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Beschäftigung und soziale Kohäsion: Jeder Fünfte von Armut bedroht
Politik 2 Min. 16.10.2017

Beschäftigung und soziale Kohäsion: Jeder Fünfte von Armut bedroht

Nicht alle Menschen können von ihrem Arbeitseinkommen leben. In Luxemburg lag die Quote der „Working poors" 2016 bei 11,9 Prozent.

Beschäftigung und soziale Kohäsion: Jeder Fünfte von Armut bedroht

Nicht alle Menschen können von ihrem Arbeitseinkommen leben. In Luxemburg lag die Quote der „Working poors" 2016 bei 11,9 Prozent.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 16.10.2017

Beschäftigung und soziale Kohäsion: Jeder Fünfte von Armut bedroht

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
In Luxemburg steigen die sozialen Ungleichheiten an. 2016 war jeder fünfte Einwohner in Luxemburg von Armut bedroht. Das geht aus dem jährlichen Bericht des Statec über Beschäftigung und soziale Kohäsion hervor.

(mig) - In Luxemburg nehmen die Ungleichheiten weiter zu. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der Statec in seinem jüngsten Bericht „Travail et cohésion sociale 2017”, in dem das Statistikamt die sozialen Ungleichheiten im Jahr 2016 untersucht.

Ein wichtiger Aspekt ist die ungleiche Einkommensverteilung. In Luxemburg leben die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung mit 984 Euro pro Monat (verfügbares Einkommen), sie verfügen über ganze drei Prozent der nationalen Einkommensmasse. Die wohlhabendsten zehn Prozent der Bevölkerung hingegen haben ein verfügbares Monatseinkommen von knapp 7.900 Euro. Das entspricht 24 Prozent der gesamten Einkommensmasse.

Die ungleiche Einkommensverteilung hat zur Folge, dass viele Menschen von Armut bedroht sind. 2016 ist das Armutsrisiko im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent auf 19,7 Prozent gestiegen. Somit war im vergangenen Jahr jeder fünfte Einwohner in Luxemburg von Armut bedroht. Das sind 135.000 Menschen. Ohne Sozialtransfers läge die Quote sogar bei 44,5 Prozent.

Anhaltende Armut

Viele Menschen rutschen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens in Armut ab, können sich aber nach einer Weile wieder erkrabbeln. Der Statec hat den Zeitraum 2013-2016 untersucht und festgestellt, dass 28 Prozent derer, die 2013 von Armut bedroht waren, sich 2016 aus der Armutsfalle befreit hatten. 30 Prozent durchlebten  irgendwann zwischen 2013 und 2016 eine Phase großer finanzieller Not.

2016 befand sich jeder zehnte Einwohner Luxemburgs in anhaltender Armut (pauvreté persistante). Gemeint sind Menschen, die sich 2016 in Armut befanden und im Zeitraum 2013-2015 mindestens zwei weitere Male in großer finanzieller Not waren. Die am stärksten betroffene Gruppe sind junge Menschen (Null bis 24 Jahre), aufgrund der finanziellen Situation ihrer Eltern.

Teilzeitarbeit steigt

Seit der Jahrtausendwende ist die Beschäftigung in Luxemburg um 63,4 Prozent gestiegen. Das ist die größte Steigerung in der gesamten EU. Seit 1995 wurden im Schnitt jedes Jahr 9.700 Arbeitsplätze geschaffen. Allein im vergangenen Jahr waren es rund 13.000 neue Stellen.

Gleichzeitig beobachtet der Statec eine steigende Tendenz bei atypischen Beschäftigungsmodellen, u.a. befristete Arbeitsverträge und Teilzeitjobs. In Luxemburg ist die Tendenz, freiwillig Teilzeit zu arbeiten, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, stark ausgeprägt. Häufigste Ursache sind familiäre Gründe. Im Vergleich zur Eurozone ist der Anteil der Beschäftigten in Luxemburg, die unfreiwillig Teilzeit arbeiten, sehr gering (11,6 gegenüber 30,4 Prozent).

Arbeit schützt nicht vor Armut. In Luxemburg liegt die Quote derer, die einer Arbeit nachgehen und dennoch von Armut bedroht sind, 2016 bei 11,9 Prozent. Die Arbeitslosigkeit lag 2016 bei 6,3 Prozent. Damit liegt Luxemburg im vordersten Drittel der europäischen Länder mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. Am häufigsten von Erwerbslosigkeit betroffen sind hierzulande Drittstaatsangehörige und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau.




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