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Berufsausbildung im Handwerk: "Wir erwarten, dass auf uns gehört wird"
Politik 3 Min. 20.09.2016

Berufsausbildung im Handwerk: "Wir erwarten, dass auf uns gehört wird"

Die Handwerkerkammer und der Handwerkerverband haben Vorschläge, wie man die Berufsausbildung wieder auf Vordermann bringen könnte.

Berufsausbildung im Handwerk: "Wir erwarten, dass auf uns gehört wird"

Die Handwerkerkammer und der Handwerkerverband haben Vorschläge, wie man die Berufsausbildung wieder auf Vordermann bringen könnte.
Foto: Reuters
Politik 3 Min. 20.09.2016

Berufsausbildung im Handwerk: "Wir erwarten, dass auf uns gehört wird"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Handwerkerkammer und der Handwerkerverband fordern eine tiefgreifende Reform der Berufsausbildung, um den Fachkräftemangel im Handwerk zu beheben. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag legten sie ihre Forderungen dar.

(mig) - Das Handwerk in Luxemburg beschäftigt 86.000 Personen. Das jährliche Output der Berufsausbildung (DAP) liegt aber nur bei 400 Fachkräften. Seit Jahren fehlt es in den Handwerksbetrieben an qualifizierten Fachkräften, trotz vieler Zugänge aus dem Ausland. Das hiesige Berufsausbildungssystem ist nicht in der Lage, die benötigten Fachkräfte auszubilden. 

Zwar treten ab diesem Herbst Anpassungen bei der Berufsausbildung in Kraft, doch den Handwerksverbänden gehen diese Anpassungen nicht weit genug. Sie fordern eine umfassende strukturelle Reform, die die Probleme an der Wurzel packt. Bildungsminister Claude Meisch hatte eine solche für 2017/18 angekündigt.

Im Vorfeld der Gespräche über die geplante Reform haben die Handwerkerkammer und die Handwerkerföderation ihre Forderungen bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Hier die sechs Schwerpunkte im Überblick:

  • Die Handwerksvertreter fordern eine professionelle und systematische Orientierung der Schüler gemäß den Bedürfnissen der Betriebe und gemäß den Kompetenzen und Interessen der Schüler statt aufgrund ihrer Schwächen. Letzteres führt nämlich dazu, dass ausschließlich die schwachen Schüler in die Berufsausbildung orientiert werden.
  • Laut Paul Krier von der Chambre des métiers erbringen die Betriebe 80 Prozent der Ausbildungsleistung. Sie sind Ausbilder und Arbeitgeber. Deshalb fordert die Kammer den Vorsitz in den Gremien, die die Programme ausarbeiten (équipes curriculaires) und die Bewertung (équipe d'évaluation) durchführen.
  • Das Berufsausbildungssystem umfasst viele Partner (Ministerium, Adem, Berufskammern, Schulen, Betriebe usw.). Damit alle Rädchen ineinandergreifen, braucht das System den Handwerksvertretern zufolge eine professionelle Koordination.
  • Herzstück des Berufsausbildungssystems sind Krier zufolge die équipes curriculaires, die die Ausbildungsprogramme, die Bewertungskriterien, die Module usw. ausarbeiten. Allein im Handwerk existieren zwischen 50 und 60 verschiedene équipes curriculaires, die jede ihre eigene Vorgehensweise und Regeln hat. Die Chambre des métiers und die Fédération des artisans fordern eine professionelle Koordination dieser Gremien sowie ein "Streamlining" des Systems, also eine Anpassung z. B. was die Anzahl der Module oder der Kompetenzen angeht, "damit jedem klar ist, was gemeint ist, wenn man über Dinge spricht", so Paul Krier.
  • Die Handwerksvertreter wollen die Ausbildungsgänge besser strukturieren. Zu diesem Zweck fordern sie die Einführung eines Tests für 9e-Schüler (Basic check), der den Schülern aufzeigt, welcher Beruf für sie geeignet ist und zugleich aufzeigt, auf welchem Niveau (CCP, DAP oder Techniker) der Schüler die Ausbildung beginnen soll. Sie fordern mehr CCP-Ausbildungen in nicht-handwerklichen Bereichen, u. a. auch beim Staat. Die Handwerksverbände werden zwei Projekte starten: Das eine besteht in der Reduzierung der Zahl der Meisterbriefe von heute 40 (ein Meisterbrief pro Beruf) auf zwölf (ein Meisterbrief pro Sektor, z. B. Gesundheit, Ernährung). Ferner planen die Verbände die Einführung von Bachelor-Ausbildungen im Handwerk, "um auf jedem Niveau etwas anzubieten", so Michel Reckinger, Präsident der Fédération des artisans. Davon verspricht man sich eine Aufwertung des Handwerks.
  • Die Chambre des métiers und die Fédération des artisans sind einverstanden mit einer Verlängerung der Ausbildungszeit auf vier Jahre und mit einem Kompensierungsmechanismus bei den Modulen, unter der Bedingung, dass diese Maßnahmen sinnvoll sind, "aber nicht, wenn es darum geht, ein fehlerhaftes System künstlich am Leben zu lassen", so Krier. Mit der Abschaffung des Projet intégré intermédiaire (PII) in den DAP-Ausbildungen sind die Handwerker nicht einverstanden. Der Wiedereinführung eines Notensystems neben der kompetenzbasierten Bewertung will man sich nicht prinzipiell widersetzen, wenn sich herausstellen sollte, dass ein solches Notensystem den Eltern und Schülern hilft, die Leistung besser einzuschätzen.








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