Arbeitnehmerkammer: Erhöhung der Reallöhne statt strukturelle Reformen
(stb) - Die Chambre des Salariés hat sich am Freitag für ein Umdenken in der europäischen Politik ausgesprochen. Strukturelle Reformen auf Kosten der Arbeitnehmer würden die Krise nur noch weiter verlängern. Zur Stärkung des Wirtschaftswachstums und zur Beseitigung wachsender Ungleichheiten sei eine Erhöhung der Reallöhne dringend von Nöten.
Die Europäische Kommission fordert strukturelle Reformen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Nach Ansicht der Arbeitnehmerkammer lässt sich aber kein Zusammenhang zwischen strukturellen Reformen und sinkenden Arbeitslosenzahlen feststellen. Im Gegenteil: In den Ländern, wo die meisten strukturellen Reformen durchgeführt wurden, sei die Arbeitslosigkeit weiter gestiegen.
Im europäischen Kontext spricht sich die Arbeitnehmerkammer für einen Strategiewechsel auf makroökonomischer Ebene aus. Anstatt strukturelle Reformen zu fordern, die in den meisten Fällen nur zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage führen, sei es an der Zeit die soziale Dimension wieder stärker in den Fokus europäischer Politik zu rücken.
Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer
Die schwächelnde Binnennachfrage der EU sei vor allem darauf zurückzuführen, dass die Schere zwischen Spitzen-und Geringverdienern sich immer weiter auseinander entwickeln würde, was die Arbeitnehmerkammer vor allem auf eine zu hohe Steuerlast von Gering- und Mittelverdienern zurückführt. Ihnen würde das Geld fehlen, um die Nachfrage anzukurbeln. Deshalb müsse vor allem deren Kaufkraft gestärkt werden.
Des Weiteren soll nach Ansicht der Arbeitnehmerkammer der Mindestlohn schrittweise auf zwei Drittel des Durchschnittseinkommens erhöht werden. Davon sei man zurzeit aber noch meilenweit entfernt. Zumindest eine Entwicklung in die richtige Richtung sollte erkennbar sein.
Die Stärkung von Kollektivverträgen sei "der beste Motor zur Verringerung von Ungleichheiten", um die bestmöglichen Bedingungen für die Arbeitnehmer auszuhandeln. Auf europäischer Ebene werde aber systematisch versucht, die Bedeutung von Kollektivverträgen zu schwächen.