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Armutsrisiko steigt
Politik 2 Min. 16.10.2018

Armutsrisiko steigt

Besonders Alleinerziehende und Kinder sind in Luxemburg dem Armutsrisiko ausgesetzt.

Armutsrisiko steigt

Besonders Alleinerziehende und Kinder sind in Luxemburg dem Armutsrisiko ausgesetzt.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 16.10.2018

Armutsrisiko steigt

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Laut einer Statec-Studie zur Arbeit und der sozialen Kohäsion ist das Armutsrisiko in Luxemburg wieder gestiegen. 2017 waren laut Statec 18,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht.

Obwohl die Wirtschaft brummt, steigt die Zahl der Menschen, die dem Armutsrisiko ausgesetzt sind, weiter an. "Der Staat müsste jedes Jahr die Summe von 700.000.000 Euro mobilisieren, um die Armut in Luxemburg auszulöschen", so Serge Allegrezza, Direktor der Statistikbehörde.

In ihrem diesjährigen Bericht zur Arbeit und sozialen Kohäsion hat der Statec das monatliche Einkommensminimum ermittelt, welches in Luxemburg ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Für alleinstehende Erwachsene liegt dieses Minimaleinkommen bei 1.996 Euro, für Paare ohne Kinder bei 2.707 Euro, Paare mit 2 Kindern benötigen mindestens 4.079 Euro für ein menschenwürdiges Leben.

Armut unterschätzt

Der Statec wird den Parteien, die sich in den kommenden Wochen an den Koalitionsverhandlungen beteiligen werden, den Bericht zukommen lassen. "Wir verfügen über ausführliche Angaben und Statistiken, die im Kampf gegen die Armut sehr hilfreich sein können", so der Direktor des statistischen Amtes.

In den Augen Allegrezzas braucht es im Kampf gegen die Armut ein gesamtpolitisches Konzept: "Lediglich den Mindestlohn erhöhen reicht nicht aus. Die Menschen brauchen Hilfestellungen, die ihnen eine langfristige Perspektive bieten."

Die neue Berechnungsmethode des Statec sei deshalb ein sehr nützliches Instrument. "Bisher haben wir die Armut in Luxemburg schlicht unterschätzt. Unser neues Modell bietet uns eine klarere Sicht auf den Stand der Dinge", so Allegrezza.

Armutsrisiko steigt

Der Statec hat die Armutsentwicklung der vergangen zwölf Jahre untersucht und kommt zum Schluss, dass das wirtschaftliche Wachstum vor allem den Reichen in die Karten gespielt hat. Die Zahl der Menschen, die dem Armutsrisiko ausgesetzt sind, ist im Gegenzug stetig gestiegen. 2017 sind laut Statec 18,7 Prozent der Menschen von Armut bedroht gewesen.

Je nach Rechnungsmethode sind es jedoch viel mehr. Insgesamt seien etwa 126.500 Menschen in Luxemburg von materieller Armut bedroht, was einem Prozentsatz von 21,5 entspricht. Vor allem junge Menschen sind besonders gefährdet: das Kinderarmutsrisiko beläuft sich auf 22,8 Prozent. Auch alleinerziehende Menschen, allen voran Frauen, finden sich in Luxemburg schnell im Zustand der Armut wieder.

Menschen ohne Universitätsabschluss sind dreimal mehr von Armut bedroht als Menschen mit Abschluss. Ausländer, die in Luxemburg leben, sind doppelt so stark von der Armut bedroht als Luxemburger.

Ungleiche Verteilung

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auch in Luxemburg immer weiter auseinander. So kommen der reicheren Hälfte der Menschen in Luxemburg 70 Prozent der Löhne zu. Während die zehn Prozent der Ärmsten Menschen zusammen drei Prozent aller Löhne verdienen, sind es für die 10 Prozent der Reichsten 24 Prozent.

Ein Hauptgrund für das steigende Armutsrisiko sind die ungebremst steigenden Wohnkosten. Bei Haushalten mit mittelmäßigen Einkommen verschlingen die Wohnungskosten insgesamt 42 Prozent des Budgets, Tendenz steigend.




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