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Ärzteschaft protestiert gegen medizinisches Zentrum
Politik 03.03.2021

Ärzteschaft protestiert gegen medizinisches Zentrum

Ärzte fürchten um ihre professionelle Unabhängigkeit, wenn sie privaten Investoren ausgeliefert sind.

Ärzteschaft protestiert gegen medizinisches Zentrum

Ärzte fürchten um ihre professionelle Unabhängigkeit, wenn sie privaten Investoren ausgeliefert sind.
Foto: Shutterstock
Politik 03.03.2021

Ärzteschaft protestiert gegen medizinisches Zentrum

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die AMMD fordert die Gesundheitsministerin dazu auf, gegenüber der Gründung eines Diagnostikzentrums mit Poliklinik in Junglinster kritisch zu bleiben.

Am 26. Februar hat die Gemeinde Junglinster mit der Fondation Hôpitaux Robert Schuman (FHRS) ein Memorandum of Understanding (MoU) über den Bau eines medizinischen Zentrums unterschrieben: Entstehen sollen ein Radiologisches Diagnostikzentrum mitsamt IRM, eine Poliklinik, Ärztepraxen sowie ein Angebot von Präventivmedizin und anderen Gesundheitsaktivitäten im Rahmen einer Public-Private-Partnership.


8.2.IPO / ITV AMMD / Association des Medecins et Medecins-Dentistes / Alain Schmit Foto:Guy Jallay
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Pikant dabei ist, dass über genau diese Thematik derzeit noch am Gesondheetsdësch diskutiert wird, der für genau diese Zukunftsthemen extra eingerichtet wurde. Eine Arbeitsgruppe befasst sich mit der Frage, wie die Krankenhausstrukturen besser durch ambulante Angebote ergänzt werden können. 

Vier Szenarien wurden bislang zurückbehalten: Den Status quo beibehalten; ambulante Antennen der Krankenhauszentren einzurichten; eine Ko-Verwaltung von Krankenhausträgern und den in Aussicht gestellten Ärztegesellschaften auf die Beine zu stellen; die autonome Verwaltung durch eine oder mehrere der besagten Ärztegesellschaften. 

Einstieg privater Investoren in das Gesundheitssystem

Das Vorhaben in Junglinster entspricht einem fünften Szenario - dem eines privaten Trägers mit einer Gemeinde. Denn das MoU wurde von der Fondation HRS unterzeichnet, dem einzigen Aktionär der Hôpitaux Robert Schuman S.A.. Dabei ist es diese S.A., die die vier Krankenhäuser Kirchberg, Bohler, Zitha und Ste. Marie verwaltet. 

Das Krankenhausgesetz verbiete einer Gemeinde und einem privaten Investor nicht, ein solches Diagnostikzentrum zu errichten und die FHRS sei durchaus so finanzkräftig, dass sie auf staatliche Fördermittel verzichten kann, die eine langwierige Prozedur verlangen würden, schreibt die Ärztevereinigung AMMD nun in einem Brief an Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP), der dem „Wort“ vorliegt. 

Das hieße aber, dass die FHRS einen wie auch immer gearteten Beitrag der dort tätigen Ärzte verlangen könnte und diese quasi dann unter der Vormundschaft von privaten Gesellschaften stünden


Lokales, Erste Impfungen, Pfizer, Covid-19, Coronavirus, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
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In diesem Sinn warnt die AMMD davor, dass es dann nicht mehr um die wahren Probleme und Bedürfnisse der Bevölkerung ginge und andere Strukturen über das Land verteilt folgen könnten, die auch das derzeit herrschende juristische Vakuum ausnutzen - möglicherweise von noch viel finanzkräftigeren internationalen Konsortien. 

Es sei kruzial, kritisch gegenüber solchen Initiativen von nicht medizinischen Trägern zu sein. Die professionelle Unabhängigkeit von Ärzten müsse erhalten bleiben, um weiterhin medizinische Qualität bieten zu können.  

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