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Artuso-Bericht: "Antwort an Monni Lex"
Politik 2 Min. 12.03.2015

Artuso-Bericht: "Antwort an Monni Lex"

Der Historiker Denis Scuto geht mit den Aussagen von Lex Roth scharf ins Gericht.

Artuso-Bericht: "Antwort an Monni Lex"

Der Historiker Denis Scuto geht mit den Aussagen von Lex Roth scharf ins Gericht.
Guy Jallay
Politik 2 Min. 12.03.2015

Artuso-Bericht: "Antwort an Monni Lex"

Der Historiker Denis Scuto antwortet dem früheren Regierungsrat und Autor Lex Roth in einem Kommentar auf "Radio 100,7" auf dessen Aussagen in einem Leserbrief im "Luxemburger Wort". Roth hatte erklärt, die Regierung bräuchte sich nicht wegen Antisemitismus im Zweiten Weltkrieg zu entschuldigen.

(jag) - "Bedauern, ja. Aber keine kollektive Entschuldigung": So hatte Lex Roth seinen Leserbrief zum Artuso-Bericht im "Luxemburger Wort" abgeschlossen.  Der frühere Regierungsrat und als Sprachexperte bekannte Roth hatte in seinem Schreiben argumentiert, dass die Aktivitäten der luxemburgischen Regierung, respektive der staatlichen Verwaltungen, in keinerlei Hinsicht mit dem verglichen werden könne, was sich zum Beispiel in Belgien mit Léon Degrelle oder in Frankreich mit der Vichy-Regierung zutrug. Wohl habe es vereinzelt Mitläufer, bedauerliche Figuren, Verräter und andere Schmutzfinken gegeben, die die Idee des Nationalsozialismus' begeistert mitgetragen hätten. In Luxemburg habe es jedoch keine generelle Tendenz in diese Richtung gegeben.

Der Historiker Denis Scuto widerspricht dieser Ansicht nun in einem Kommentar auf Radio 100,7. "An de Monni Lex erzielt eis an engems seng Geschicht vun de gudde Lëtzebuerger an de béise Fransousen a Belsch", so Scuto in seiner Einleitung.

Systematische Demontage

Was folgt, ist eine systematische Demontage der romantisierenden, verharmlosenden und idealisierten luxemburgischen Geschichtsschreibung, so wie sie in den vergangenen Jahren auch Schritt für Schritt in das Bewusstsein der luxemburgischen Bevölkerung eingedrungen ist.

Scuto verweist auf die fast tragische Systematik, mit der die Menschheit die Geschichte des eigenen Landes und Volkes immer wieder verklärt hat. Es entstünden dann sogenannte "histoires sans histoires", saubere Geschichten von Ehrlichkeit, Heldentum, Gleichheit und Freiheit. Feigheit, Verrat und Egoismus gibt es in diesen Geschichten nicht.

"An de Monni Lex huet sech geduecht, dass ët un der Zäit wier dass hien eis Kanner a senger Stiffche virum Kamäin mol nees erzielt, wéi déi grouss Geschicht vum klenge Ländche sech am Zweete Weltkrich wierklech ofgespillt huet", so Scuto.

Scuto erinnert anschließend daran, dass sich nach Recherchen des Historikers Paul Dostert bis zu 1500 Luxemburger freiwillig für die Wehrmacht und auch die Waffen-SS gemeldet hatten. Proportional gesehen seien dies sehr viele Freiwillige gewesen, auch wenn die genaue Zahl schwankt. Genau dies habe Lex Roth aber verschwiegen.

"Juden gab es in dieser Geschichte nicht"

Viele Luxemburger in deutscher Uniform wurden gezwungen, an Kriegsverbrechen teilzunehmen. Viele Zwangsrekrutierte wussten davon zu berichten. Juden wären in diesen Berichten nie vorgekommen. Das Thema sei tabu, so Scuto. Auch darüber habe Lex Roth sich in seinem Brief ausgeschwiegen. Die Historiker, die so etwas behaupteten, seien eben böse Menschen. So einfach sei das.

Denis Scuto erklärt weiter, dass die Historiker nie behauptet hätten, das Luxemburger Volk sei antisemitisch gewesen. Sie hätten aber beschrieben, wie Teile der Verwaltung die antisemitische Politik der Nazis unterstützten. So habe der Chef der luxemburgischen Fremdenpolizei noch im November 1940 damit angegeben, rund 30.000 Akten durchstöbert zu haben, um eine Liste mit 471 polnischen Juden aufzustellen. "Mee de Monni Lex erzielt de Kanner léiwer, dass d'Preisen, déi Béis, déi Hëllef vun de gudde Lëtzebuerger nët gebraucht hun", schließt Denis Scuto seine Analyse


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