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Bauland in Händen einzelner Großgrundbesitzer
Politik 3 Min. 28.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Bauland in Händen einzelner Großgrundbesitzer

Die Preise für Bauland sind zwischen 2010 und 2016 stärker gestiegen als die Immobilienpreise an sich.

Bauland in Händen einzelner Großgrundbesitzer

Die Preise für Bauland sind zwischen 2010 und 2016 stärker gestiegen als die Immobilienpreise an sich.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 28.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Bauland in Händen einzelner Großgrundbesitzer

Wohnungsbauministerin Sam Tanson sieht angesichts stetig steigender Grundstückspreise Handlungsbedarf. Die Anzahl der politischen Instrumente zur Lösung der Problematik ist jedoch überschaubar.

(mig/gls) - Wer in Luxemburg bauen möchte, weiß: Es sind in erster Linie die Grundstückspreise, die das Bauen teuer machen. Grund genug für das Observatoire de l'habitat, eine umfassende Studie durchzuführen, in der vier Fragen nachgegangen wird: 

  1. Wie haben sich die Baulandpreise zwischen 2010 und 2016 in den einzelnen Gemeinden entwickelt?  
  2. Wie viel Wohnbauland ist verfügbar und wer sind die Besitzer? 
  3. Konzentriert sich das Bauland in den Händen einiger weniger oder vieler Eigentümer? 
  4. Wieviel Bauland wurde zwischen 2010 und 2016 tatsächlich bebaut und wie steht es um die Baudichte auf diesen Grundstücken? 

Entwicklung der Baulandpreise

Zwischen 2010 und 2017 sind die Baulandpreise im Schnitt um 6,1 Prozent pro Jahr gestiegen. Die Steigerung der Baulandpreise ist stärker als die von Immobilien. Der Medianpreis für Bauland lag im Zeitraum 2016-2017 bei 65.521 Euro pro Ar.  Der Durchschnittspreis liegt 15 Prozent höher.

Die Preise sind je nach Region sehr unterschiedlich. Sie liegen zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro Ar im Norden des Landes und reichen bis zu 200.000 Euro in der Stadt Luxemburg zwischen 2015 und 2017.

Wer sind die Besitzer?

Das Observatoire de l'habitat hat ermittelt, dass knapp 15.900 private Besitzer sich drei Viertel des Baulandes (72,5 Prozent) teilen. Der Großteil aber konzentriert sich in den Händen einiger weniger: 60 Prozent des Wertes ist in der Hand von 1.591 Privatpersonen. 23 Personen besitzen Bauland im Wert von mindestens 25 Millionen Euro, 117 Personen besitzen Bauland im Wert von jeweils zehn Millionen Euro und 390 Personen sind Besitzer von Bauland im Wert von mindestens fünf Millionen Euro. 11.179 Personen besitzen maximal zehn Ar und 7.783 Personen maximal fünf Ar.

Verfügbares Bauland

Das meiste verfügbare Bauland befindet sich in städtischen Gemeinden. Die Gemeinde mit der größten Baulandfläche (335 Hektar) ist die Stadt Luxemburg, aber auch Niederanven, Käerjeng, Strassen, Sassenheim und Düdelingen haben größere Baulandflächen. Innerhalb der kommunalen PAG sind 21,7 Prozent, also ein Fünftel der Flächen, nicht bebaut (Stand 2016). Diese Prozentsatz entspricht dem von 2013. 

Bei einem Drittel des Baulandes (941 Hektar) handelt es sich um so genannte Baulücken, die sofort bebaut werden könnten (ohne PAP). 

89,1 Prozent des Baulandes befindet sich in privater und nur 10,9 Prozent (309 Hektar) in öffentlicher Hand. Der private Grundstücksbesitz ist am größten in den ländlichen Gemeinden, während die öffentliche Hand (Staat, Gemeinden) vor allem in den städtischen Gemeinden Bauland besitzt. 

Ohne die Baudichte zu ändern, könnten auf den 2.846 Hektar laut dem Observatoire zwischen 50.000 und 80.000 Wohneinheiten gebaut werden. 

Baudynamik hat zugenommen

Im Vergleich zum Zeitraum 2004-2010 hat die Baudynamik zugenommen. Zwischen 2010 und 2016 sind auf 633 Hektar insgesamt 19.251 Wohneinheiten entstanden, das sind im Schnitt 3.200 Einheiten pro Jahr. Zwischen 2004 und 2010 wurden im Schnitt 2.560 Einheiten pro Jahr gebaut.

Paradigmenwechsel gefordert

Wohnungsbauministerin Sam Tanson kündigte im Zuge einer Pressekonferenz am Donnerstag derweil ein politisches Umdenken an: "Wir brauchen einen Paradigmenwechsel". Ziel sei es, Wohnungen und Grundstücke, die privaten Akteuren gehören, in den Besitz der öffentlichen Hand zu führen. Die meisten Besitzer seien aufgrund der stetig steigenden Preise jedoch nicht daran interessiert, diese an den Staat zu veräußern.

Einige Maßnahmen zur Lösung der Wohnungsproblematik brachte Tanson dennoch ins Spiel. So könnte die Erhöhung der Grundsteuer beispielsweise Abhilfe schaffen. Auch müsse die Politik proaktiver auf Grundbesitzer zugehen, um diese zum Verkauf ihres Grund und Bodens zu bewegen. "Es muss insgesamt uninteressanter werden, eine mögliche Baufläche ungenutzt zu lassen", so die Ministerin.

Auch betonte Tanson die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Staat und Gemeinden, um der Wohnungsnot entgegenzuwirken. Eine Erweiterung des Bauperimeters hält sie derweil nicht für nötig. Auf den aktuell zur Verfügung stehenden Flächen könnten noch bis zu 80.o0o Wohnungen entstehen.


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