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Affäre Lunghi/Bettel/RTL: Hinter verschlossenen Türen
Trägt an diesem Montag gleich drei Hüte: Premierminister Xavier Bettel.

Affäre Lunghi/Bettel/RTL: Hinter verschlossenen Türen

Foto: Guy Jallay
Trägt an diesem Montag gleich drei Hüte: Premierminister Xavier Bettel.
Politik 28.11.2016

Affäre Lunghi/Bettel/RTL: Hinter verschlossenen Türen

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Premier-, Medien- und Kulturminister Xavier Bettel muss heute im zuständigen parlamentarischen Ausschuss Fragen zur Affäre Lunghi beantworten.

(jag) - Die Affäre Lunghi/Bettel/RTL geht an diesem Montag in eine neue, vielleicht entscheidende Runde. In der "Commission de l'enseignement supérieur, de la recherche, des médias, des communications et de l'espace" muss Premierminister Xavier Bettel heute Rede und Antwort stehen. Sowohl als Kultur- wie auch als Medien- und Premierminister ist seine Person gefragt.

Interessieren dürfte die Abgeordneten vor allem das schnelle, manche meinen vorschnelle, Verurteilen des Museumsdirektors vor laufenden Kameras. Aber auch das Gebaren verschiedener RTL-Mitarbeiter und das Inszenieren eines Skandals durch ein manipuliertes Video dürften zur Sprache kommen.  Am 7. Dezember soll dann der 20-köpfige Verwaltungsrat der CLT-UFA tagen. Der Vorfall steht dort auf der Tagesordnung.

Sowohl "Tageblatt" als auch "Luxemburger Wort" werfen in diesem Lichte die Frage des berühmt-berüchtigten Konzessionsvertrages auf. Ein Vertrag, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt wird und der RTL-Gruppe über Jahre hinweg den Zugriff auf die nationalen Radio- und Fernsehfrequenzen zusichert.

Im Gegenzug muss RTL ein Lastenheft erfüllen, indem es seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht wird und ein tägliches Fernsehprogramm anbietet. Während dieses System in vergangen Zeiten eine Win-Win-Situation darstellte, stellt sich heute in einem liberalisierten Umfeld mit digitalen Medien die Frage,  ob ein solch staatlich kontrolliertes Privatmonopol überhaupt noch zeitgemäß ist.

Laut "Tageblatt" gibt es bereits Stimmen innerhalb des Medienausschusses, welche zumindest die Verhandlungen im Rahmen der Erneuerung des Konzessionsvertrages öffentlicher gestalten wollen. Transparenz gibt es bis heute nämlich so gut wie gar nicht. So fehlen im Geschäftsbericht von RTL Group die Zahlen der luxemburgischen Aktivitäten.

Auch Pierre Sorlut meint im "Luxemburger Wort", dass die Rolle von RTL als öffentlicher Dienstleister zumindest hinterfragt werden sollte. RTL habe sich verpflichtet, Qualitätsjournalismus zu liefern. Doch schon 2007 habe der damalige Chefredakteur Tom Graas den Konzern verlassen, weil er, wie er dem "Telecran" damals verriet, mit dieser Art von Boulevardjournalismus nichts mehr zu tun haben wollte.

Die Ausschusssitzung an diesem Montag könnte demnach eine der seltenen Gelegenheiten sein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.







           


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