Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Aus dem Ministerrat : "Neid zwischen den Landwirten vermeiden"
Politik 3 Min. 05.05.2017

Aus dem Ministerrat : "Neid zwischen den Landwirten vermeiden"

Premier Xavier Bettel: "Wir  zwingen niemandem etwas auf, wir regen an!"

Aus dem Ministerrat : "Neid zwischen den Landwirten vermeiden"

Premier Xavier Bettel: "Wir zwingen niemandem etwas auf, wir regen an!"
Foto: Chris Karaba
Politik 3 Min. 05.05.2017

Aus dem Ministerrat : "Neid zwischen den Landwirten vermeiden"

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Die Regierung will die Landwirtschaft nachhaltiger gestalten. Inzwischen sind erste Details über die Bio-Teilumstellung bekannt. Des Weiteren wurde beschlossen, die Gebärdensprache offiziell anzuerkennen.

(ml) - Bereits in seiner Erklärung zur Lage der Nation hatte Premierminister Xavier Bettel verkündet, dass Blau-Rot-Grün die Teilumstellung der Agrarbetriebe auf Bioproduktion zusätzlich fördern werde. Die Aussage hatte damals  bei den Bio-Bauern Skepsis ausgelöst. Am Freitag hat die Regierung im Ministerrat die entsprechende Verordnung gebilligt.

Durch die Teilumstellung erhofft sich Agrarminister Fernand Etgen einen "Ruck nach oben". Defizite bei den Bioprodukten gebe es derzeit vor allem beim Geflügel und beim Gemüse. Bei den Bioprodukten sei die Nachfrage hierzulande deutlich höher als das Angebot, pflichtete ihm Premierminister Xavier Bettel. In Europa belege Luxemburg beim Verbrauch von Bioprodukten Platz 3. Was die Bioproduktion betreffe, sei das Großherzogtum auf den unteren Rängen vorzufinden. In Zukunft gelte es das Potenzial der Biolandwirtschaft verstärkt zu nutzen.

"Keine gute und keine böse Bauern"

Bauern, die ihren Hof zum Teil auf Bioproduktion umstellen, müssen bei den Tierarten eine Wahl treffen. So kann z.B. ein Landwirt Bio-Hühner gemeinsam mit konventionellen Schweinen halten. Eine Kombination von Bio-Mutterkühen und üblichen Milchkühen ist dagegen nicht möglich. 

Die Regierung versuche zu vermeiden, dass Neid zwischen den verschiedenen Bauern entstehe, sagte Landwirtschaftsminister Fernand Etgen: "Für uns gibt es keine guten Bauern und keine bösen Bauern. Es gibt nur eine Landwirtschaft, aber mehrere Methoden." Premierminister Xavier Bettel fügte  hinzu: "Wir zwingen niemandem etwas auf, wir regen an!"

13 Umweltmaßnahmen

Die Bioprämie ist eine von insgesamt 13 Umweltmaßnahmen im Agrarbereich. Vorgesehen sind u.a. Beihilfen für Ersosionsschutz, das Anlegen von Uferlandstreifen oder den Anbau von Zwischenfrucht. Auch Landwirte, die sich bereit erklären, in Wasserschutzgebieten weniger zu düngen, werden finanziell unterstützt. 

Die Laufzeit der Maßnahmen beträgt fünf Jahre, sie kann jedoch auf sieben Jahre verlängert werden. Nach fünf Jahren wird überprüft, welche Maßnahmen das gesteckte Ziel erreicht haben und fortgesetzt werden.

Anerkennung der Gebärdensprache

Des Weiteren hat die Regierung beschlossen, die Gebärdensprache offiziell anzuerkennen. Nach Gesprächen mit den betroffenen Organisationen wurde die deutsche Sprache zurückbehalten. Demnach haben künftig nicht hörende und schwer hörende Menschen ein Recht auf einen Gebärdensprachdolmetscher, wenn sie  mit einer Verwaltung in Kontakt stehen. Zudem steht den betroffenen Kindern auch in der Schule die Gebärdensprache zu. Wie viele Menschen von dieser Maßnahme profitieren werden, vermochte Bettel nicht zu sagen.

Die kommenden Sozialwahlen werden unterdessen erst im Februar oder März 2019 stattfinden. Damit soll vermieden werden, dass die Sozial- und Parlamentswahlen zeitlich zu nahe aneinander liegen. Der ursprüngliche Wahltermin war für November 2018 vorgesehen.

"Brexit-Lösung muss auch für die Briten zu verkraften sein"

Beim Pressebriefing schnitt Premier Bettel auch internationale Themen an. Mit Blick auf die anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich äußerte Bettel den Wunsch, dass sich die Beziehungen zwischen Luxemburg und seinem Nachbarstaat nach dem Urnengang nicht verschlechtern. Der luxemburgische Regierungschef verbringt die beiden nächsten Tage in Frankreich. Am Wahlabend weilt er jedoch in Berlin, wo er in der ARD-Talkrunde von Anne Will zu Gast ist.

Am kommenden Montag will der Staatsminister die Mitglieder des außenpolitischen Parlamentsausschusses über die schwierigen Brexit-Gespräche auf EU-Ebene in Kenntnis setzen. Sorgen bereiten ihm  das eskalierende Verhalten auf beiden Seiten. Bettel plädiert dafür, dass eine Lösung im Interesse von Europa gefunden wird, die gleichzeitig für die Briten zu verkraften ist: "Es darf nicht darauf hinauslaufen, dass den Briten eine Rechnung ausgestellt wird, nur weil sie eine Entscheidung getroffen haben, die uns nicht passt."

Bis zu 100 Milliarden Euro - so teuer dürfte die Scheidung von Europa für Großbritannien werden. Dabei handele es sich keineswegs um ein Bußgeld, sondern vielmehr um Geld, das die Briten der EU aufgrund der eingegangenen Verpflichtungen schulden würden, so der Premier. Abschließend räumte Bettel ein, dass die Regierung bei ihrer Brexit-Strategie auf externe Berater zurückgriff.


Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Besuch beim Biobauern
Die Biolandwirtschaft in Luxemburg hat trotz Förderprämien einen schweren Stand. Viele konventionelle Landwirte zögern vor einer Umstellung.
Glückliche Schweine auf dem Biohof Kass-Haff.
Geflügelzucht in Luxemburg: Hähnchen von zu Hause
Es gibt sie – die Hähnchen „made in Luxembourg“. Sowohl konventionell gezüchtet als auch als Biovariante, direkt vom Hof oder bei ausgewählten Metzgern. Das Interesse ist längst da – und die Nachfrage wächst stetig weiter.
13.3.2017 Luxembourg, Oberpallen, made in Luxembourg, Hähnchenbusinessm Bauer Tom Jungblut photo Anouk Antony
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.