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Arbeitgeber auf den Barrikaden: Kritik an LSAP-Vorstoß zu kürzeren Arbeitszeiten
Die Regierung könne nicht mit dem geringsten Entgegenkommen rechnen, sagt Jean-Jacques Rommes von der UEL.

Arbeitgeber auf den Barrikaden: Kritik an LSAP-Vorstoß zu kürzeren Arbeitszeiten

Foto: Guy Jallay
Die Regierung könne nicht mit dem geringsten Entgegenkommen rechnen, sagt Jean-Jacques Rommes von der UEL.
Politik 2 Min. 12.01.2017

Arbeitgeber auf den Barrikaden: Kritik an LSAP-Vorstoß zu kürzeren Arbeitszeiten

Christoph BUMB
Der Vorstoß von Vizepremier Etienne Schneider zum Überdenken der 40-Stunden-Woche trifft auf teils heftige Kritik der Arbeitgeberseite. Auch der liberale Koalitionspartner der LSAP ist nicht allzu begeistert.

Von Christoph Bumb

Der Vorstoß von Vizepremier Etienne Schneider (LSAP) zu kürzeren Arbeitszeiten stößt bereits auf Kritik. Auch wenn es sich nur um eine halbwegs konkrete Ankündigung bei einem Neujahrsempfang der LSAP handelt, springen vor allem die Arbeitgeber bereits auf die Barrikaden. Die Regierung könne hier nicht "mit dem geringsten Entgegenkommen" des Patronats rechnen, sagte Jean-Jacques Rommes, Generaldirektor der "Union des Entreprises Luxembourgeoises" (UEL) am Donnerstag im Interview mit "Radio 100,7".

"Den Betrieben nicht die Ideen des OGBL überstülpen"

Schon vor dem Vorstoß der LSAP habe die Regierung jegliche Glaubwürdigkeit in der Diskussion um die Arbeitszeiten verloren, so Rommes weiter. Damit spricht er insbesondere die Reform des PAN-Gesetzes an. Auch hier hatten die Arbeitgeberverbände bereits mit ungewöhnlich heftiger Kritik an den drei Regierungsparteien reagiert.

Die Idee einer einseitigen Verkürzung der Arbeitszeiten hätte auch "keinerlei Mehrwert". Die politische Diskussion sollte man eher im Gesamtkontext von Arbeitsmodellen in einer digitalisierten Welt führen, sagt Rommes. Dabei sollte sich "Herr Schneider lieber am Silicon Valley inspirieren, wo er ja oft zugegen ist, anstatt den luxemburgischen Betrieben die Ideen des OGBL überzustülpen", so der UEL-Generaldirektor.

"Nicht im Koalitionsprogramm vorgesehen"

Im Gegensatz zur Kontroverse um das PAN-Gesetz handelt es sich dieses Mal aber um eine Idee der LSAP, die allem Anschein nach nicht innerhalb der Koalition abgesprochen war. Es sei das gute Recht einer Partei, sich bei ihren Veranstaltungen ihre eigenen Gedanken zu machen, sagt denn auch DP-Fraktionschef Eugène Berger. Eine Verkürzung der Arbeitszeiten sei im blau-rot-grünen Koalitionsprogramm nicht vorgesehen. Ihm sei zudem kein konkreter Vorschlag von sozialistischer Seite in den Koalitionsgremien bekannt, so Berger auf Nachfrage des "Luxemburger Wort".

Auch Marc Ruppert kann sich für die Forderung der LSAP nicht erwärmen. Über Twitter äußerte sich der DP-Generalsekretär skeptisch bis ablehnend zu Schneiders Vorstoß.

Auf Nachfrage sagt er, dass eine kürzere Arbeitszeit für die Liberalen in dieser Form nicht tragbar sei. Man könne natürlich über alles diskutieren. Insbesondere die Flexibilisierung der Arbeitszeit angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt verlange nach Antworten, so Ruppert. Bevor irgendwelche Diskussionen mit den Sozialpartnern stattfinden könnten, so wie von Schneider angekündigt, müsste die Sache aber erst einmal in der Koalition angesprochen werden.

"35-Stunden-Woche kommt nicht in die Tüte"

Ähnlich äußert sich indes auch DP-Parteipräsidentin Corinne Cahen. Eine 35-Stunden-Woche nach französischem Modell komme "nicht in die Tüte", wird Cahen bei "RTL" zitiert.

Eventuelle Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite dürften aber in jedem Fall schwierig werden. Das zeigen auch weitere Reaktionen in den sozialen Medien:


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