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Bald kein Religionsunterricht mehr : Religionslehrer fürchten um ihre Zukunft
Politik 2 Min. 12.11.2015 Aus unserem online-Archiv

Bald kein Religionsunterricht mehr : Religionslehrer fürchten um ihre Zukunft

Bis zum Sonntag sollen die Religionslehrer dem Ministerium Dokumente über ihre Ausbildung zustellen. Wo die 220 Lehrer dann eine neue Anstellung bekommen, ist unklar.

Bald kein Religionsunterricht mehr : Religionslehrer fürchten um ihre Zukunft

Bis zum Sonntag sollen die Religionslehrer dem Ministerium Dokumente über ihre Ausbildung zustellen. Wo die 220 Lehrer dann eine neue Anstellung bekommen, ist unklar.
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Politik 2 Min. 12.11.2015 Aus unserem online-Archiv

Bald kein Religionsunterricht mehr : Religionslehrer fürchten um ihre Zukunft

Religionslehrer sollen dem Bildungsministerium ihre Ausbildungsnachweise zukommen lassen. Wie die Übernahme der 220 Grundschullehrer vonstatten geht, wenn die Religionskurse ab 2016 schrittweise abgeschafft werden, ist weiter unklar.

(BB) - "Die Unsicherheit wird immer größer. Wir vermissen einen direkten Dialog mit Minister Claude Meisch und wir wissen gar nicht, wie unsere Zukunft aussehen wird", sagt Vito Notarnicola im Namen der 220 Religionslehrer aus der Grundschule.

Gewusst ist, dass die Regierung die Religionskurse in den Schulen abschaffen will. Seit zwei Jahren sei die Absicht bekannt, betont die Interessenvertretung der Religionslehrer aus der Grundschule (Alerf). Das neue Miteinander, anlässlich der Trennung von Kirche und Staat, hatte die Regierung mit den Glaubensgemeinschaften Anfang 2015 in einem Abkommen festgehalten. Doch was mit den Religionslehrern passiert, ist weiterhin unklar.

Für die Religionslehrer soll es an sich Übernahmeangebote und Weiterbildungsmöglichkeiten geben. Konkrete Lösungen liegen aber noch nicht vor - und das, obschon die ersten neuen Werteunterrichtsstunden zur Rentrée 2016 abgehalten werden sollen. Flächendeckend soll das neue Fach "Leben und Gesellschaft", das den Religions- und den Moralunterricht ersetzt, ab dem Schuljahr 2017/2018 greifen.

Zurück auf Los für 220 Lehrer

"Wir werden wohl wieder die Schulbank drücken müssen. Ganz gleich, ob die Lehrer kurz vor dem Renteneintritt stehen oder ob sie Berufseinsteiger sind", erklärt Edmée Dupont-Zirves, Vizepräsidentin der Alerf. Unabhängig davon, ob die Religionslehrer einen 11e-Abschluss, ein Abitur oder einen Bachelor vorweisen: Sie werden voraussichtlich eine zusätzliche zweijährige Ausbildung machen müssen.

"Das bedeutet, dass wir wieder zu Berufsanfängern werden. Auch wenn wir eine zweijährige Ausbildung in der Ecole der la 2e chance oder an der Uni absolvieren, und zusätzlich eine Stagezeit durchlaufen, ist nicht sichergestellt, unter welchen Umständen wir arbeiten werden", so Edmée Dupont-Zirves weiter. Die Zukunftsperspektiven seien unsicher. Und das um so mehr, weil die Arbeitsplätze als Lehrer und Chargé jetzt schon eng bemessen sind.

Wird die Berufserfahrung anerkannt?

Langjährige Religionslehrer könnten ihre Rechte bezüglich der Arbeitsbedingungen verlieren, befürchtet die Alerf weiter. "Wir verlangen, dass unsere erarbeitete Rechte anerkannt werden. Wir fordern deutliche Antworten des Ministers", fasst Alerf-Präsident Vito Notarnicola die Erwartungen zusammen. Schlechtere Arbeitsbedingungen werde man nicht hinnehmen.

Im Artikel 18 der Konvention zwischen der Regierung und dem Bistum war das Prinzip des "pacta sunt servanda" zurückbehalten worden. Laut diesem Abkommen werden laufende Karrieren und Vergütungen garantiert. Die Alerf ist allerdings besorgt, dass der Übergang nicht so nahtlos erfolgt.

"Hier geht es um Menschen, um ihre Existenz", betont die Alerf. Die Abschaffung der Religionskurse dürfe nicht auf Kosten der Lehrer gehen.

Welche Teilnahme am neuen Werteunterricht?

Inwiefern die Lehrer nach einer Weiterbildung den neuen Werteunterricht abhalten können, ist zurzeit nicht gewusst. "Das wurde uns weder bestätigt, noch verweigert", so Edmée Dupont-Zirves abschließend.

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