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Back vs Buck
Politik 3 Min. 18.01.2020

Back vs Buck

Im kurzweiligen Wechselspiel tauschten die Gewerkschaftschefin und der Unternehmensboss ihre Ansichten aus.

Back vs Buck

Im kurzweiligen Wechselspiel tauschten die Gewerkschaftschefin und der Unternehmensboss ihre Ansichten aus.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 18.01.2020

Back vs Buck

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Paperjam Club lässt Nora Back (OGBL) und Nicolas Buck (UEL) gegeneinander antreten.

„Back vs Buck“ hieß es am Donnerstagabend auf Einladung des Paperjam Club der Maison Moderne in Düdelingen. Aufgezogen war die gut besuchte Veranstaltung zwar wie ein Duell, wer sich aber angesichts des letzthin angespannten Sozialdialogs heftige Wortgefechte erwartet hatte, wurde enttäuscht. 

Nora Back (40) und Nicolas Buck (51) tauschten Ansichten aus: Wie in einer Quizshow konnten sie abwechselnd aus 15 Zukunftsthemen aussuchen, zu welchem sie drei Minuten lang sprechen wollten, wobei der Gegenpart dann eine Minute Zeit behielt zu antworten. Kurzweilig war die Debatte dennoch und nicht weniger interessant, denn die inhaltlichen Unterschiede ließen sich auch so gut herausarbeiten. 

Gemeinsamkeiten

Nora Back
Nora Back
Foto: Guy Jallay

Zunächst fallen aber Gemeinsamkeiten auf: Beide setzten sich im vergangenen Jahr an die Spitze ihrer Organisationen – Back von der Arbeitnehmerkammer und dem OGBL, Buck von der Union des Entreprises (UEL) –, beide stehen für einen Generationenwechsel, beide fühlen sich sichtlich wohl auf der Bühne, sind schlagfertig und nehmen Themen auch mal mit Humor – der eine schelmischer als die andere. 

Doch während sich Buck gerne als Visionär inszeniert, steht Back klar in der Tradition des OGBL für Besitzstandswahrung. So antwortete Buck auf die abschließende Frage, wo Luxemburg 2040 stehe, dass er Luxemburg dann in nur noch 40 Gemeinden aufgeteilt sehe. „Die Stadt Luxemburg muss größer werden und die Randgemeinden aufnehmen, um den Sprung zu einer internationalen Metropole mit irgendwann einer halbe Millionen Einwohner zu schaffen.“ 

Er begrüßt es, dass Europa die Führung bei der Entkarbonisierung übernommen hat – das sei man den nachfolgenden Generationen schuldig. Man müsse sich aber bewusst sein, dass die kommenden 30 Jahre sehr schwierig würden. Back antwortete dagegen abwehrend: „Der OGBL holt nicht gerne die Kristallkugel heraus, wir müssen die Herausforderungen von heute lösen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen die Verantwortung, die großen, sehr schnellen Umwälzungen gemeinsam zu bewältigen.“ 

Sie stellte in Frage, ob denn wirklich alles in der Stadt angesiedelt sein müsse und sprach sich eher für eine Dezentralisierung aus. Mehr Einfluss in Europa suchen Auch beim Gedankenaustausch über die Zukunftsfragen, wie Gleichheit zwischen Mann und Frau, Europa, Kaufkraft, Steuern, Klima oder soziale Ungleichheiten zeigten sich die gewohnten Denkschemen und roten Linien. So nutzte Back die Frage nach der Lohngleichheit zwischen Mann und Frau geschickt dazu, für flächendeckende Kollektivverträge als Garant dafür zu werben. „Das ist schnell und ganz pragmatisch zu machen“, sagte sie augenzwinkernd. 

"Frage der Zeit"

Nicolas Buck
Nicolas Buck
Foto: Guy Jallay

Für Buck war es eine Frage der Zeit, dass die Entwicklung ihren Weg gehe und Männer und Frauen sich gleichgestellt berufliche und familiäre Pflichten teilen würden. Er sagte zum Thema Europa: „Uns beschäftigt, dass immer weniger hohe Beamte in der EU Luxemburger sind, denn die Zukunft Luxemburgs hängt von einem starken Europa ab, das wir mitgestalten sollten.“ Als Back dagegen forderte, dass Europa sich mehr auf Soziales konzentrieren müsste, kommentierte er ironisch: „Ich wünsche Nicolas Schmit alles Gute bei der Einführung eines Mindestlohns in Europa.“ 


Wie weit trotz leichtem Tonfall die grundsätzlichen Differenzen sind, zeigte sich auch beim Thema Kaufkraft. Für Back ist es „skandalös, dass in einem reichen Land wie Luxemburg, wo die Wirtschaft dreht, Leute arbeiten und dennoch nicht davon leben können“. Hier hätte nicht nur die Regierung ihre Rolle zu spielen, sondern auch die Arbeitgeber. „Sie müssen den Wert der Arbeitnehmer anerkennen und faire Löhne zahlen.“ 

Buck konterte, dass die Wirtschaft inklusiv sein müsse, aber nicht jeder sei eben gleich und bringe denselben Input. Er forderte, dass jeder zumindest ein bisschen Steuern zahlen müsse und befand Luxemburg als exemplarisch bei den Sozialtransfers. Wann Buck provoziert und was die Haltung der UEL widerspiegelt, ist allerdings nicht immer klar. 


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