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Aktivist stellt luxemburgische Abgeordnete bloß
Brice Montagne in der Chambre des Députés.

Aktivist stellt luxemburgische Abgeordnete bloß

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Brice Montagne in der Chambre des Députés.
Politik 3 Min. 22.02.2019

Aktivist stellt luxemburgische Abgeordnete bloß

Übersetzungsprobleme oder schlichte Unwissenheit? Die Rede eines Klima-Aktivisten vor dem luxemburgischen Parlament schlägt in Frankreich hohe Wellen.

(AF) - Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Debatte im luxemburgischen Parlament für Schlagzeilen in Frankreich sorgt. Sogar der Nachrichtensender Franceinfo griff den kurzen Clip aus Luxemburg am Freitag auf. Worum geht es?

Hauptdarsteller ist der junge Umweltaktivist Brice Montagne, der nach einem resoluten Vortrag eine entlarvende Frage an die luxemburgischen Abgeordneten richtet: "Haben Sie den Bericht des GIEC gelesen?" Der Groupe Intergouvernemental d'experts sur l'Evolution du Climat (GIEC, engl. IPCC) ist im Deutschen unter der Bezeichnung Weltklimarat bekannt. "Falls Sie ihn gelesen haben, hätte ich gerne, dass Sie die Hand heben." Die Deputierten sehen sich fragend an, es wird getuschelt, doch die Hand hebt niemand.


In Luxemburg werden jedes Jahr 18.000 Tonnen Müll verbrannt, da sie nicht recycelt werden. Für die Petenten hinter der Petition 1107 muss es deshalb einen Systemwechsel im Kampf gegen den Plastikmüll geben.
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Die Antragsteller hinter der Petition 1107 fordern einen verstärkten Kampf gegen den Plastikmüll. Am Mittwoch durften sie ihr Anliegen in einer öffentlichen Anhörung in der Chamber verteidigen.

Der 33 Seiten lange Sonderbericht über die Auswirkungen der Erderwärmung wurde im Herbst 2018 veröffentlicht und richtete sich unter anderem an politische Entscheider. Brice Montagne erhielt auf seine Frage im Parlament keine zufriedenstellende Antwort – womöglich war einigen Abgeordneten die französische Abkürzung (GIEC) nicht bekannt, sondern eher die englische (IPCC).

"David Wagner (Déi Lénk, Anm. d. Red.) ist der einzige, der mir gesagt hat, er habe den Bericht gelesen", sagt Brice Montagne am Freitag auf LW-Nachfrage. "Genau das meint Greta, wenn sie sagt, dass die Politiker ihre Hausaufgaben nicht erledigt haben."


European Commission President Jean-Claude Juncker (R) salutes Swedish 16-years-old climate activist Greta Thunberg (L) upon his arrival for a meeting at the Civil Society For rEUnaissance at the EU Charlemagne Building in Brussels on February 21, 2018. (Photo by Aris Oikonomou / AFP)
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Die schwedische Schülerin Greta Thunberg hat in den vergangenen Wochen mit ihrem Protest gegen die Klimaerwärmung für viel Aufsehen gesorgt. Die 16-jährige Klima-Aktivistin las den Politikern bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz, beim WEF-Forum in Davos und zuletzt in Brüssel mehrfach die Leviten.

Die mögliche Verwirrung wegen der Abkürzungen GIEC und IPCC lässt Brice Montagne aber nicht gelten. "Ich habe das überprüft: Im Regierungsprogramm ist vom GIEC die Rede, nicht vom IPCC." Der GIEC wird in dem Papier zwei Mal erwähnt, auf den Seiten 170 und 185.

"Der Bericht ist nur auf Englisch verfügbar. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht für jeden einfach ist, ihn zu verstehen. Wir haben daher einen Aufruf auf Facebook gestartet. Bürger haben sich bereit erklärt, den Bericht auf Französisch und Deutsch zu übersetzen. Das ist zwar nicht perfekt, aber es ist zumindest etwas", sagt Brice Montagne. "Wir brauchen diese Übersetzung schnell. Uns bleiben nur noch Monate, keine Jahrzehnte."

Brice Montagne hielt seine Rede im Rahmen einer öffentlichen Debatte über Plastikverpackungen. Der junge Aktivist setzt sich gemeinsam mit Philippe Paul, Valeria Ortiz-Palafox und Elsa Luna-Luna für eine Reduzierung von Plastikverpackungen ein und reichte deshalb eine Petition in der Chamber ein. Am 6. Februar verteidigten die Petitionäre ihre Initiative vor dem Parlament und Ministerin Carole Dieschbourg.

Das Plenum hörte den Vorschlägen der Aktivisten aufmerksam zu und lobte sie auch für eine andere Petition, die auf der Website change.org mehr als 16.000 Mal unterzeichnet wurde. Die Debatte dauerte eine Stunde und 20 Minuten und wurde von Seiten der Abgeordneten eher positiv aufgenommen, wie man auf dem offiziellen Videokanal der Chambre des Députés nachsehen kann.

Der Ausschnitt mit Brice Montagne, den er selber auf Facebook geteilt hatte, wurde als Erstes am 15. Februar von der Website PositvR aufgegriffen und schlug danach hohe Wellen auf den sozialen Medien in Frankreich.