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Ärztemangel: Umstrittene Diagnose
Politik 2 Min. 22.08.2014 Aus unserem online-Archiv

Ärztemangel: Umstrittene Diagnose

Mehr Einwohner, mehr Senioren mit Pflegebedürfnissen und viele ältere Ärzte, die in Kürze in den Ruhestand treten könnten: Die Oppositionsabgeordneten und die AMMD warnen vor einem Ärztemangel.

Ärztemangel: Umstrittene Diagnose

Mehr Einwohner, mehr Senioren mit Pflegebedürfnissen und viele ältere Ärzte, die in Kürze in den Ruhestand treten könnten: Die Oppositionsabgeordneten und die AMMD warnen vor einem Ärztemangel.
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Politik 2 Min. 22.08.2014 Aus unserem online-Archiv

Ärztemangel: Umstrittene Diagnose

In Luxemburg drohe ein Ärztemangel, hatten drei Oppositionsabgeordnete beklagt. Gesundheitsministerin Lydia Mutsch beschwichtigt: Zurzeit gebe es keinen Hinweis auf einen Engpass. Doch die Ärztevertreter reagieren kritisch.

(BB) -  Lydia Mutsch beschwichtigt: Zurzeit gibt es keinen allgemeinen Ärztemangel. In den letzten Jahren ist die Anzahl an Ärzten stets gestiegen, erklärt die Gesundheitsministerin auf die besorgten Fragen von Oppositionsabgeordneten hin.

Vor zehn Jahren zählte das Land 823 Fachärzte, 2012 waren es 1.050, erläutert die Ministerin anhand von Grafiken. Auch bei den Allgemeinmedizinern zeigt die Tendenz nach oben. Von 2004 auf 2012 stieg die Zahl um 100 Ärzte. Ungewiss bleibt dennoch: Entspricht der Zuwachs den reellen Bedürfnissen der Bevölkerung?

Mehr und nicht genug

In ihren jeweiligen parlamentarischen Anfragen hatten die Oppositionsabgeordneten Nancy Arendt und Léon Gloden (beide CSV) sowie Gast Gibéryen (ADR) beklagt, die Versorgungsperspektiven würden nicht gut aussehen. Bereits jetzt sei die Lage für die Patienten und Dienstleister schwierig. „Die Maison médicale in Ettelbrück muss für einen Teil des Ostens des Landes aufkommen“, hatte der ADR-Vertreter als Beispiel genannt.

Die Ministerin winkt ab: Von einer geringen Ärztedichte und einem Versorgungsrisiko könne nicht die Rede sein, betont sie gleich zu Beginn ihrer Antwort. Auf die Frage hin, ob es eine Liste mit der fehlenden Ärztezahl je nach Fachbereich gibt, warnt sie generell vor zu strengen Auslegungen. Zwischen einem eventuellen Mangel an Ärzten und einem Überschuss liege ein schmaler Grat. „Angesichts der kleinen Fläche des Landes und überschaubarer Daten kann die Niederlassung von ein paar Spezialisten in einem Fachbereich schon einen beträchtlichen Impakt auf die medizinische Versorgung haben“, so Lydia Mutsch.

Eingehende Angaben über die Spezialisten werden also nicht genannt. In einem System, das sich rasch wandeln kann, sei vor allem die Attraktivität des Standorts wichtig, gibt die Ministerin zu verstehen. Hier könne Luxemburg durchaus mithalten und wisse stets neue Ärzte aus dem Ausland anzuziehen. Das sieht der Ärzteverband AMMD aber völlig anders.

Ärzteverband zeigt sich kritisch

„Mit 2,8 Ärzten für 1.000 Einwohner hat Luxemburg im Vergleich zu anderen OECD-Ländern eine niedrige Ärztedichte. Und unsere erfahrenen, etwas älteren Ärzte stehen den Patienten weit mehr als 40 Stunden pro Woche zur Verfügung. Wenn wir also ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem erhalten wollen, brauchen wir in den kommenden Jahren viel mehr junge Ärzte“, mahnt der AMMD-Generalsekretär Claude Schummer. Er spricht sich für eine bessere Planung aus.

Der Ärztevertreter befürwortet die Schaffung einer Medical School in Luxemburg, um den Bedarf an Medizinern zu unterstützen. Und darüber hinaus plädiert er für einen "Plan sectoriel" im Gesundheitswesen, damit "über den neuen Spitalplan hinaus die Bedürfnisse der Einwohner - besonders der Familien mit Kleinkindern sowie älterer Menschen - in den verschiedenen Regionen mehr berücksichtigt werden".

Bevor ein Rezept für das Gesundheitssystem ausgestellt werden kann, werden sich die jeweiligen Akteure über die Diagnose einigen müssen. In Sachen Ärztemangel stoßen jedenfalls verschiedene Auffassungen aufeinander.