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AMMD ist für ein Covid-Krankenhaus
Politik 3 Min. 22.04.2020 Aus unserem online-Archiv

AMMD ist für ein Covid-Krankenhaus

 Anstatt die Covid-19-Patienten auf alle Krankenhäuser zu verstreuen, wie es am Anfang der ersten Infektionswelle angebracht war, könnten sie nun in einem Spital konzentriert werden.

AMMD ist für ein Covid-Krankenhaus

Anstatt die Covid-19-Patienten auf alle Krankenhäuser zu verstreuen, wie es am Anfang der ersten Infektionswelle angebracht war, könnten sie nun in einem Spital konzentriert werden.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 22.04.2020 Aus unserem online-Archiv

AMMD ist für ein Covid-Krankenhaus

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Ärzteschaft legt einen Vorschlag vor, wie die medizinischen Aktivitäten schrittweise wieder aufgenommen werden könnten.

Prinzipiell Telekonsultationen und nur im Notfall einen Arzt sehen – das ist derzeit noch die Ansage aus dem Gesundheitsministerium an die Patienten in Covid-19-Zeiten. Das soll nun gelockert werden – nicht zuletzt wegen der Kollateralschäden für die Volksgesundheit, wenn sich zu viele Patienten aus Ansteckungsangst nicht mehr in die Krankenhäuser, die Centres de soins avancés oder zu ihrem Arzt trauen: Am Dienstag saßen Vertreter der Ärzteschaft und des Gesundheitsministeriums erstmals zusammen, um über Lockerungen in der medizinischen Versorgung zu diskutieren. 


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Noch vor dem Wochenende möchte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) dazu kommunizieren. Bereits vergangene Woche hatte die Ärztevereinigung AMMD ihr schriftlich einen Vorschlag unterbreitet, wie eine progressive Wiederaufnahme der medizinischen und zahnmedizinischen Aktivitäten aussehen könnte. 

Wir müssen lernen, mit dem Virus noch ein bis zwei Jahre zu leben.

AMMD

Auf drei Achsen basiert das Konzept, das sich an den Empfehlungen der deutschen Wissenschaftsakademie Leopoldina orientiert und mit den nationalen Wissenschaftsgesellschaften abgesprochen ist. Ziel ist es, das Vertrauen der Bevölkerung unter Eindämmung der Risiken einer zweiten Infektionswelle wieder herzustellen. Denn es müsse nun mit dem Virus gelebt werden, bis in ein bis zwei Jahren ein Impfstoff verfügbar ist, und die Lebensweise entsprechend anzupassen. 

Digitalisierung als Schlüsselelement

Die AMMD zeigt sich überzeugt, dass die Digitalisierung in den Händen der Patienten ein Schlüsselelement ist, um die direkten Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Auch die Krankenhäuser, ambulanten Zentren und Arztpraxen müssten beginnen prioritär den digitalen Weg zu gehen. 


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Als generelle Maßnahme plädieren die Ärzte für die schnelle Einführung einer App für Patienten, mit der gesichert einerseits die Daten über den räumlichen und zeitlichen Kontakt zwischen Individuen und andererseits medizinische Dokumente übertragen werden können, ohne dass sie physisch die Hände wechseln müssen. 

Mit Telekonsultationen sollten künftig Arzttermine vorbereitet werden können, damit wichtige Dokumente auch mitgebracht werden. Zeitverluste können so vermieden und die Zeitplanung der Termine verbessert werden, damit keine Wartezeiten in den Praxen entstehen. Diese sollten entsprechend eingerichtet werden mit Plexiglasscheiben am Empfang, ausreichend Platz in den Wartezimmern und eventuell mit Vorwartezimmern. 

In den Praxen Fieber messen

In den Praxen sollte auch vor dem Eintritt Fieber gemessen und das Personal mit Schutzkleidung ausgestattet werden. Vor jedem ambulanten oder stationären Eingriff sollte ein Sars-Cov-2-Test durchgeführt werden und die chirurgischen Eingriffe nach Dringlichkeit durchgestuft werden. Daneben hat die AMMD für jede medizinische Fachrichtung ausführliche und spezifische Empfehlungen für die Diagnostik, die Behandlung und den Schutz der Patienten aufgesetzt

Als dritte Achse sind dann die Krankenhäuser anvisiert, die von ihrer Architektur her nicht mehr dazu geeignet sind, den Patientenfluss so effektiv zu trennen, wie es noch in den Spitälern aus vergangenen Jahrhunderten möglich war: In Ermangelung von Medikamenten und Hygienemitteln waren sie in Pavillons aufgeteilt, die voneinander abgetrennt werden konnten, wenn es galt, ansteckende Patienten zu versorgen. 

Trennung der Patientenströme in den Spitälern nicht möglich 

„Die Covid-19-Pandemie hat uns brutal geweckt, um uns bewusst zu machen, dass die Beengtheit und die Mischung der Patienten-, Besucher- und Personalflüsse alle Maßnahmen zur Sterilisierung, zur Hygiene und zur Vermeidung der Mikrobenverbreitung ins Leere laufen lassen. Keines unserer Krankenhäuser verfügt über eine in diesem Sinn angemessene Architektur“, schreiben die Ärztevertreter der Ministerin. 


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Die Krankenhausstrukturen würden insofern, als sie eine Trennung der Ströme quasi unmöglich machen, die Behandlung der Nicht-Covid-Patienten behindern und seien dementsprechend auch wenig überzeugend – weder für die Gesundheitsberufler noch für die Patienten. 

Patienten nicht verstreuen 

Anstatt die Covid-19-Patienten auf die verschiedenen Krankenhäuser zu verstreuen und eine neue Infektionswelle zu riskieren, erlaube es die derzeitige Stabilisierung der Neuinfektionen, sie in einem Spital zu konzentrieren, das auf Infektionen spezialisiert ist und über genug Beatmungsgeräte sowie entsprechendes Personal verfügt, um eine solche nationale Aufgabe zu übernehmen. 

Die AMMD kann sich vorstellen, dass eine Bereitschaftsliste aufgestellt werden kann, an der sich alle Ärzte beteiligen, um das Personal des Covid-Spitals zu unterstützen. Genau wie die Ärzte des Covid-Krankenhauses ihre Patienten in anderen Spitälern behandeln könnten. Das wäre die kohärenteste Lösung, um schrittweise alle Krankenhausaktivitäten wieder zu ermöglichen. 

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