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Angstzustände, Depressionen und Stress: Schüler unter Druck
Politik 3 Min. 28.06.2022
Burn-out und Schule

Angstzustände, Depressionen und Stress: Schüler unter Druck

Noch dieses Jahr sollen die Resultate einer 2021 durchgeführten Studie über das allgemeine Wohlbefinden von Lehrenden und Schülern vorgestellt werden.
Burn-out und Schule

Angstzustände, Depressionen und Stress: Schüler unter Druck

Noch dieses Jahr sollen die Resultate einer 2021 durchgeführten Studie über das allgemeine Wohlbefinden von Lehrenden und Schülern vorgestellt werden.
Foto: dpa
Politik 3 Min. 28.06.2022
Burn-out und Schule

Angstzustände, Depressionen und Stress: Schüler unter Druck

Florian JAVEL
Florian JAVEL
Wie viele Jugendliche vom schulischen Burn-out betroffen sein könnten, geht aus einer parlamentarischen Frage an Bildungsminister Meisch (DP) hervor.

Folgt man den Erläuterungen von Bildungsminister Claude Meisch (DP) auf die parlamentarische Frage der CSV-Abgeordneten Diane Adehm, so lässt sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen der Sekundarstufe, die im schulischen Kontext von einem Burn-out betroffen sind, schwer quantifizieren - und das, obwohl die Thematik in den letzten Jahren durch die Folgen der Pandemie Fahrt aufgenommen hat. 

Auswirkungen von Stress auf den beruflichen Alltag seien in diversen Studien bereits erforscht worden - auch im schulischen Kontext, wo ein andauernder Leistungsdruck festgestellt werden kann, sind Schüler von Burn-outs betroffen. Die Coronapandemie und die wiederholte Verschiebung oder das Absagen von Prüfungen haben laut diesen Studien zu einem Anstieg von Burn-out-Fällen beigetragen, so Adehm. Wie viele Schülerinnen und Schüler dementsprechend in Luxemburg betroffen sein könnten, wollte die CSV-Abgeordnete vom Bildungsminister wissen. 

Ausgelöst durch Arbeitspensum und Leistungsdruck, betrifft der Burn-out meist Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe.

Claude Meisch, Bildungsminister (DP)

28 Prozent leiden unter Angstzuständen und Depressionen

Laut Meisch sei die „Division de la médecine scolaire“, welche vom Gesundheitsministerium mit der Verwaltung der schulmedizinischen Betreuung beauftragt wird, nicht im Besitz dementsprechender Daten zum Verlauf von Burn-out-Fällen bei Kindern und Jugendlichen der Sekundarstufe. Potenzielle Betroffene, die beim Gesundheitscheck identifiziert werden, leitet die schulmedizinische Betreuung im Regelfall an den Dienst für schulpsychologische Beratung und Schulorientierung (SePAS, Service psycho-social et d'accompagnement scolaire) weiter.


ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Tom Nebe vom 14. September 2021: Wenn Kinder längere Zeit nicht in die Kita oder zur Schule dürfen, stellt das Familien vor Herausforderungen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
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Der zwischen 2021 und 2022 entstandene und vom CePAS (Centre psycho-social et d'accompagnement scolaire) erstellte nationale Bericht zum Wohlbefinden und zur Gesundheit von Jugendlichen in Luxemburg verweist auf eine zweiwöchige Erhebung, im Laufe derer 2.003 Unterhaltungen mit Schülern bewertet wurden. Ein Viertel der Jugendlichen gab dabei an, unter schulischem Stress zu leiden, während 28 Prozent von Angstzuständen oder Depressionen betroffen seien.

Mehrere Maßnahmen „struktureller Natur“

Ausgelöst durch Arbeitspensum und Leistungsdruck, betrifft der Burn-out meist Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe“, stellt Bildungsminister Meisch in seiner Antwort an Adehm fest. Präventionsmaßnahmen, die vom Bildungsministerium unternommen wurden, seien nicht nur akut, sondern auch „struktureller Natur“, so der Minister.

Das Angebot an internationalen Klassen und Schulen sei in dem Kontext von Vorteil, denn das Sprachenlernen erweise sich für viele Schülerinnen und Schüler als eine Herausforderung, die mit genügend Stress verbunden ist. „Auch alternative Klassen, wie die ‚Classe Portail‘, die ‚Liewensschoul‘, die ‚Classe Mosaik‘ oder die ‚Classe Passe‘ sind Dispositive, die uns ermöglichen, das Schulsystem anders zu denken und das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken“, heißt es weiter in der Antwort des Ministers. 

Sozialpädagogen werden aufgestockt

Neun psychopädagogische Kompetenzzentren, die sich an Schüler mit spezifischem Förderbedarf richten, sind seit 2018 daran beteiligt, schulische Inklusion im Land zu fördern, indem auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen individuell eingegangen wird, betont Meisch zudem.


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Neben dem Schulangebot sei in jedem Gymnasium des Landes jeweils ein „Service socio-éducatif“ (SSE) eingebettet worden, bestehend aus fast 400 diplomierten Sozialpädagogen, welche daran beteiligt sind, Projekte zur Förderung der persönlichen und sozialen Entwicklung der Schüler an den Gymnasien herauszuarbeiten. Während der Pandemie habe das SSE seine Anstrengungen zudem verdoppelt, um das Stigma, das rund um das Thema der mentalen Gesundheit herrscht, zu bekämpfen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Zusätzlich wurde die Personalstärke des SePAS aufgestockt: Im Laufe der letzten drei Jahre wurden 38 neue Stellen im Bereich der psychosozialen Betreuung und 32 im Bereich der Vorschule geschaffen. 

Schulcurriculum mit fünf pädagogischen Zielen

Dass die Problematik rund um Burn-outs im schulischen Kontext im Auge der Aufmerksamkeit verweilt und eine Priorität der Bildungspolitik darstellt, bezeugt laut Meisch der PDS (Plan de développement scolaire) 2021-2024 mehrerer Schulen. In diesen Entwicklungsplänen werden die Bemühungen rund um das Wohlbefinden der Schüler großgeschrieben. Zudem sei vor mehr als einem Jahr eine Arbeitsgruppe innerhalb des „Collège des directeurs de l'enseignement secondaire“ gegründet worden, um die Bedingungen des Wohlbefindens von Schülern weiterzuerforschen.


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Meisch betont zudem in seiner Antwort, eine nationale Studie zum Wohlbefinden von Lehrenden und Schülern sei 2021 durchgeführt worden, deren Resultate im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden sollen. Somit soll eine Auskunft über die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Luxemburg geliefert werden, um weitere Maßnahmen zielgerichteter setzen zu können. 

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