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Berufsausbildung: Die Mini-Reform
Politik 2 Min. 12.07.2016

Berufsausbildung: Die Mini-Reform

Im Herbst sollen die Änderungen in der Berufsausbildung greifen.

Berufsausbildung: Die Mini-Reform

Im Herbst sollen die Änderungen in der Berufsausbildung greifen.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 12.07.2016

Berufsausbildung: Die Mini-Reform

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Am Dienstag verabschiedete das Parlament punktuelle Änderungen bei der Berufsausbildung. Kommendes Jahr plant der Bildungsminister eine größere Reform. Wegen der katastrophalen Ergebnisse beim "Technicien commercial" werden im Herbst Nachexamen organisiert.

(mig) - Seit die Formation professionnelle im Jahr 2008 reformiert wurde, häufen sich die Probleme. Weil die Klassenwiederholung abgeschafft wurde, landen tausende von Schülern ungebremst auf Abschlussklassen. Weil sie aber noch etliche Module nicht geschafft haben, werden sie nicht zur Abschlussprüfung (Projet intégré final) zugelassen. Fazit: Die Schüler hängen in der Warteschleife ohne Garantie, je einen Abschluss zu erhalten. Sie müssen die Module nachholen, was wiederum die Schulen und Lehrer vor extreme organisatorische Herausforderungen stellt. Nicht zu reden von den vielen Schülern, die falsch orientiert wurden, am Ende ihrer Ausbildung wieder von vorn anfangen oder aber die Schule ohne Abschluss verlassen.

Massiver Leistungsabfall

Doch damit nicht genug. Schüler mit einem Technikerdiplom - die Technikerausbildungen wurden mit der Reform vom Régime technique in die Berufsausbildung ausgelagert -  haben aufgrund der Kompetenzbewertung Probleme an einer ausländischen Hochschule angenommen zu werden. Außerdem müssen sie vorab so genannte "modules préparatoires" bestehen. Die Reform hat zu einem massiven Leistungsabfall bei den Schülern geführt. Die Chancen der Schüler, die weiterführenden Studien zu bestehen, sind damit gesunken.

Besonders in den Technikerausbildungen sind die Ergebnisse katastrophal. Das ist wohl auch der Grund, warum das Ministerium keine Statistiken veröffentlicht. Die Ergebnisse der Laufbahn "Technicien administratif et commercial" hat deshalb die Lehrergewerkschaft SEW zusammengetragen. Sie sind katastrophal.

Von 383 Schülern haben in diesem Jahr nur 38 Prozent einen Abschluss in der Tasche. Unabhängig von den Gesetzesänderungen, über die das Parlament am Dienstag abstimmt, kündigte Minister Claude Meisch Änderungen bei den Abschlussexamen (Pif) ab der kommenden Rentrée an.

Die Schüler der oben genannten Technikerausbildung bekommen im September die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit zu wiederholen. Sie müssen also nicht bis zum nächsten Pif im Februar warten. Schaffen sie den Abschlusstest, können sie sich an einer Hochschule einschreiben, ohne ein Jahr zu vertrödeln. Diese Maßnahme will Claude Meisch 2017 auf andere Technikerausbildungen ausweiten. Inwiefern dies auch für DAP-Ausbildungen eingeführt werden könnte, will Meisch im Rahmen der bevorstehenden Gespräche über eine größere Reform prüfen.

Die Neuerungen

  • Doch nun zur Reform. Kritiker sagen, es handle sich um eine Mini-Reform. Tatsächlich beschränkt sie sich auf ein paar Anpassungen, von denen die Wiedereinführung der jährlichen Versetzung die einschneidendste ist. Sie soll verhindern, dass leistungsschwache Schüler einfach weiterkommen und sich am Ende in einer Sackgasse wiederfinden, aus der sie nicht mehr herauskommen.
  • In den DAP- und Technikerausbildungen wird der "Projet intégré intermédiaire" (PII) abgeschafft, allerdings nur für Schüler, die Vollzeit die Schule besuchen. Für Schüler mit einem Lehrvertrag (contrat d'apprentissage) bleibt der PII bestehen.
  • 7e- und 9e-Schüler müssen sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Damit soll verhindert werden, dass sie auf einen Beruf vorbereitet werden, den sie aus gesundheitlichen Gründen nicht ergreifen können.
  • Viele Schüler haben Probleme mit administrativen Angelegenheiten. Das Ministerium plant die Schaffung einer Begleitstelle, auf die die Schüler im Bedarfsfall zurückgreifen können.
  • Die CCP-Ausbildungen werden durch die Einführung eines "Projet intégré final" (Pif) aufgewertet.

Die Lehrergewerkschaft SEW, die OGBL-Jugend und die Studentenvereinigung Unel hatten Anfang Juli eine Protestaktion für den 16. September angekündigt, sollte die Regierung die Probleme, besonders in den Abschlussklassen, nicht aus dem Weg räumen.

Der Gesetzentwurf 9686 wurde mit den Stimmen der Mehrheitsvertreter bei 26 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen angenommen.


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