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Astrid Lulling veröffentlicht ihre Autobiografie
Mein Leben als Frau in der Politik, so der Titel der Autobiografie von Astrid Lulling.

Astrid Lulling veröffentlicht ihre Autobiografie

Foto: Chris Karaba
Mein Leben als Frau in der Politik, so der Titel der Autobiografie von Astrid Lulling.
Politik 2 Min. 20.09.2018

Astrid Lulling veröffentlicht ihre Autobiografie

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
In ihrem Buch "Mein Leben als Frau in der Politik" gibt die langjährige Europaabgeordnete Astrid Lulling Einblicke in ihr fast 50-jähriges politisches Schaffen.

Sie habe ihre Autobiografie geschrieben, weil sie eine der letzten noch lebenden Zeitzeugen sei, erklärte Astrid Lulling am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Buches "Mein Leben als Frau in der Politik". Angetrieben zur Niederschrift ihrer Erinnerungen hat sie aber auch die Tatsache, dass sie sich jahrelang in einer reinen Männerwelt behaupten musste.

Dass es bei der Buchpräsentation nicht an Anekdoten fehlte, versteht sich von selbst. Als Astrid Lulling 1965 den Sprung ins Parlament schaffte- damals noch als LSAP-Abgeordnete-, war sie die einzige Frau in der Chamber. Die Abgeordnetenkammer war damals ein reiner Männerverein, es gab nicht einmal Toiletten für Frauen. Bei der Vorstellung ihres Buches erzählte Lulling, dass schließlich auf der einzigen Toilette im Hohen Haus ein Sichtschutz aufgestellt wurde, der recht bald den Namen "paravent Lulling" erhielt.

Die Autobiografie von Astrid Lulling ist im Selbstverlag erschienen und ist zum Preis von 19,50 Euro im Buchhandel erhältlich.
Die Autobiografie von Astrid Lulling ist im Selbstverlag erschienen und ist zum Preis von 19,50 Euro im Buchhandel erhältlich.
Foto: Chris Karaba

Heute ist eine andere Lokalität nach Astrid Lulling benannt: Die Bar des Europaparlaments in Brüssel trägt seit ihrem - unfreiwilligen - Rückzug von der europapolitischen Bühne den Namen "Astrid Lulling Lounge". Dazwischen liegen fast 50 Jahre Politik. Kaum ein anderer Politiker kann auf eine derart lange Karriere zurückblicken. Dabei war dem "Arbeitermädchen" aus Schifflingen die Politik nicht in die Wiege gelegt.

Über die Gewerkschaft in die Politik

Nach ihrem Studium arbeitete Lulling zunächst in einer Apotheke. Eher durch Zufall landete sie dann bei der Gewerkschaft LAV, wo sie als Sekretärin tätig war und u.a. für den LAV-Generalsekretär Antoine Krier arbeitete. Über die Gewerkschaft kam sie schließlich in die Politik. 1965 zog sie für die LSAP sowohl in das nationale als auch in das Europaparlament ein. Ab 1970 war sie Bürgermeisterin von Schifflingen.

In ihrem 318 Seiten starkem Buch widmet sie denn auch ein großes Kapitel der Gewerkschaftsszene, die sich noch vor der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ganz klar pro-europäisch aufstellte.

Doch ihre Liebe zur sozialistischen Partei stieß 1971 an ihre Grenzen. Lulling wird aus der Arbeiterpartei ausgeschlossen und gründet mit Gleichgesinnten die sozial-demokratische Partei SdP. Als die SdP einige Jahre später am Ende ist, bewegt der damalige Premierminister Pierre Werner sie zum Eintritt in die CSV.

Der Klodeckel

In ihrer Autobiografie spart die 89-jährige Politikerin die unangenehmen Kapitel ihrer Vita nicht aus. Der GTL-Lulling-Affäre, besser bekannt unter dem Namen Klodeckel-Affäre, widmet sie ein ganzes Kapitel: "Die Zeit zwischen 1981 und 1988 waren die schlimmsten Jahre meines Lebens", so Lulling. Heute nimmt sie das Ganze gelassen. Im Anhang ihrer Autobiografie veröffentlicht sie sogar ein Foto des Corpus delicti.

Geschadet hat ihr die Affäre um die Vermischung von privaten und öffentlichen Interessen in ihrer Zeit als  Bürgermeisterin von Schifflingen nicht. Bis 2014 saß sie für die CSV im Europaparlament. Und wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre sie vor vier Jahren noch einmal angetreten. Doch ihre Partei machte ihr einen Strich durch die Rechnung und nahm die Doyenne des EU-Parlaments aus "Altersgründen" aus dem Rennen. Und genau deshalb hatte Astrid Lulling Zeit, ihre Biografie zu schreiben. 


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