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76 Prozent heißen Flüchtlinge in Luxemburg willkommen
Politik 3 Min. 27.10.2015 Aus unserem online-Archiv
TNS-Ilres-Umfrage

76 Prozent heißen Flüchtlinge in Luxemburg willkommen

In Luxemburg zeigen viele Bürger Verständnis für die Flüchtlinge.
TNS-Ilres-Umfrage

76 Prozent heißen Flüchtlinge in Luxemburg willkommen

In Luxemburg zeigen viele Bürger Verständnis für die Flüchtlinge.
Foto: AFP
Politik 3 Min. 27.10.2015 Aus unserem online-Archiv
TNS-Ilres-Umfrage

76 Prozent heißen Flüchtlinge in Luxemburg willkommen

Laut Umfrage steht ein Großteil der Luxemburger der aktuellen Flüchtlingspolitik positiv gegenüber. Doch in einem Punkt bleibt Skepsis.

(jag/ks/mth) - Eine große Mehrheit der luxemburgischen Bevölkerung begrüßt den Empfang von Flüchtlingen im Land. Dies geht aus einer Umfrage von TNS-Ilres hervor, die das Integrationsministerium in Auftrag gegeben hatte. Demnach stehen 76 Prozent der Befragten der Aufnahme von Flüchtlingen positiv gegenüber. Demgegenüber stehen 21 Prozent der Befragten, die die Flüchtlingsaufnahme negativ sehen.

Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen wertete die Ergebnisse der Studie als positives Zeichen dafür, dass die Luxemburger in ihrer großen Mehrheit derzeit mit der Integrationspolitik der Regierung einverstanden seien. Sie zeigte sich zudem erfreut, dass die Ergebnisse wesentlich positiver seien, als dies in manchen anderen europäischen Staaten derzeit der Fall sei. Dies zeige sich auch an den zahlreichen spontanen Hilfsaktionen, die in den vergangenen Wochen bereits durch Privatbürger zugunsten von Flüchtlingen ins Leben gerufen worden seien.

47 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, Luxemburg müsse in den kommenden Monaten weitere Flüchtlinge aufnehmen. 25 Prozent finden allerdings, Luxemburg habe schon jetzt seine Aufnahmekapazität erschöpft. Lediglich 12 Prozent sind der Meinung, dass Luxemburg bereits jetzt zu viele Flüchtlinge aufgenommen habe, 15 Prozent der Befragten haben keine gefestigte Meinung zu dieser Frage.

Luxemburger verständnisvoll und solidarisch

Charles Margue, Direktor von TNS-Ilres, begründete die hohe Akzeptanz am Dienstag bei einer Pressekonferenz damit, dass viele Luxemburger oder deren Familienmitglieder in ihrer Vergangenheit ähnliche Erfahrungen wie die jetzt ankommenden Flüchtlinge gemacht hätten.

Tatsächlich überwiegt beim Bürger ein positives Bild, was die Flüchtlinge betrifft. 64 Prozent sind der Meinung, Luxemburg werde in der Lage sein, die aktuellen Flüchtlinge auf ähnliche Art zu integrieren, wie dies mit den Flüchtlingen vom Balkan der Fall war, welche in den 1990er Jahren ins Großherzogtum kamen.

61 Prozent sind zudem der Meinung, dass unter den Flüchtlingen eine große Anzahl gut ausgebildeter Menschen sei, die der luxemburgischen Wirtschaft als qualifizierte Arbeitskräfte zugute kämen. Allerdings sind auch 54 Prozent der Meinung, dass die Aufnahme von Asylbewerbern die Arbeitslosigkeit verstärken werde. Lediglich 33 Prozent sehen als Grund allerdings die Hypothese, dass Flüchtlinge, denen Asyl gewährt wird, den Ansässigen die Arbeitsplätze wegnehmen könnten.

Die meisten Befragten sind denn auch der Meinung, dass Luxemburg solidarisch sei. 58 Prozent von ihnen geben an, dass die Regierung und die Verwaltungen die Situation im Griff haben. Immerhin 52 Prozent sagten allerdings, sie seien nicht überzeugt, dass die EU die Situation bewältigen könne.

Integrationssprachen Französisch und Luxemburgisch

Interessant sind auch die Vorstellungen der Befragten darüber, wie eine gelungene Integration der Flüchtlinge zu bewerkstelligen sei. 91 Prozent sprechen sich dafür aus, zu erst einmal die Grundbedürfnisse der Asylbewerbern zu stillen: Wohnraum, Verpflegung, medizinische Versorgung und Beschäftigung müssten gewährleistet sein. 91 Prozent würden Sprachkurse für die Flüchtlinge begrüßen, 88 Prozent sind dafür, dass die Asylbewerber zusätzlich Integrationskurse über die in Luxemburg gängigen Werte und kulturellen Gegebenheiten bekommen.

Darüber, welche Sprachen Flüchtlinge nach ihrer Ankunft als erster erlernen sollen, spalten sich die Geister: 87 Prozent sprechen sich für das Französische aus, 79 Prozent für das Luxemburgische. Deutsch (50 Prozent) und Englisch (35 Prozent) fallen zurück. Ein kleines Dilemma dabei sei, so Ministerin Cahen, dass die Mehrzahl der syrischen Flüchtlinge, die bisher angekommen seien, eher ausgezeichnet Englisch sprechen würden.

Direkter Kontakt mit Flüchtlingen ist aber selten: 84 Prozent der Befragten haben noch keinen Schutzsuchenden getroffen. Anders sieht dies bei Menschen aus, die mit Flüchtlingen arbeiten (5 Prozent), sich ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren (3 Prozent) oder sie beispielsweise in ihrer Nachbarschaft antreffen (10 Prozent).

Die Umfrage wurde zwischen dem 7 und 13 Oktober durchgeführt. Eine repräsentative Stichprobe von insgesamt 819 Personen aus allen Teilen des Landes wurde befragt.

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