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Ab Januar kommt "Tiers payant" der neuen Generation
Politik 3 Min. 13.11.2019

Ab Januar kommt "Tiers payant" der neuen Generation

Eine stabile Finanzlage, aber viele Grundsatzdiskussionen über die künftige Entwicklung stehen an.

Ab Januar kommt "Tiers payant" der neuen Generation

Eine stabile Finanzlage, aber viele Grundsatzdiskussionen über die künftige Entwicklung stehen an.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 13.11.2019

Ab Januar kommt "Tiers payant" der neuen Generation

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Reserven der CNS wachsen, die Leistungen nicht, monieren die Gewerkschaften. Die Kassenlage und die Vorbereitung des "Gesondheetsdësch" standen auf der Tagesordnung der Quadripartite.

Die Gesundheitskasse ist weiter gut gefüllt: Gab es 2018 einen Überschuss von 132,5 Millionen Euro, werden es 2019 wohl 52,6 Millionen sein. So werden die Reserven von 869,7 Millionen auf 922,3 Millionen anwachsen und für 2020 rechnet man mit weiteren 40 Millionen Überschuss. In Prozent der jährlichen Ausgaben wird das Polster allerdings langsam von 30,2 Prozent im Jahr 2018 auf 29,3 Prozent 2019 und 28,8 Prozent 2020 absinken. 2023 sollen noch 23,7 Prozent der Jahresausgaben in der Reserve liegen. Eine stabile Lage demnach. 

Die beiden Schneiders sind mit ihrer Arbeit zufrieden.
Die beiden Schneiders sind mit ihrer Arbeit zufrieden.
Foto: Guy Jallay

Am Mittwoch kam die Quadripartite zusammen: Die LSAP-Minister Romain Schneider für die Sozialversicherung und Etienne Schneider für Gesundheit berieten mit den Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern sowie den Dienstleistern des Gesundheitswesens aus unter anderem Medizin, Krankenhäusern, Laboren und Apotheken aktuelle Themen. Und daran mangelt es ja nicht.

Fünf Arbeitsgruppen am "Gesondheetsdësch"

Ob allgemeiner Tiers payant für alle Arztrechnungen, elektronische Patientenakte, E-Santé, veraltete Nomenklaturen, Ärzte- und Personalmangel, überfüllte Notaufnahmen und überlastete Krankenhausstrukturen - es gibt viel Gesprächsbedarf. All das soll nun am "Gesondheetsdësch" in fünf Arbeitsgruppen diskutiert werden, die in die Materie vertieft einsteigen und mögliche Lösungswege vorschlagen:

  • Eine bessere gegenseitige Ergänzung des Krankenhaus- und des ambulanten Sektors außerhalb der Spitäler
  • Eine bessere Verbindung zwischen den Versicherten und den Dienstleistern 
  • Die Prävention     
  • Der Rückgriff auf neue Gesundheitstechnologien 
  • Die Finanzierung des Gesundheitssystems 

"Wir wollen die Weichen für ein innovativeres, effizienteres und qualitativ besseres Gesundheitssystem setzen, sowohl bei der Behandlung auf  dem Spitzenniveau der Entwicklung als auch bei der Attraktivität der Arbeitsbedingungen", sagte Gesundheitsminister Schneider. Er will ganz auf Innovation, Forschung und neue Technologien setzen und erwartet sich, dass am "Gesondheetsdësch" auch konkrete Maßnahmen herauskommen. 

Gewerkschaften vermissen Fortschritte bei Leistungen

Den Gewerkschaften geht es derweil nicht zügig genug bei den Leistungsverbesserungen für die Versicherten. Es sei zwar in den vergangenen Jahren schon etliches geschehen, aber: "Vieles, das versprochen wurde ist bis heute nicht umgesetzt", monierte Carlos Pereira vom OGBL, der sich wenig begeistert davon zeigte, weitere drei Jahre warten zu müssen, bis die Nomenklatur - der Leistungskatalog der Mediziner - ganz überarbeitet sein wird.   

Auch Christophe Knebeler vom LCGB verwies auf nicht eingehaltene Versprechen: "Schon 2016/17 wurde entschieden bei Zahnbehandlungen und bei Brillen nachzubessern, bis heute geschah nichts." Weder bei den Notaufnahmen noch dem Tiers payant sei man vorangekommen. "Wir können nicht mehr unendlich warten und wollen einen klaren Zeitplan definiert haben."

 Wir haben mit der AMMD über Leistungsverbesserungen bei Zahnbehandlungen gesprochen.

Romain Schneider

Sozialminister Schneider ließ die Vorwürfe am Mittwoch nicht auf sich sitzen. "Wir haben mit der AMMD über Leistungsverbesserungen bei Zahnbehandlungen gesprochen und es laufen auch die Überlegungen zu Brillen und Laserbehandlungen im Rahmen der Nomenklaturkommission." Ein Tiers payant der neuen Generation sei in Ausarbeitung, mit dem die papierlose Kostenerstattung für Ärzte und Patienten erleichtert wird. 

Tiers payant der neuen Generation

"Im Januar werden wir ihn vorstellen", stellte Romain Schneider in Aussicht. Auch wenn das ganze gesetzliche Regelwerk noch drei Jahre dauern wird, so beginne die etappenweise Umsetzung aber dann schon. 

Auch UEL-Direktor Jean-Paul Olinger verwies vonseiten der Arbeitgeber darauf, dass 65 % der versprochenen Leistungsverbesserungen umgesetzt seien und der Rest nach und nach komme. Immerhin seien 30 Millionen Euro den Versicherten bereits mehr zugutegekommen. Er zeigte sich allgemein zufrieden mit der Quadripartite. "Es war ein gutes Gespräch", sagte er und hob die Digitalisierung als wichtiges Thema hervor. "Wir müssen weiter in die Zukunft schauen, denn in den kommenden 50 Jahren wird sich die Bevölkerung verdoppelt haben."


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