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"Alles beim Alten lassen"
Politik 2 Min. 23.02.2016 Aus unserem online-Archiv
CSV zum geplanten Werteunterricht

"Alles beim Alten lassen"

Die CSV argumentierte am Dienstag im Parlament für den Erhalt der Wahlfreiheit zwischen Religions- und Moralunterricht.
CSV zum geplanten Werteunterricht

"Alles beim Alten lassen"

Die CSV argumentierte am Dienstag im Parlament für den Erhalt der Wahlfreiheit zwischen Religions- und Moralunterricht.
Foto: Lex Kleren
Politik 2 Min. 23.02.2016 Aus unserem online-Archiv
CSV zum geplanten Werteunterricht

"Alles beim Alten lassen"

Die CSV reichte am Dienstag eine Motion im Parlament ein, in der sie sich für den Erhalt der Wahlfreiheit zwischen Religions- und Moralunterricht stark macht. Sie ist der Meinung, dass die Regierung fundamentale Elternrechte mit Füßen tritt.

(mig) - 2017 soll der Werteunterricht die aktuellen Teilfächer Religion und Moral- und Soziallehre ersetzen. Die CSV kämpft weiter gegen die geplante Abschaffung der Wahlfreiheit und gegen die Abschaffung des Religionsunterrichts.

Am Dienstag fand zu diesem Thema auf Anfrage der Christlich-Sozialen eine Interpellation im Parlament statt, die allerdings erst um 20.20 Uhr begann, weil sie als letzter von acht Punkten auf der Tagesordnung stand, was wiederum für ordentlich Unmut bei der größten Oppositionspartei sorgte. Der CSV-Abgeordnete und CSV-Parteipräsident Marc Spautz regte deshalb an, das Chamberreglement abzuändern und Interpellationen den Vorrang zu geben.

In seiner Rede trug Marc Spautz eine ganze Reihe von Argumenten für den Erhalt des Status Quo vor. Dafür sprechen laut Spautz eine Reihe von Zahlen: 70 Prozent der Grundschulkinder besuchen derzeit den Religionsunterricht, über 25.000 Bürger haben eine Petition zum Erhalt der Wahlfreiheit unterzeichnet. Über diese Fakten habe die Regierung sich diskussionslos hinweggesetzt.

Von wegen partizipative Demokratie

Mehr noch: Blau-Rot-Grün habe ihren eigenen Anspruch einer partizipativen Demokratie über Bord geworfen. Würde sie es ernst meinen mit diesem im Regierungsprogramm festgeschriebenen Prinzip, hätte sie eine öffentliche Debatte zum Thema anregen, die Bürger beteiligen und eine Referendumsfrage daraus machen müssen, so Marc Spautz. Darüber hinaus seien fundamentale Elternrechte mit Füßen getreten worden. "Eltern haben das Recht, zu entscheiden, was sie für ihre Kinder wollen." Ungeklärt sei nach wie vor auch die Frage der Übernahme der Religionslehrer durch den Staat.

Die CSV warnte davor, Religion als reine Privatsache anzusehen. Gerade wegen der Flüchtlingskrise und der mit ihr einhergehenden aufkeimenden fremdenfeindlichen Ressentiments sei es unbedingt notwendig, das Thema in den Schulen zu behandeln, so Marc Spautz, der sich dafür aussprach, alles beim Alten zu lassen.

Regierung um Lösungen für alle bemüht

Der DP-Abgeordnete Gilles Baum unterstrich, der Werteunterricht werde weder areligiös noch antireligiös sein. Die Regierung sei bemüht, „Lösungen für alle“ auszuarbeiten und werde „niemanden im Regen stehen lassen“.

Für die LSAP-Abgeordnete Taina Bofferding ist die Abschaffung des Religionsunterrichts ein überfälliger Schritt, was nicht bedeute, dass nicht mehr über Religionen gesprochen werden sollte. Auch habe die katholische Kirche die Möglichkeit, weiterhin einen Religionsunterricht außerhalb der öffentlichen Schule anzubieten.

Claude Adam (déi Gréng) meinte, der Staat stehe in der Pflicht, Werte zu vermitteln. Diese Aufgabe könne man nicht an einzelne Glaubensgemeinschaften abtreten.

ADR-Sprecher Fernand Kartheiser, der sich für den Erhalt des Religionsunterrichts aussprach, warnte vor einem kulturellen Analphabetismus.


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Als Religionslehrer stehe ich, wie meine Kolleginnen und Kollegen auch, zu unserem Fach. Wir wollen auch noch in Zukunft Religion unterrichten. Das Vorhaben der Regierung, den aktuellen Religionsunterricht sowie den Moral- und Sozialunterricht abzuschaffen und durch ein neues Fach zu ersetzen, bleibt für mich weiter unverständlich.