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Bessere Startchancen für alle Kinder
Politik 2 Min. 11.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Frühkindliche Sprachförderung

Bessere Startchancen für alle Kinder

Mit der mehrsprachigen Frühförderung möchte die Regierung Sprachbarrieren gar nicht erst aufkommen lassen.
Frühkindliche Sprachförderung

Bessere Startchancen für alle Kinder

Mit der mehrsprachigen Frühförderung möchte die Regierung Sprachbarrieren gar nicht erst aufkommen lassen.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 11.07.2017 Aus unserem online-Archiv
Frühkindliche Sprachförderung

Bessere Startchancen für alle Kinder

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Ab diesem Herbst beginnt die flächendeckende sprachliche Frühförderung in den Kindertagesstätten. Das Gesetz wurde am Dienstag vom Parlament verabschiedet. Die Umsetzung kostet den Staat jährlich 81 Millionen Euro.

(mig) - Die mehrsprachige Kinderbetreuung für Ein- bis Vierjährige ist unter Dach und Fach. Das Großprojekt wurde am Dienstag mit den 32 Stimmen der Mehrheitsparteien im Parlament verabschiedet. Auf Kindertagesstätten, die Zugang zum System der Dienstleistungsschecks haben wollen, kommen ab diesem Herbst neue Verpflichtungen zu. 

Frühkindliche Sprachförderung

  • Kernstück der Reform sind die Förderung der luxemburgischen und französischen Sprache sowie die Förderung der Muttersprache und die Wertschätzung der kulturellen Wurzeln der Kinder. Letzteres impliziert auch die Eltern, die stärker in den Betreuungsalltag eingebunden werden sollen.
  • Unabhängig von ihrer Herkunft sollen Kinder in ihren ersten Lebensjahren systematisch mit der luxemburgischen und französischen Sprache in Berührung kommen. Als Maßstab für beide Sprachen gilt das Sprachniveau C1 des europäischen Referenzrahmens. Pro Einrichtung muss mindestens eine Person das Niveau C1 beherrschen.
  • In jeder Struktur ist ein Sprachreferent für die Ausarbeitung, die Umsetzung und die Qualitätsentwicklung der Sprachförderung verantwortlich.

Luxemburgisch als Integrationssprache

  • Durch die landesweite Einführung der mehrsprachigen Förderung soll sichergestellt werden, dass in allen Betreuungsstrukturen das Luxemburgische als  Integrations- und Kommunikationssprache gefördert wird. Also auch in Einrichtungen, in denen heute kein Luxemburgisch gesprochen wird.
  • Der Kontakt mit der französischen Sprache (auf spielerische Art und Weise) soll Berührungsängste gar nicht erst aufkommen lassen und den Kindern den Zugang zum späteren formalen Französischunterricht erleichtern.
  • Zwischen den Betreuungseinrichtungen (non-formale Bildung) und den Schulen (formale Bildung) bzw. den sozialen Hilfsstrukturen soll ein systematischer Austausch stattfinden.

Landesweite Harmonisierung der Sprachförderung

  • Die Kindertagesstätten sind verpflichtet, ein Sprachförderungskonzept auszuarbeiten. Sie unterliegen einer Qualitätskontrolle durch so genannte regionale Agenten. Einrichtungen, die sich nicht an die Vorgaben halten, riskieren vom System der Dienstleistungsschecks ausgeschlossen zu werden.
  • Ein zwölfköpfiger wissenschaftlicher Beirat - darunter fünf Wissenschaftler der Universität Luxemburg - begleiten die Umsetzung der Sprachförderung. Sie beraten die regionalen Agenten und evaluieren die pädagogischen Konzepte.

20 Gratisstunden pro Woche

  • Für Eltern wird die Kinderbetreuung kostengünstiger. Ein- bis Vierjährige erhalten 20 Gratisstunden (während 46 Wochen). Einkommensschwache bzw. kinderreiche Familien werden mit Tarifsenkungen (für Null- bis Zwölfjährige) zusätzlich entlastet.
  • Die multilinguale Frühförderung kostet den Staat pro Jahr 81 Millionen Euro, davon 18 Millionen für die Gratisstunden und 40 Millionen für die Tarifsenkungen. Für die Umsetzung der Qualitätskriterien (Ausarbeitung des Sprachkonzepts, Weiterbildung, zusätzliches Personal) werden die Strukturen zusätzlich mit 23 Millionen Euro unterstützt.

Sprachförderung nach dem vierten Lebensjahr

  • Damit das Französische den Kindern bis zum formalen Unterricht ab dem Zyklus 2.2 nicht verloren geht, wird die Sprachförderung künftig auch im Zyklus 1 (Précoce und Kindergarten) und im Zyklus 2.1 (erste Klasse) fortgeführt.



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