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Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes: Weniger ist mehr
Politik 3 Min. 13.04.2016

Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes: Weniger ist mehr

In Zukunft sollen weniger Pestizide zum Einsatz kommen.

Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes: Weniger ist mehr

In Zukunft sollen weniger Pestizide zum Einsatz kommen.
Serge Waldbillig
Politik 3 Min. 13.04.2016

Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes: Weniger ist mehr

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
In Zukunft sollen weniger Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Der neue nationale Aktionsplan zur Reduzierung der Pestizide liefert den gesetzlichen Rahmen.

(DS) - Pestizide sind seit langem umstritten. Zuletzt sorgte die Diskussion um den Wirkstoff Glyphosat für Aufregung. Nun soll der Einsatz der Pflanzenschutzmittel reduziert werden: Am Mittwoch präsentierte Landwirtschaftsminister Fernand Etgen den zweiten "Nationalen Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes". Über den Aktionsplan sollen die Risiken, die der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit sich bringt, verringert werden. Er soll aber auch dazu beitragen, andere Methoden bekannter zu machen.

"Es geht auch darum, das nötige Zahlenmaterial zu sammeln. Bislang verfügen wir kaum über Statistiken", so Landwirtschaftsminister Etgen. So soll genau registriert werden, welche Pflanzenschutzmittel wann und wo zum Einsatz kommen. Anschließend soll dann ermittelt werden, welchen Einfluss die jeweiligen Mittel auf die Bodenoberfläche und das Grundwasser haben und wie sie die Biodiversität beeinflussen. Zudem soll der Aktionsplan zu einem besseren Abfallmanagement beitragen, etwa über die "Superdreckskëscht". 

Aufklärung und Weiterbildung

"Wir wollen das Bewusstsein der Anwender für die Gefahren schärfen. Deshalb werden wir Informationskampagnen lancieren", erklärte Minister Etgen bei der Vorstellung des Aktionsplans.

Im Ministerium setzt man aber nicht nur auf Überzeugungsarbeit. Die Landwirte und die Verkäufer sollen in Zukunft gezielt geschult werden, um die Risiken zu verringern. Nur Verkäufer, die die Fortbildung erfolgreich abgeschlossen haben, sind dann noch berechtigt, die Mittel zu verkaufen.

Das dürfte die meisten Händler kaum vor Probleme stellen. Schon heute lassen die meisten ihr Personal gezielt schulen, heißt es etwa seitens "De Verband". Die Weiterbildung ist für die Teilnehmer kostenlos, die Kosten werden vom Landwirtschaftsministerium übernommen.

Mit dem Aktionsplan will das Ackerbauministerium mittelfristig erreichen, dass der integrierte Landbau in Luxemburg zur Regel wird. 

Private Nutzung einschränken

Doch nicht nur die professionelle Anwendung soll in Zukunft stärker kontrolliert werden. Auch die privaten Nutzer sollen so weit wie möglich auf Pflanzenschutzmittel  verzichten. So ist geplant, dass die Mittel nicht mehr frei im Regal angeboten werden dürfen. Händler und Supermärkte müssen die Mittel in Zukunft in verschlossenen Verkaufsflächen anbieten.

Seit dem 1. Januar ist das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf öffentlichen Flächen in Kraft. Insbesondere die Gemeinden und die Straßenbauverwaltung sind nun dazu verpflichtet, bei der Bekämpfung von Unkraut auf chemische Substanzen zu verzichten.

Helikopter nur noch gezielt einsetzen

Problematisch sind die Pflanzenschutzmittel auch im Weinbau. Bislang kam in den Weinbergen meist der Helikopter zum Einsatz. Allerdings gibt es bereits jetzt eine Reihe von Einschränkungen.

In Zukunft soll die Ausbringung der Pflanzenschutzmittel per Hubschrauber eher die Ausnahme sein. "An der Mosel darf der Helikopter nur noch fliegen, wenn es absolut notwendig ist und wenn es keine Alternativen gibt, etwa in Steillagen oder in Terrassenanlagen", erklärt Landwirtschaftsminister Etgen. Zudem muss eine Sicherheitsdistanz eingehalten und die Sprühanlage mit speziellen Düsen ausgestattet werden.

Alle dürfen mitreden

Bei dem nun vorliegenden Dokument handelt es sich um einen ersten Entwurf. Landwirtschaftsminister Fernand Etgen will nun eine öffentliche Debatte zu dem Thema lancieren. Landwirtschaftsverbände, Händler aber auch Privatpersonen können sich an der öffentlichen Debatte beteiligen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Die Konsultationsphase läuft noch bis zum 31. Juli dieses Jahres. Erst danach soll der Aktionsplan endgültig festgeschrieben werden.

Mit ihrem Aktionsplan zur Reduzierung des Pestizideinsatzes trägt die Regierung der europäischen Gesetzgebung aus dem Jahr 2009 Rechnung. Das nationale Pestizid-Gesetz war im Dezember 2014 vom Parlament gutgeheißen worden. Der Aktionsplan wird alle fünf Jahre überprüft.

Kritik der Umweltverbände

Die Umweltorganisationen Natur&Ëmwelt und Greenpeace wiesen den Aktionsplan gestern in einer Pressemitteilung als nicht weitreichend genug zurück. Im Ackerbauministerium habe man "die dringende Lage nicht erkannt" und sei daher auch nicht gewillt, "konkrete Maßnahmen zur Reduktion der Pestizide" zu ergreifen. Die beiden Verbände wollen am 18. April im Rahmen einer Pressekonferenz detailliert Stellung beziehen. 

Zeitgleich mit der Vorstellung des nationalen Aktionsplans in Luxemburg stimmt das Europaparlament am Mittwoch über die weitere Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat ab. Geht es nach dem Willen der Europaabgeordneten, soll der Wirkstoff nur für sieben Jahre zugelassen werden. Die EU-Kommission hatte eine Neuzulassung für 15 Jahre vorgeschlagen. Zudem verlangten die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg mehr Auflagen für den Glyphosat-Einsatz - die Resolution ist allerdings nicht bindend.


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