Auf ein Wort ...

Ein Wort aus der Aktualität: Die Elite

Das Wort Elite ist in den vergangenen Tagen zu einem Gesprächsthema geworden.
Das Wort Elite ist in den vergangenen Tagen zu einem Gesprächsthema geworden.
FOTO: MARC THILL

von Marc Thill @marcthill

Nach dem Referendum machte plötzlich das Wort "Die Elite" die Runde. In seiner  Analyse "Arroganz, Protest und das Versagen der Elite" schrieb das "Luxemburger Wort" am vergangenen Dienstag über "eine krasse Diskrepanz zwischen einer politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Elite, die sich – aus welchen Gründen auch immer – von der Mehrheit des Volkes entfremdet hat".  Auch stand in diesem Artikel: "Die Eliten, allen voran die selbst ernannten demokratischen Erneuerer der Dreierkoalition, haben kläglich versagt."  

Die Elite - ein Wort aus der Aktualität*.

Das Wort "Elite" kommt vom lateinischen "exlegere", "auslesen". Als Elite bezeichnet man eine Gruppe, einen Personenkreis oder eine Gemeinschaft, in der sich nur die Besten befinden. Es sind die "Auserlesenen". Dabei gibt es nicht eine, nein, es gibt verschiedene Eliten: Bildungseliten, Machteliten, Kultureliten...  

Die Elite und die Masse

Die Elite ist per se eine Minorität. Sie kann sehr geschlossen sein, wie Fred Keup, der Wortführer der Nein-Sager beim Referendum, in einem Gespräch mit dem "Luxemburger Wort" hervorgehoben hat. Zu der Luxemburger Elite zählten für ihn "die geschlossenen Befürworter des Ausländerwahlrechts in Politik, Medien und Wirtschaft".

Beim Referendum am vergangenen Sonntag war diese Elite aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Gewerkschaften, Kirche und Medien, die zum Ja aufgerufen hatte, nur eine Minorität, und ihrem Aufruf war am Ende auch nur eine Minorität gefolgt, derweil die Masse mit einem donnernden Nein antwortete.

Die Masse steht der Elite gegenüber. Sie ist der "Normalbürger", der "Durchschnitt" und die Mehrheit ... und beim Referendum war sie der Nein-Sager.

Interessant ist, dass das Wort Elite aus dem Lateinischen zunächst ins Französische und von dort in viele andere Sprachen gelangt ist - und das ohne Übersetzung. Sogar im Finnischen und im Ungarischen, den beiden nicht indogermanischen Sprachen in Europa, gibt es das Wort: "Eliitti" auf Finnisch, "Elit" auf Ungarisch.

"Le gratin" und "la crème"

Es fällt zudem auf, dass das Wort Elite seit dem 19. Jahrhundert zunehmend eine negative Bedeutung angenommen hat. Die Eliten, das sind die Bösen, die Wichtigtuer, die Schuldigen. ... In der französichen Sprache sagt man deshalb auch für die elite mehr herablassend als bewundernd "la crème" oder "le gratin" und auch noch "le dessus du panier". Im Deutschen heißt es dafür die Oberschicht, die oberen Zehntausend, das Establishment, die Upper-ten.

Man mag heutzutage die Eliten nicht mehr, man hört auch nicht mehr auf sie. Die Eliten sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Vor allem die politische Klasse hat an Charisma verloren, und die parlamentarischen und offiziellen Reden haben nicht mehr die Substanz, die sie einmal hatten - alles scheint ausgedünnt. Ja, die Elite hat es heutzutage schwer.

* In der Rubrik "Ein Wort aus der Aktualität" wollen wir regelmäßig über ein Wort schreiben, das die Tagesaktualität prägt.