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Arbeitnehmerkammer: „Eine historische Wahl“
Politik 4 Min. 01.04.2019

Arbeitnehmerkammer: „Eine historische Wahl“

Alle fünf Jahre wird die Zusammensetzung der Arbeitnehmerkammer neu gewählt.

Arbeitnehmerkammer: „Eine historische Wahl“

Alle fünf Jahre wird die Zusammensetzung der Arbeitnehmerkammer neu gewählt.
Foto: Guy Jallay
Politik 4 Min. 01.04.2019

Arbeitnehmerkammer: „Eine historische Wahl“

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Der OGBL kann seine Spitzenposition in der Arbeitnehmerkammer verteidigen. Doch das Resultat von 35 Sitzen bedeutet einen Verlust von drei Mandaten, die allesamt an den LCGB gingen, welcher mit 18 Sitzen zweitstärkste Kraft bleibt.

Knapp drei Wochen nach dem Urnengang steht die neue Zusammensetzung der Arbeitnehmerkammer CSL (Chambre des salariés Luxembourg) fest. Großer Gewinner der Wahlen vom 12. März ist der LCGB, der sich von 15 auf 18 Sitze in der Kammer steigern kann, also drei zusätzliche Mandate einfährt. Die Gewinne des LCGB gehen integral auf Kosten des OGBL, der sich mit 35 Sitzen zufriedengeben muss, also ein Verlust von drei Mandaten. In den Bereichen Industrie, Bauwesen und Dienstleistungen wandert jeweils ein Sitz vom OGBL zum LCGB. Trotz Verlusten bleibt der OGBL mit 35 von 60 Sitzen die Nummer eins in der CSL.

Unverändert gestaltet sich die Situation für die anderen Gewerkschaften. Die Bankengewerkschaft Aleba bleibt weiterhin stärkste Kraft im Finanzsektor, wo sie bei vier Mandaten bleibt, mit einem Stimmenanteil von 49,2 Prozent jedoch zum ersten Mal unter der 50-Prozent-Marke bleibt. Im Eisenbahnsektor bleiben die Kräfteverhältnisse ebenfalls gleich. Der Landesverband FNCTTFEL kann seine Spitzenposition mit zwei von drei Sitzen verteidigen, gefolgt vom Syprolux, der weiterhin mit einem Mitglied in der Arbeitnehmerkammer vertreten bleibt. Für die FGFC, die Gewerkschaft der Gemeindeangestellten, reichte es nicht für einen Sitz. Die unabhängige Gewerkschaft NGL-SNEP war bei den Wahlen der Arbeitnehmerkammer nicht mehr angetreten.

Nutznießer LCGB

Konnte sich der OGBL bei den Personaldelegationswahlen noch als großer Gewinner feiern, fällt die Bilanz bei der Arbeitnehmerkammerwahl gemischter aus. Neben drei Sitzverlusten fährt der unabhängige Gewerkschaftsbund gemischte Resultate ein. So etwa im Stahlsektor, wo er ein Minus von zehn Prozentpunkten verkraften muss.


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2013 sprachen sich noch rund 61 Prozent der Wahlberechtigten für den OGBL aus, dieses Mal reichte es für lediglich 51 Prozent. Trotz dieser Verluste kann der OGBL seine drei Mandate verteidigen. Auch im Industrie- und Bausektor schneidet der OGBL schlechter ab als beim Urnengang 2013. Lediglich im Gesundheitssektor kann die Gewerkschaft sich steigern. Hier steht für die Mannschaft um André Roeltgen ein Plus von knapp vier Prozentpunkten zu Buche.

Der LCGB hingegen kann sich allgemein verbessern. Eine Steigerung von rund neun Prozentpunkten im Industriesektor, plus zehn Prozentpunkte im Bausektor oder plus sechs Prozentpunkte im Dienstleistungssektor bezeugen das gute Abschneiden des christlichen Gewerkschaftsbundes.

André Roeltgen abgestraft

Besonders ins Auge fällt das Abschneiden von André Roeltgen. Der OGBL-Präsident belegt im Dienstleistungsbereich lediglich den elften Rang auf der Liste seiner Gewerkschaft und zieht somit nicht in die Arbeitnehmerkammer ein. Somit wird auch die Frage der Präsidentschaft spannend. Der scheidende Präsident Jean-Claude Reding hat den Sprung als Listenerster bei den Rentnern zwar geschafft, hat aber schon im Vorfeld der Wahlen auf eine Fortsetzung seines Mandats verzichtet. Die Frage, ob Roeltgen nach seinem schlechten Abschneiden überhaupt noch Ansprüche auf den Präsidentenposten geltend machen kann, steht im Raum.


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Deutlich besser als Roeltgen schnitt die Generalsekretärin des OGBL ab. Nora Back belegt im Dienstleistungssektor den ersten Platz, also deutlich vor Roeltgen. Im gleichen Bereich kandidierte auch Patrick Dury. Für den LCGB-Präsidenten reichte es ebenfalls für den ersten Platz auf der Liste. Im Eisenbahnsektor wurden mit dem ehemaligen Landesverband-Präsidenten Nico Wennmacher sowie der aktuellen Syprolux-Präsidentin Mylène Bianchi zwei bekannte Gesichter in die CSL wiedergewählt.

Geringe Wahlbeteiligung

Wie auch 2013 fiel die Wahlbeteiligung dieses Mal gering aus. Von rund 527 000 Wahlberechtigten gaben nur 170 000 ihre Stimme ab, was eine Wahlbeteiligung von 32,6 Prozent ergibt. Etwa acht Prozent der abgegebenen Stimmzettel waren ungültig oder weiß. Die höchste Wahlbeteiligung gab es in der Stahlindustrie, wo 76 Prozent der Angestellten von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Im Bau- sowie im Dienstleistungssektor hielt sich die Begeisterung für die Sozialwahlen hingegen in Grenzen. Hier nahmen jeweils nur 25 Prozent der Angestellten an den Wahlen teil.

Das gesamte Resultat sowie die Fortschritte in den einzelnen Bereichen sind ausgezeichnet. Für uns ist es eine historische Wahl. Wir sind hoch zufrieden, da wir mit diesem Ergebnis eine starke Ausgangslage für die kommenden Jahre haben.

Der Anteil von Frauen in der Arbeitnehmerkammer ist ebenfalls gestiegen. Waren in den vergangenen Jahren nur 14 Frauen in der CSL vertreten, so wurden dieses Mal insgesamt 22 Frauen gewählt, was einem Anteil von 37 Prozent entspricht. Rund ein Drittel der zur Wahl stehenden Kandidaten war weiblich. Lediglich im öffentlichen Sektor sowie im Bauwesen hat kein weiblicher Vertreter den Sprung in die CSL geschafft. Besonders bemerkenswert ist das Resultat in der Dienstleistungsbranche. Neun der 14 zu vergebenden Posten gehen hier an Frauen, was einen Anteil von etwa 64 Prozent ausmacht. Auch im Gesundheitssektor dominieren die Kandidatinnen, die vier von sechs Sitze ergattern.

„Positiv überrascht“

Während sich der OGBL zum Wahlausgang erst heute, nachdem sein Nationalkomitee getagt hat, äußern will, zeigt sich LCGB-Präsident Patrick Dury mit dem Abschneiden seiner Mannschaft mehr als zufrieden: „Das gesamte Resultat sowie die Fortschritte in den einzelnen Bereichen sind ausgezeichnet. Für uns ist es eine historische Wahl. Wir sind hoch zufrieden, da wir mit diesem Ergebnis eine starke Ausgangslage für die kommenden Jahre haben.“ Dury, der selber vom Ausgang des Urnengangs überrascht war, sprach von einem „Trend in Richtung LCGB“, zeigte sich auch kampflustig: „Wir haben den Abstand zur Konkurrenz verringert. Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns noch mehr für die Leute und ihre Bedürfnisse einzusetzen.“




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