Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Barrieren aus der Welt schaffen
Inklusion in der Schule kann nur in Zusammenarbeit gelingen, so Info-Handicap.

Barrieren aus der Welt schaffen

Foto: Shutterstock
Inklusion in der Schule kann nur in Zusammenarbeit gelingen, so Info-Handicap.
Politik 2 Min. 20.09.2018

Barrieren aus der Welt schaffen

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Das neue Gesetz zur schulischen Inklusion ist für Info-Handicap zwar ein Schritt in die richtige Richtung, trotzdem besteht noch viel Handlungsbedarf. Für die Organisation geht die Reform nicht weit genug.

Obwohl Info-Handicap einige Aspekte der Reform zur schulischen Inklusion begrüßt, bemängelt die Organisation, dass es noch immer viel Handlungsbedarf in Sachen schulische Inklusion für Kinder mit Behinderung gibt. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag zog Info-Handicap eine Bilanz des neuen Gesetzes.

Die im Juli verabschiedete Reform habe zu einigen Fortschritten beigetragen. "Endlich gibt es in Form der Kompetenzzentren eine Anlaufstelle für Menschen, deren Kinder eine Behinderung haben", hob Martine Kirsch, Präsidentin der Vereinigung Zesumme vir Inklusioun (ZEFI) hervor. Auch für die neuen ambulanten Förderteams (Equipes de soutien aux élèves à besoins spécifiques, ESEB) fand sie lobende Worte.

Marco Wotipka, Präsident der Association luxembourgeoise des parents d'élèves de l'éducation différenciée (Alpeed) konnte der Reform nicht viel Gutes abgewinnen. Den betroffenen Menschen und Institutionen hätte man seitens der Politik zu wenig Zeit gegeben, die Reformen umzusetzen, so Wotipka. Auch in anderen Punkten sei die Reform nicht weit genug gegangen: "Noch immer gibt es für behinderte Menschen kaum die Möglichkeit, die Schule mit einem anerkannten Diplom abzuschließen."

Parallelgesellschaft

Trotz der Bemühungen für eine gerechte schulische Inklusion gebe es noch immer Parallelgesellschaften, weil zu viele Kinder noch immer in Spezialklassen untergebracht würden, so Martine Kirsch. "Obwohl die Politik Entscheidungsfreiheit für die Eltern predigt, stoßen die Betroffenen oft auf taube Ohren und werden nicht ernst genommen, obwohl sie über viel Erfahrung verfügen", bedauerte die Präsidenten der ZEFI. Grund dafür sei auch ein Mangel an finanziellen Mitteln und ausgebildetem Fachpersonal.

Für Marco Wotipka fehlt es auch am nötigen Verständnis seitens der Politik und der Gesellschaft. Die einzige Lösung bestehe darin, alle betroffenen Personen in ein Boot zu nehmen und nach individuellen Lösungen für jedes Kind zu suchen, schlug der Präsident der Alpeed vor. "Wir brauchen eine politisch unabhängige Instanz, die sich für Inklusion einsetzt", forderte Martine Kirsch.

Für eine barrierefreie Welt

Martine Eischen, Präsidentin der Vereinigung Trisomie 21, bemängelte, dass die meisten Schulen noch immer nicht barrierefrei seien: "Nur eine barrierefreie Schule kann eine inklusive Schule sein." Auch hier fehle es an den nötigen Mitteln, damit die Schule sich besser an die Bedürfnisse von behinderten Kindern anpassen könne.

Gleiches gilt bei der Gebärdensprache. Zwar wurde das Gesetz zur Anerkennung der Gebärdensprache als offizielle Sprache schon dieses Jahr verabschiedet, trotzdem sei seine Umsetzung mehr als schwierig, bedauerte Fabio Giusti, Vizepräsident von Daaflux, da es momentan nur zwei anerkannte Dolmetscher in Luxemburg gebe.

Auch Patrick Hurst, Präsident der Vereinigung Nëmme Mat Eis!, forderte Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Luxemburg. "Im luxemburgischen Schulsystem fehlt es vor allem an Sensibilisierung bei den Schülern und dem Lehrpersonal", bemerkte Hurst. In seinen Augen wäre das neue Fach Leben und Gesellschaft die ideale Gelegenheit gewesen, dieses Thema im Unterricht verstärkt zu behandeln.

Angesprochen auf den Wahlkampf zeigte sich Olivier Grüneisen, Präsident von Info-Handicap, kritisch: "Die Themen Behinderung und gesellschaftliche Inklusion von Behinderten werden in einigen Wahlprogrammen kaum angeschnitten." Seine Organisation werde das politische Geschehen genauestens verfolgen und sich weiterhin für ihre Anliegen einsetzen.