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Berufsausbildung: Die Chaos-Reform
Politik 3 Min. 07.10.2015

Berufsausbildung: Die Chaos-Reform

Die Reform in der Berufsausbildung sollte die Erfolgsquote der Schüler steigern, doch davon ist man weit entfernt.

Berufsausbildung: Die Chaos-Reform

Die Reform in der Berufsausbildung sollte die Erfolgsquote der Schüler steigern, doch davon ist man weit entfernt.
Foto: Shutterstock
Politik 3 Min. 07.10.2015

Berufsausbildung: Die Chaos-Reform

Die Berufsausbildung steckt gewaltig in der Klemme. Die Probleme häufen sich und sind mit einfachen Korrekturmaßnahmen nicht aus der Welt zu schaffen. Am Mittwoch stellt der Minister eine Studie über die Stärken und Schwächen der Reform und seine Verbesserungsvorschläge vor.

(mig) - Die Lage in der Berufsausbildung ist katastrophal. Bildungsminister Claude Meisch hatte für 2015 ein Maßnahmenpaket versprochen, das die Qualität der Berufsausbildung nachhaltig verbessern und die Erfolgschancen der Schüler steigern sollte. Doch außer ein paar kosmetischen Korrekturen ist nichts passiert. Eine Stärken-Schwächen-Analyse, die 2013 noch unter Bildungsministerin Mady Delvaux in den einzelnen Schulen in die Wege geleitet worden war, wurde nie veröffentlicht.

Nun liegt eine neue Studie vor, die der Bildungsminister Claude Meisch bei der Universität Luxemburg in Auftrag gegeben hatte. Damit kommt nun hoffentlich Bewegung in das Dossier, denn die Lehrer, die seit 2009 tagtäglich mit den Konsequenzen der Reform konfrontiert sind, schlagen schon seit Jahren Alarm, allen voran der SEW, der sich am Dienstag in einer Pressemitteilung hoffnungsvoll gab, dass nun endlich etwas passieren wird. Für die Gewerkschaft gibt es nur eine Lösung: nieder mit der Reform und den führenden Beamten der Abteilung Berufsausbildung im Ministerium.

Komplexe Problemlage

Die Problemlage ist sehr komplex. Das modulare System erlaubt es Schülern, versetzt zu werden, auch wenn sie eine Reihe von Modulen nicht bestanden haben, darunter häufig auch berufsspezifische Grundlagenmodule, die für das Verständnis weiterer Module und für die Ausübung des Berufes von zentraler Bedeutung sind. Die Schüler landen ungebremst in der Abschlussklasse, ohne Grundlagenwissen, ohne Diplom, aber mit einem ganzen Haufen an Modulen, die sie nachholen müssen.

Die Schulen aber sind mit der Organisation der Nachhilfekurse hoffnungslos überfordert. Sie können die Module oft nicht alle anbieten. Ein Beispiel: In einer 12e DT (Technikerausbildung) befinden sich Schüler mit bis zu 27 nicht geschafften Modulen. Bei den meisten handelt es sich um berufsspezifische Module. Bei einem derartigen Rückstand sind die Aussichten, die Module eines Tages zu schaffen, äußerst gering. Die Wissenslücken sind enorm.

Zu viel Freiraum

Die Reform hat aber noch einen anderen Nachteil. „Das System fördert lediglich gute, disziplinierte und autonome Schüler“, erklärt ein Lehrer, der seit Jahren in der Berufsausbildung tätig ist, „nicht aber Schüler mit vielfältigen Schwächen und geringer Charakterstärke. Sie brauchen klare und einfache Regeln und dazu gehört auch die Klassenwiederholung, wenn die Leistung nicht stimmt.“ Das reformierte System biete zu viel Freiraum, „mit dem die Schüler nicht umgehen können.“

Zahlen des Bildungsministeriums zufolge waren von 1.428 Schülern, die zu Beginn dieses Schuljahres in einer Abschlussklasse (12e) der reformierten Berufsausbildung eingeschrieben waren, 302 für ein zusätzliches Schuljahr eingeschrieben, um ihre Module oder das finale Projet intégré (PIF) nachzuholen. Das entspricht einer Quote von 21,1 Prozent. Über die Anzahl der Module, die landesweit nachgeholt werden müssen, schweigt das Ministerium sich aus. Sie dürften in die Tausende gehen. Was das an Mehrkosten generiert, kann man nur erahnen.

Nicht viel passiert

Vor einem Jahr hatte Claude Meisch anlässlich einer Debatte im Parlament ein ganzes Maßnahmenpaket angekündigt, das Teile der Reform rückgängig machen sollte. Ein Gesetzentwurf wurde am 30. Januar 2015 hinterlegt, doch seitdem ist nichts passiert. Im zuständigen parlamentarischen Ausschuss fand lediglich eine einzige Sitzung statt, während der der Gesetzentwurf vorgestellt und ein Berichterstatter designiert wurde.

Als Grund für den Reformstau nannte das Ministerium ein verfassungsrechtliches Problem, wonach bildungsspezifische Bestimmungen Gesetzesrang haben müssen und nicht mehr in einer großherzoglichen Verordnung abgehandelt werden dürfen.

Fragt sich nun, wie der Minister den Großbrand in der Berufsausbildung schnellstmöglich löschen möchte.

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