine verbesserte Kommunikation. Experten aus Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden sollten Zugang zu den Anlagen erhalten, teilte der engste Mitarbeiterstab von Innenminister Jan Jambon mit.

Untersuchungen von ausländischen Experten seien nichts Neues, erklärte Jambon, der den flämischen Nationalisten der N-VA angehört. So gebe es gegenseitige Überprüfungen mit Frankreich.

Pannen in belgischen Meilern hatten nicht nur im Land, sondern auch in Nachbarländern Besorgnis ausgelöst. Ende Dezember nahm der Betreiber Electrabel den Reaktor Doel 3 bei Antwerpen nur vier Tage nach dem Wiederhochfahren wieder vom Netz, da an einer Heißwasserleitung im konventionellen Teil des Kraftwerks ein Leck klaffte.

In den Nachbarländern Belgiens wachsen die Sorgen um den alternden belgischen Atompark, der aus den beiden Kraftwerken Doel und Tihange besteht.

  • Im Sommer 2012 wurden in den Reaktordruckbehältern der Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 mehrere Fehlerstellen entdeckt.
  • Im Sommer 2013 gingen die Meiler nach einer positiven Bewertung durch die belgische Atomaufsichtsbehörde (FANC) wieder ans Netz, mussten jedoch im März 2014 erneut abgeschaltet werden, nachdem Testergebnisse von den Erwartungen abwichen.
  • Am 17. November 2015 gab die FANC wieder grünes Licht zum Anfahren der beiden Reaktoren. Allerdings werfen die jüngsten Teste der FANC viele Fragen auf.

Indes schaut man in Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg beunruhigt über die belgische Grenze. Staatssekretär Camille Gira zeigte sich im Vorfeld des Treffens mit den belgischen Partnern "besorgt".

Gira bemängelt, dass "das Vorsorgeprinzip hier nicht angewendet wird", was "abenteuerlich" sei, besonders in einem "sehr risikoreichen" Bereich, bei dem die Sorgen der Bürger groß seien. Die Atomzentrale von Tihange ist nur 100 km von Luxemburg entfernt.

"Es ist keine saubere Akte und vieles bleibt intransparent", kritisierte Gira im Vorfeld des Treffens mit Blick auf die Sicherheitstests und die Art und Weise wie entschieden wurde, die Reaktoren wieder an das belgische Netz zu schließen.

Der belgische Vizepremier Jan Jambon versuchte seinerseits, die Lage zu beruhigen und verkündete, dass es keinen Grund zu Sorge gebe und vieles in den vergangenen Tagen von den Medien unnötig dramatisiert worden sei.


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