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Atomares Endlager in Lothringen: Regierung zum Handeln aufgefordert
Politik 2 Min. 16.07.2015 Aus unserem online-Archiv

Atomares Endlager in Lothringen: Regierung zum Handeln aufgefordert

Das Lager in Gorleben sorgt seit Jahren in Deutschland für Proteste - nun plant Frankreich eine ähnliche Anlage in Lothringen.

Atomares Endlager in Lothringen: Regierung zum Handeln aufgefordert

Das Lager in Gorleben sorgt seit Jahren in Deutschland für Proteste - nun plant Frankreich eine ähnliche Anlage in Lothringen.
Foto: GNS
Politik 2 Min. 16.07.2015 Aus unserem online-Archiv

Atomares Endlager in Lothringen: Regierung zum Handeln aufgefordert

Frankreich plant ein Endlager für radioaktive Abfälle in Lothringen. Knappe zwei Autostunden von Luxemburg entfernt soll radioaktiver Müll eingelagert werden.

(TJ) - Vorige Woche wurde in Frankreich die sogenannte "Loi Macron" verabschiedet. Das Gesetz zum wirtschaftlichen Wachstum sieht in einem kleinen Passus quasi nebenbei vor, dass im lothringischen Bure - rund 20 Kilometer westlich von Nancy - ein Lager für hochradioaktiven Abfall - ähnlich demjenigen im deutschen Gorleben - eingerichtet werden soll.

Claude Turmes spricht von einem "politischen Skandal".
Claude Turmes spricht von einem "politischen Skandal".
Foto: Serge Waldbillig

Bereits am Dienstag hatte der grüne Europaabgeordnete Claude Turmes auf RTL betont, damit riskiere "Lothringen zum radioaktiven Mülleimer von Frankreich" zu werden. Turmes meinte, die französische Atomlobby habe den Abschnitt in die "Loi Macron" eingeschmuggelt. Er spricht von einem "politischen Skandal". Das deutsche Lager in Gorleben sei ein "Minilager" im Vergleich zu dem, was Frankreich in Bure plane. Das Lager in Lothringen soll ab 2017 gebaut werden, spätestens ab 2025 sollen die ersten hochradioaktiven Abfälle dort eingelagert werden.

Das Problem dieser Lager ist die Tatsache, dass die Abfälle zum Abklingen über Jahrhunderte sicher und dicht dort eingelagert werden müssen. Bei einem Leck sei eine größere Umweltkatastrophe unausweichlich.



Reaktion vom Krautmarkt

In seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien hat das Parlament in Luxemburg eine Motion der Abgeordneten Henri Kox, Roger Negri und Max Hahn einstimmig angenommen, in welcher die Regierung aufgefordert wird, sich mit den Partnern aus der Großregion in Verbindung zu setzen.

Das Projekt müsse im Einklang mit den geltenden Umweltschutzgesetzen und in aller Transparenz umgesetzt werden, so die Abgeordneten.

Auch der saarländische Landtag hat bereits reagiert und die deutsche Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Die deutschen Parlamentarier gehen noch einen Schritt weiter und fordern Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf, sich bei den französischen Behörden gegen den Bau des Lagers Bure einzusetzen. Neben den Pannenreaktoren Cattenom und Thiange vertrage die Region keine weitere nukleare Anlage mehr.

Historie von Bure

Erste Bohrungen zur Erkundung der Möglichkeit, dort radioaktives Material einzulagern, fanden bereits 1994 statt. Frankreich sucht seither nach einer Möglichkeit, seine radioaktiven Abfälle über einen Zeitraum von bis zu 1.000.000 Jahren sicher einzulagern. Versuchsstollen wurden in einer Tiefe von 500 Metern angelegt.

Das "Felslabor" wird von der französischen Atommüllbehörde ANDRA (Agence Nationale pour la Gestion des Déchets Radioactifs) betrieben und erstreckt sich über eine Ausdehnung von 30 Quadratkilometern. Es handelt sich um ein Tunnelsystem, das nach aktuellen Schätzungen 130.000 Kubikmeter mittel- und 8000 Kubikmeter hochradioaktives Material aufnehmen könnte. Bisher wurden 1,5 Milliarden Euro in die Anlage investiert.