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Bald keine Entlastung von Ehepaaren mehr?
Politik 2 Min. 21.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Blau-rot-grüne Steuerreform

Bald keine Entlastung von Ehepaaren mehr?

Nach der Hochzeit die Steuerrückzahlung? Nach der Steuerreform könnte dieses Geschenk vom Staat bald Geschichte sein.
Blau-rot-grüne Steuerreform

Bald keine Entlastung von Ehepaaren mehr?

Nach der Hochzeit die Steuerrückzahlung? Nach der Steuerreform könnte dieses Geschenk vom Staat bald Geschichte sein.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 21.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Blau-rot-grüne Steuerreform

Bald keine Entlastung von Ehepaaren mehr?

Die für 2017 geplante Steuerreform könnte bei vielen Verheirateten zu Überraschungen führen. Am liebsten würde die blau-rot-grüne Koalition die Steuerprivilegien für Ehepaare abschaffen - in ihren Augen eine "ideologische Besteuerung".

(vb) – In den kommenden Wochen gehen im Finanzministerium die Vorbereitungen für die große Steuerreform in die heiße Phase. Gerade für Ehepaare könnte die Steuerreform erhebliche Auswirkungen haben. Die blau-rot-grüne Koalition will die gemeinschaftliche Veranlagung und damit die Steuerprivilegien für verheiratete Paare abschaffen.

„Wir wollen Schluss machen mit dieser Art der ideologischen Besteuerung“, sagt Eugène Berger (DP), der Vorsitzende der parlamentarischen Finanzkommission. Bei der gemeinsamen Veranlagung wird ein Ehepaar wie ein einziger Steuerzahler behandelt und nach dem Durchschnittslohn der beiden Partner besteuert. Dieses Modell wirkt sich umso günstiger aus, je größer die Einkommensunterschiede zwischen den Ehepartnern sind. Damit wird die „Hausfrauenehe“ gefördert, bei der ein Partner das Geld verdient und der andere sich um die Kinder kümmert.

Die blau-rot-grüne Koalition würde dieses Modell in ihrer großen Steuerreform für 2017 am liebsten abschaffen. „Zwischen Junggesellen und Ehepaaren gibt es derzeit große Unterschiede. Das hat historische Ursachen, aber wir wollen nicht, dass die Steuer aufgrund einer individuellen Lebensauffassung berechnet wird“, sagt Eugène Berger. Die Regierungskoalition strebt eine Individualbesteuerung an – dann spielt es keine Rolle mehr, ob der Steuerzahler verheiratet oder alleinstehend ist. „Dagegen soll die Tatsache, ob Kinder vorhanden sind, weiterhin berücksichtigt werden“, sagt Berger.

Der DP-Politiker schränkt ein, dass sich das Steuerprivileg für Ehepaare nicht einfach von einem auf den anderen Tag streichen lässt. „Eventuell müssen wir da eine Übergangsphase einplanen oder ein Stufenmodell vorsehen.“

Keine versteckte Steuererhöhung

Zu einer Steuererhöhung auf dem Rücken der Ehepaare soll die Maßnahme nicht führen. Um dies zu vermeiden müsste konsequenterweise der Steuertarif gesenkt werden. Für solche Überlegungen sei es aber noch zu früh. Trotzdem: „Es geht für den Staat nicht darum, mehr Steuern einzunehmen." Ein konkretes Modell zur Individualbesteuerung gibt es noch nicht, eher handelt es sich um eine Verhandlungsbasis.

Die DP kann auf Unterstützung des sozialistischen Koalitionspartners hoffen. Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) sagte im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ ebenfalls, dass die jetzige Art der Besteuerung von Ehepaaren „nicht mehr up to date“ sei. Es könne nicht sein, dass das niedrigere Gehalt – häufig das der Ehefrau - durch die gemeinsame Veranlagung höher besteuert wird als wenn der betroffene Ehepartner einzeln veranlagt wird. „Damit nehmen wir Frauen einen Anreiz, nach der Kinderpause weiter oder in Vollzeit arbeiten zu gehen“, erklärt Schmit.

Die CSV hingegen ist alarmiert von den Plänen der Regierungskoalition: Die Oppositionspartei beantragte noch am Mittwochabend eine Sondersitzung der Finanzkommission und erbat weitere Informationen.


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