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Abbé André Heiderscheid verstorben
Politik 18 1 3 Min. 18.03.2018

Abbé André Heiderscheid verstorben

Marc THILL
Marc THILL
André Heiderscheid war Geistlicher und Kirchenmann, aber er war auch Journalist mit Leib und Seele und hatte sich der sozialen Kommunikation verschrieben.



"E grousse Verloscht fir Lëtzebuerg"
Reaktionen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Bischofsvikar Georges Hellinghausen und dem ehemaligen "Wort"-Chefredakteur Léon Zeches zum Tod von Abbé André Heiderscheid.

Priester, Journalist, Soziologe, Politologe, Verleger, Unternehmer und Buchautor - André Heiderscheid vereinte viele Profile, er war ein facettenreicher Mensch, wurde vor allem aber als Chefredakteur und Direktor des „Luxemburger Wort“ zu einer herausragenden und markanten Persönlichkeit Luxemburgs. Sein Kürzel Hd. wird auch nach seinem Tod ein Begriff in der Luxemburger Pressegeschichte bleiben. 

Auf der einen Seite gab es immer wieder Beifall und Bewunderung, auf der anderen Seite aber auch Widerstand und Missgunst. Nur selten ließ Abbé Heiderscheid einen gleichgültig.
Auf der einen Seite gab es immer wieder Beifall und Bewunderung, auf der anderen Seite aber auch Widerstand und Missgunst. Nur selten ließ Abbé Heiderscheid einen gleichgültig.
Foto: Anouk Antony

Geboren wurde André Heiderscheid am 30. Dezember 1926 in Lorentzweiler, wo er zwischen 1933 bis 1940 zur Primärschule ging. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, besuchte André Heiderscheid das Lycée classique in Echternach, später dann das hauptstädtische Athenäum. Kriegs-, Front- und Gefangenenlagererlebnisse prägten, den damals kaum den Kinderjahren entwachsenen jungen Menschen, bis ans Ende seines Lebens. 

Reichsarbeitsdienst und Zwangsrekrutierung

Ab 1944 war Heiderscheid im Reichsarbeitsdienst in Polen, später in Thüringen, wurde im Januar 1945 als Zwangsrekrutierter in die Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront nach Schlesien gebracht. Am 9. Mai geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, und kam erst nach seiner Freilassung am 25. August 1945 über Berlin und Brüssel am 24. September 1945 nach Luxemburg zurück. 

Nach dem Krieg schloss André Heiderscheid im Jahr 1947 seine Sekundarstudien am hauptstädtischen Athenäum ab und trat in das Priesterseminar ein. 1953 wurde er zum Geistlichen geweiht und feierte seine Primiz in Lorentzweiler. Weitere Studien führten ihn zunächst aber noch nach Paris ans „Institut catholique de Paris“ und an das „Institut d’études politiques“, wo er bis ins Jahr 1959 studierte.

Sehen Sie hier eine Filmbiografie,die zum 85. Geburtstag von André Heiderscheid im Auftrag von Saint-Paul von Robert Grossklos und Vito Labalestra realisiert wurde:

Heiderscheid wurde Theologe, Doktor der Soziologie und Diplompolitologe. Mit der Veröffentlichung seiner für damalige, also präkonziliare Zeit, fast revolutionär klaren und offenen Thesen über die religiöse Soziologie der Luxemburger Diözese wurde der Name Heiderscheid in Luxemburg zu einem festen Begriff. 1961 und 1962 publizierte er seine Doktorarbeit in zwei Bänden „Aspects de sociologie religieuse du diocèse de Luxembourg“. Mit dieser Publikation war Heiderscheid prädestiniert, eine führende Rolle in Luxemburg und in der Kirche Luxemburgs einzunehmen. 

Journalist mit Leib und Seele

Zunächst aber lehrte Abbé Heiderscheid am Athenäum und am Mädchenlyzeum, war zugleich auch Lehrbeauftragter am Priesterseminar und gab Universitätskurse, wurde 1965 Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrats, profilierte sich aber vor allem ab 1959 als Redakteur im „Luxemburger Wort“. 1967 wurde er Chefredakteur der Zeitung und 1971 Direktor des Medienhauses in der Nachfolge von Mgr Alphonse Turpel. Chefredakteur blieb er bis 1986, Direktor der Druckerei und des „Luxemburger Wort“ bis 1994. Von 1995 bis 1998 war er „administrateur délégué“ der Sankt-Paulus-Druckerei. 

André Heiderscheid war Journalist mit Leib und Seele und hatte sich der sozialen Kommunikation verschrieben. Über den Journalistenberuf rangierte er aber nach eigenen Aussagen seine Berufung zum Geistlichen und Kirchenmann. Priester und Journalist, eine Kombination, die in der katholischen Presse regelrecht Tradition hatte, eine recht schwierige Gratwanderung, die von André Heiderscheid viel Weitsicht erforderte. 

1953 wurde André Heiderscheid zum Geistlichen geweiht.
1953 wurde André Heiderscheid zum Geistlichen geweiht.
Foto: Guy Jallay

Luxemburger Diözesansynode

Der Zeitungsmacher – die Redakteure nannten ihn „de Chef“ - hatte ein zähes Durchsetzungsvermögen und besaß sonder Zweifel eine unbiegsame Autorität. Dies half ihm als Unternehmenschef, aber auch auf kirchlicher Ebene bei der Vorbereitung und Durchführung der vierten Luxemburger Diözesansynode. 

Heiderscheid schaffte es, das „Luxemburger Wort“ gegen starke Strömungen auf dem Pfad des unabhängigen, professionellen Journalismus und gleichzeitig der Glaubens- und Romtreue zu halten. Seine Zentralthese lautete, dass auch eine katholische Zeitung an erster Stelle eine gutgemachte allgemeine Informationszeitung sein müsse, ohne dafür weder ihre Tendenz noch ihre Meinungsfreiheit aufzugeben. 

Von 1976 bis 1983 war der Verleger Heiderscheid Präsident des Luxemburger Zeitungsverlegerverbandes, von 1972 bis 1988 kirchlicher Berater der „Union catholique internationale de la Presse (UCIP)“, von 1981 bis 1993 Verwaltungsratsmitglied der CLT und von 1983 bis 1985 Präsident des nationalen Presserates. 1986 wurde ihm in Antwerpen der Europäische Journalistenpreis und 1992 der Europäische Preis der geschriebenen Presse für das Jahr 1991 verliehen. Während fast vier Jahrzehnten drückte André Heiderscheid „seinem“ Medienunternehmen seinen Stempel auf. 

Heiderscheid, der Warner

In der Kirche Luxemburgs war André Heiderscheid seit 1977 Domkapitular der Kathedrale von Luxemburg, 1991 trat er in den Bischofsrat ein, von 1993 bis 2012 war er Dompropst. 

Bis zu seinem Lebensende blieb André Heiderscheid ein unermüdlicher Warner vor den Gefahren eines menschenverachtenden Totalitarismus, er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Verbrechens an Luxemburgs Jugend zu dokumentieren. In einer Buchreihe über den Zweiten Weltkrieg veröffentlichte er seine Erinnerungen von damals.  


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