Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Aufgreifen der Lebensrealität“
Politik 2 Min. 06.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Bischofsvikar Leo Wagener

„Aufgreifen der Lebensrealität“

Bischofsvikar Leo Wagener
Bischofsvikar Leo Wagener

„Aufgreifen der Lebensrealität“

Bischofsvikar Leo Wagener
Foto: Marc Wilwert
Politik 2 Min. 06.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Bischofsvikar Leo Wagener

„Aufgreifen der Lebensrealität“

Anlässlich der außergewöhnlichen Bischofssynode zur Familie in Rom haben wir mit dem für die Pastoral zuständigen Bischofsvikar Leo Wagener gesprochen.

Herr Wagener, was erwarten Sie von dieser Synode?

Ausgehend von den vielfältigen Herausforderungen, denen sich Familien und Familienpastoral gegenüber sehen, erwarte ich mir von den Synodalen einen offenen und tabulosen Diskurs, der zielführend zu pastoralen Impulsen im Kontext der Evangelisierung führt.

Die Sorge ist ja die, dass wenn die Lebenswirklichkeit von Ehe und Familien zu weit von der kirchlichen Lehre und Praxis abdriftet, die Menschen auch indifferent für das Evangelium in seiner sinnstiftenden und lebensfördernden Dimension werden. Hier erwarte ich mir Vorschläge, die neue Brücken zwischen der Theologie und den Menschen schlagen. Da die Synodenteilnehmer aus der ganzen Welt kommen und sehr unterschiedliche kirchliche Erfahrungen mitbringen, erwarte ich mir auch belebende Impulse für die Familienpastoral.

Im Vorfeld wurden die Gläubigen dazu konsultiert. Wie haben sich die Teilnehmenden an der betreffenden Umfrage in Luxemburg geäußert?

Die breite Befragung in den einzelnen Diözesen als Vorbereitung auf die Synode stellt ein Novum dar und belegt den „neuen Stil“ von Papst Franziskus. Die Antworten aus unserem Bistum zu dem umfangreichen Fragebogen hat Erzbischof Hollerich in einem 34-seitigen Dokument unverändert nach Rom weitergeleitet.

Wenn die Lebenswirklichkeit von Ehe und Familien zu weit von der kirchlichen Lehre und Praxis abdriftet, werden die Menschen indifferent für das Evangelium.

Darin werden u.a. die mangelnde Rezeption der kirchlichen Lehrpositionen zur Sexualmoral und zu Ehe- und Familie, neue Wege in der pastoralen Praxis, insbesondere mit Menschen, die an diesen lehramtlichen Ansprüchen vorbei leben, thematisiert. Die Gläubigen wünschen sich ein verstärktes Aufgreifen der Lebensrealität in den kirchlichen Stellungnahmen. Allen Antworten ist ein leidenschaftliches Ringen um den Wert und den Bestand von Ehe und Familie im Kontext veränderter Lebenszusammenhänge gemein.

Stehen am Ende dieser Zusammenkunft konkrete Entscheidungen an?

Da die Synode ein rein beratendes Organ für den Papst ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass es unmittelbar zu tiefgreifenden lehramtlichen Veränderungen kommt. Diese gehören in einen anderen Kompetenzbereich. Diese außergewöhnliche Synode mündet ja in eine zweite, die 2015 stattfindet.

Zwischen den Synoden soll in den Teilkirchen weiter nachgedacht werden, wie das Evangelium als befreiende Botschaft von den Menschen in sehr unterschiedlichen familiären und gesellschaftlichen Kontexten verstanden und gelebt werden kann. Es wird keine Synode der Beschlüsse, sondern der gemeinsamen Suche von Wegen sein, um Ehe und Familie in das Herz des Evangeliums und das Evangelium in das Herz der Familien zu bringen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Bischofssynode feierte am Samstag ihr 50-jähriges Bestehen. Papst Franziskus nutzte den Festakt zu einer Grundsatzrede über mehr kollegiale Wege und Strukturen in der Kirche: "Kirche und Synode sind Synonyme."
Papst Franziskus sprach sich für ein Überdenken des Papstprimats aus.
Papst zu Synodenbeginn
Papst Franziskus hat zu Beginn der Weltbischofssynode über die Familie betont, dass die kirchliche Glaubenslehre kein "Museum" sei, das es zu hüten oder zu beschützen gelte. Und Kardinal Erdö, der Generalrelator der Versammlung, bekräftigte u. a. die Unauflöslichkeit der Ehe.
Papst Franziskus: Die Familie, eine lebendige Quelle für die Kirche.
Fragen und Antworten zur Familiensynode in Rom
Die Bischofssynode kann debattieren, vorschlagen und empfehlen; doch die kirchliche Lehre kann sie nicht ändern. Die Vollmacht dazu haben allein der Papst oder ein Konzil.
 Die bevorstehende Bischofssynode soll nach dem Willen des Papstes „konkrete Lösungen“ bringen.
Bischofsvikar Leo Wagener
Anlässlich der außergewöhnlichen Bischofssynode zur Familie in Rom haben wir mit dem für die Pastoral zuständigen Bischofsvikar Leo Wagener gesprochen.
Bischofsvikar Leo Wagener
Bischofstreffen zu Ehe und Familie
Es könnte wohl weniger heikle Themen geben, mit denen sich die Bischfssynode in Rom beschäftigt. Im Zentrum: Papst Franziskus, der zu der außergewöhnlichen Versammlung im Vatikan eingeladen hat.
Faithful hold candles during a vigil prayer in preparation for the Synod on the Family on October 4, 2014 at St Peter's square at the Vatican.  AFP PHOTO / GABRIEL BOUYS
Bei einer nächtlichen Andacht Petersplatz beten Gläubige mit dem Papst für ein gutes Gelingen der Synode.
Hohe Erwartungen und eine heftige Kontroverse
Die öffentlich geführte Theologen-Kontroverse um die wiederverheirateten Geschiedenen hat die Erwartungen an die Bischofssynode nochmals gesteigert.  Ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.
A woman holds candle during a vigil led by Pope Francis to mark the opening of the Synod on the family in Saint Peter's Square at the Vatican October 4, 2014. REUTERS/Tony Gentile (VATICAN - Tags: RELIGION)