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Berufsausbildung: Protestaktion im September
Politik 3 Min. 08.07.2016

Berufsausbildung: Protestaktion im September

Die Änderungen an der Berufsausbildung gehen nicht weit genug, sagt die Lehrergewerkschaft SEW.

Berufsausbildung: Protestaktion im September

Die Änderungen an der Berufsausbildung gehen nicht weit genug, sagt die Lehrergewerkschaft SEW.
Foto: Reuters
Politik 3 Min. 08.07.2016

Berufsausbildung: Protestaktion im September

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Um auf die massiven Probleme in der Berufsausbildung aufmerksam zu machen, planen SEW, die OGBL-Jugend und die Unel für den 16. September eine Protestaktion vor dem Bildungsministerium. Es sei denn, der Minister sorgt vorher für Anpassungen.

(mig) - Am 16. September könnten sich vor dem Bildungsministerium tausende Schüler einfinden, um gegen die Probleme in der Berufsausbildung zu protestieren. So sieht zumindest der Plan aus, den die Lehrergewerkschaft SEW/OGBL zusammen mit der Studentenvereinigung Unel und der OGBL-Jugend ausgeheckt haben. Es sei denn, der zuständige Minister Claude Meisch lenkt vorher ein und setzt um, was er dem SEW in einem Gespräch am Donnerstag und am Freitag in einem Presseschreiben in Aussicht gestellt hat.

Die Probleme sind vielfältig. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag aber beschränkten die Vertreter der drei Organisationen sich auf die Probleme in der Laufbahn des Technicien commercial, die Technikerausbildung mit den meisten Schülern. Von 383 Abschlussschülern waren lediglich 270 Schüler zur Abschlussprüfung (Projet intégré final, Pif) zugelassen. Die anderen 115 Schüler (30 Prozent) erfüllten die Bedingungen nicht, um zum Examen zugelassen zu werden (Man muss während der vierjährigen Ausbildung 90 Prozent der Module geschafft haben). 147 Schüler haben die Prüfung bestanden. Das entspricht einer Erfolgsquote von 38 Prozent und einer Misserfolgsquote von 62 Prozent.

Julie und Sarah

Um zu veranschaulichen, was das für die betroffenen Schüler bedeutet, hatten die Organisationen zwei Schülerinnen der besagten Ausbildung eingeladen, um ihren Fall darzulegen. Julie hat 96 Prozent der Module geschafft. Weil sie jedoch im letzten Semester der 13e zwei Module einer so genannten "unité capitalisable" nicht geschafft hat, wurde sie nicht zum Pif zugelassen. Im Prinzip hätte sie die Module nachholen können, weil aber keine Zeit mehr dafür blieb, wurde sie nicht zur Prüfung zugelassen. Sie muss das ganze Jahr wiederholen, wird aber nur in zwei Modulen geprüft und erst im Juni 2017/18 wieder zum Pif zugelassen.

Sarah war zum Pif zugelassen, hat die Abschlussprüfung aber nicht geschafft. Sie weiß aber nicht, wo es nicht gereicht hat. Sie muss nicht mehr zur Schule gehen, sie muss aber bis Februar warten, um zum Pif de rattrapage zugelassen zu werden.

"Keine Einzelfälle"

"Das sind keine Einzelfälle", sagte der SEW-Vorsitzende und Sekundarschullehrer Jules Barthel. Der SEW wurde Barthel zufolge "d'urgence" ins Bildungsministerium gerufen, wo man am Donnerstag ein sehr positives Gespräch mit Claude Meisch über die Probleme geführt habe. Der Minister habe dem SEW in Aussicht gestellt, für die über 200 betroffenen Abschlussschüler des Technicien commercial einen Pif im September zu organisieren, damit sie sich noch im Herbst an einer Uni oder Hochschule einschreiben können. Für Schüler wie Julie, denen nur wenig fehlte, um zum Pif zugelassen zu werden, stellte er eine "Remédiation" im Sommer in Aussicht, um die Module nachzuholen, damit auch sie im September zum Pif zugelassen werden kann. Für 2017/18 stellte er diese Maßnahmen für alle Technikerlaufbahnen in Aussicht.

Ferner habe er angedeutet, nach der Mini-Reform, die am kommenden Dienstag im Parlament zur Abstimmung steht und zum Ziel hat, die gröbsten Probleme aus dem Weg zu räumen, eine grundlegende Reform anzustreben, "bei der alles zur Diskussion stehe", so Jules Barthel.

Mini-Reform

Die Mini-Reformpläne des Bildungsministers sehen u.a. die Wiedereinführung der jährlichen Versetzung vor, um zu verhindern, dass Schüler ungebremst und mit großen Defiziten auf einer Abschlussklasse landen, ohne ihren Abschluss machen zu können. In den DAP- und Technikerausbildungen werden die "Projets intégrés intermédiaires" (PII) abgeschafft, aber nur für Vollzeit-Schüler. Für Schüler mit einem Lehrvertrag, die also nur stundenweise die Schulbank drücken, bleibt der PII bestehen.

Um zu verhindern, dass Schüler in eine berufliche Richtung orientiert werden, wo sie später aus gesundheitlichen Gründen keinen Job ergreifen können, müssen 7e- und 9e-Schüler sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Ferner sieht der Gesetzentwurf die Schaffung einer Begleitstelle vor, die Schülern bei administrativen Schritten hilft.  


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