Ausbeutung von Arbeitskräften

Luxemburg ist kein Musterschüler

Die Baubranche gehört zu den Wirtschaftszweigen, wo Arbeiter am häufigsten ausgebeutet werden.
Die Baubranche gehört zu den Wirtschaftszweigen, wo Arbeiter am häufigsten ausgebeutet werden.
Foto: Serge Waldbillig

(ml) - Die EU-Grundrechteagentur (FRA) stellt Europa an den Pranger. In ihrem neusten Bericht heißt es, dass schwere Ausbeutung von Arbeitskräften keine Seltenheit ist. Vor allem imigrierte Arbeiter seien diesem Risiko am meisten ausgesetzt.

Vielen von ihnen würde man die Pässe abnehmen und sie müssten trotz Hungerlohn weitgehendst auf freie Tage verzichten. Die ausländischen Arbeitnehmer würden zum Teil nur einen Euro pro Stunde oder weniger verdienen. Häufig hätten die Betroffenen auch keinen Vertrag. 

Auch Luxemburg in der Kritik

In dem Bericht, der auf rund 600 Gesprächen mit Gewerkschaftern, Polizisten oder Mitarbeitern von Aufsichtsbehörden fußt, wird auch Luxemburg kritisiert. Die Gesetzgebung zur Bekämpfung der Arbeitsausbeutung sei nicht ausreichend. Die vorgesehenen Strafen seien zu schwach, heißt es.

Für die Täter bestehe lediglich ein geringes Bestrafungsrisiko. Konkret geht es um Artikel 382-2 im Luxemburger Strafrecht, der Strafen zwischen acht Tagen und einem Jahr Gefängnis vorsieht, was einer so gravierenden Verletzung der Grundrechte nicht gerecht werde. Ähnliche Vorwürfe werden auch gegen Griechenland, Lettland und Tschechien erhoben. Die Studie enthält jedoch keine konkreten Zahlen zum Ausmaß des Problems in Luxemburg  oder in der Europäischen Union.

In einer Reihe von Wirtschaftszweigen sei die kriminelle Ausbeutung von Arbeitskräften besonders weit verbreitet, unterstreicht die EU-Agentur in ihrem Bericht. Besonders im Bereich Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei sei das Risiko für Ausbeutung am höchsten. Danach folgen die Baubranche, das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Beschäftigung im Haushalt.

Um das Phänomen wirksamer zu bekämpfen, schlagen die Experten bessere Kontrollen und schärfere Gesetze vor. Die EU-Mitgliedsstaaten werden dazu aufgefordert, "für ein hinreichend ausgestattetes System von Arbeitsplatzkontrollen" zu sorgen, nach einem ähnlichen Strickmuster wie es im Kampf gegen den Menschenhandel bereits zur Anwendung kommt.