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Aus der Bahn geraten
Politik 2 Min. 06.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Aus der Bahn geraten

Prügeleien auf dem Schulhof sind keine Seltenheit. Manche Schüler jedoch stellen eine Gefahr für die ganze Schulgemeinschaft dar.

Aus der Bahn geraten

Prügeleien auf dem Schulhof sind keine Seltenheit. Manche Schüler jedoch stellen eine Gefahr für die ganze Schulgemeinschaft dar.
Foto: Getty Images
Politik 2 Min. 06.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Aus der Bahn geraten

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Sie sind aggressiv, stören den Unterricht, beschimpfen, bedrohen und schlagen andere Kinder und auch Lehrer.

Für solche Kinder ist die Schule der falsche Ort, sagte Bildungsminister Claude Meisch, als er Mitte April bei einer Pressekonferenz die Schaffung von 50 Intensivtherapieplätzen außerhalb des Schulsystems ankündigte; für Kinder, die aus der Spur geraten sind. Weil es diese Strukturen hierzulande noch nicht gibt, suchen viele Familien Hilfe im Ausland, Manuel Achten vom Bildungsministerium zufolge über 100 jedes Jahr.

Landesweites Angebot

Künftig werden Kinder, die aufgrund ihres auffälligen sozialen Verhaltens als unbeschulbar eingestuft werden, in Luxemburg betreut. Sechs Organisationen aus dem sozio-edukativen Bereich haben sich bereit erklärt, Intensivtherapieplätze anzubieten und das landesweit, wie Manuel Achten auf Nachfrage des Luxemburger Wort erklärte. Achten ist im Bildungsministerium für den Bereich Kindheit und Jugend zuständig.

Diese sechs Organisationen sind das Rote Kreuz, Arcus, Télos Education, SOS Kannerduerf Lëtzebuerg, Solidarité Jeunes und Anne asbl. Alle sind Mitglied der Plattform Aide à l'enfance et à la famille der erst vor wenigen Monaten gegründeten Fédération des acteurs du secteur social (Fedas).

Die Aufnahme in einem Intensivtherapiezentrum erfolgt auf Anfrage der Schule und der Eltern und auf Basis einer ausführlichen Diagnostik. Schule und Eltern müssen den Antrag stellen. „Einen anderen Kanal gibt es nicht“, erklärt Manuel Achten.

Alle Strukturen sollten im Prinzip sowohl eine Tages- als auch eine 24-Stunden-Betreuung anbieten. Welche Betreuung die richtige ist, werde von Fall zu Fall entschieden, erklärt Achten. Zugleich weist er darauf hin, dass es sich bei den Strukturen weder um Heime noch um Internate handle.

Eins-zu-Eins-Betreuung

Die Intensivtherapiezentren nehmen Kinder im Grundschulalter (drei bis zwölf Jahre) mit einem auffälligen Sozialverhalten auf. Ziel ist die schulische Wiedereingliederung der Kinder. „Das Angebot richtet sich nicht an Kinder mit motorischen oder kognitiven Problemen“, stellt Achten klar. Der Personalschlüssel ist sehr intensiv: eins zu eins.

Eine Beschulung findet während der Therapiezeit nicht statt. Stattdessen setzt man auf spielerisches Lernen, ohne Bezug zu den offiziellen Lehrplänen. Die Schulpflicht, so könnte man sagen, ist außer Kraft gesetzt. Gilbert Pregno, bis vor Kurzem Leiter des von ihm gegründeten Kannerschlass Suessem, bedauert dies. Das sei nicht gut für die Identität der Kinder, sagt er.

Pregno hat jahrelange Erfahrung mit verhaltensauffälligen Kindern. Er wirft dem Ministerium vor, von der Realität draußen abgetrennt zu sein. „Die Vorstellung ist: Man repariert die Kinder und gibt sie wieder zurück ins System. Das funktioniert aber nicht“, sagt er. Das Kannerschlass hat sich in dieser Angelegenheit im Übrigen auch nicht beworben.

Rolle der Kompetenzzentren

Die nationalen Kompetenzzentren sind zuständig für die schulische Wiedereingliederung, in Zusammenarbeit mit den Schulen und den jeweiligen Therapiezentren. Achten spricht von einer optimalen Vernetzung der Strukturen im Sinne der Kinder.

Die Aufenthaltsdauer im Therapiezentrum ist nicht zeitlich begrenzt. Auch hier wird von Fall zu Fall entschieden. Sollte die Betreuung im Zentrum nicht die gewünschten Erfolge bringen, ist auch eine Unterbringung in einer anderen Struktur möglich, so Achten.

Läuft alles nach Plan, werden im Herbst die ersten 25 Therapieplätze zur Verfügung stehen, im zweiten Trimester dann die restlichen 25. Ein ähnliches Angebot ist im nächsten Jahr für Sekundarschüler geplant. Das Ministerium startet laut Manuel Achten mit einem Projekt in Esch/Alzette.


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