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Berufsausbildung: Wiedereinführung des Punktesystems
Die Berufsausbildung sorgt seit der großen Reform im Jahr 2008 immer noch für Probleme.

Berufsausbildung: Wiedereinführung des Punktesystems

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Die Berufsausbildung sorgt seit der großen Reform im Jahr 2008 immer noch für Probleme.
Politik 2 Min. 10.02.2018

Berufsausbildung: Wiedereinführung des Punktesystems

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Der Ministerrat befasste sich am Freitag mit der Reform der Reform der Berufsausbildung. Ein zentraler Punkt ist die Wiedereinführung des Punktesystems.

(mig) - Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hat Bildungsminister Claude Meisch seine Reformpläne für die Berufsausbildung vorgestellt. Daraus wurde ein Gesetzentwurf und der wurde am Freitag vom Kabinett gutgeheißen.

Zentrale Punkte sind die Wiedereinführung eines Punktesystems zusätzlich zur Kompetenzbewertung, und die Verlängerungsmöglichkeit des Lehrvertrags um zwei Jahre (n+2) gemessen an der normalen Ausbildungsdauer. In der Praxis bedeutet das: Der Arbeitgeber darf dem Auszubildenden, der die Ausbildung nicht in einem Durchgang schafft, nicht kündigen.

Die Abschaffung der Klassenwiederholung hatte 2008 für massive Probleme gesorgt: Tausende Schüler häuften massenweise Defizite an, so dass sie ihr Abschlussexamen nicht bestanden. Daraufhin wurde die jährliche Versetzung 2017 wieder eingeführt.

Um das Schuljahr zu bestehen, müssen 90 Prozent aller Module, 90 Prozent der berufsspezifischen Module (modules professionnels) und 100 Prozent der Basismodule (modules fondamentaux) geschafft werden. Man muss also nicht alle Module bestehen, um versetzt zu werden. Allerdings darf die Note in jedem nicht bestandenen Modul nicht unter 20 Punkten liegen.

Die Klassenwiederholungen sind nicht begrenzt. Das bedeutet aber nicht, dass Schüler Endlosrunden drehen können. So gibt es eine Grenze, unterhalb derer man die Klasse nicht wiederholen darf, wie Bildungsminister Claude Meisch am Freitag auf Anfrage des "Luxemburger Wort" erklärte. Bei solchen Schülern drängt sich eine Umorientierung auf, in eine Ausbildung, die ihnen besser liegt.

Techniker: Pif de rattrapage im Herbst

Unabhängig vom Gesetzentwurf, der jetzt die parlamentarischen Prozeduren durchläuft, wird es noch Änderungen beim Abschlussexamen, dem so genannten Projet intégré final (Pif) geben. Er findet traditionell im Frühsommer statt. Wer ihn nicht schafft, versucht sein Glück ein zweites Mal beim Pif de rattrapage im Februar des darauffolgenden Jahres. Zwischen beiden Examen liegen fast neun Monate, während denen die Schüler untätig herumsitzen.

2016 wurde die Abschlussprüfung in der Fachrichtung „Technicien administratif et commercial“ in den Herbst vorverlegt, um den Schülern zu ermöglichen, nach bestandener Prüfung ein Wintersemester an einer Hochschule zu belegen. Wie Claude Meisch erklärte, gilt diese Regelung ab kommender Rentrée für alle Technikerausbildungen.

Das Problem mit den Modules préparatoires

Eine Schwierigkeit, die nicht geklärt werden konnte, betrifft die Zusatzmodule, die Schüler bestehen müssen, um nach dem Technikerabschluss im Ausland eine weiterführende Schule besuchen zu können. Das Problem: Schüler mit einem Technikerdiplom haben heute nicht mehr automatisch die fachgebundene Hochschulreife. Das hat mit der Reform zu tun. Die Ausbildung ist praxisorientiert. Die jungen Leute werden nicht mehr auf weiterführende Studien, sondern auf einen Beruf vorbereitet. Die Schulprogramme wurden abgespeckt.

Wer also eine Hochschule besuchen möchte, muss die so genannten Modules préparatoires bestehen, um seine Studierfähigkeit unter Beweis zu stellen. Diese Module (Sprachen und Mathematik) ziehen sich über zwei Jahre (12e und 13e) hin und können innerhalb des regulären Stundenplans belegt werden, was natürlich ein Plus an Arbeit bedeutet. Viele Schüler schaffen die Zusatzmodule nicht.

In dieser Sache besteht also noch Gesprächsbedarf. Angedacht wird laut Claude Meisch, die Module zum Beispiel in die Ferien zu verlegen beziehungsweise den Schülern zu erlauben, die Zusatzmodule in einer zweiten Etappe nachzuholen. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf bleibt es in Sachen Zusatzmodule also erst einmal beim Alten.


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