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40 Jahre OGBL: Vom Traum der Einheitsgewerkschaft
Politik 17 2 Min. 29.11.2018 Aus unserem online-Archiv

40 Jahre OGBL: Vom Traum der Einheitsgewerkschaft

40 Jahre OGBL: Vom Traum der Einheitsgewerkschaft

Foto: Lucien WOLFF
Politik 17 2 Min. 29.11.2018 Aus unserem online-Archiv

40 Jahre OGBL: Vom Traum der Einheitsgewerkschaft

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Drei Stunden, nachdem die Verhandlungsführer von DP, LSAP und déi Gréng sich zum neuen Koalitionsabkommen geäußert haben, lud am Donnerstag der OGBL nach Esch/Alzette ein. Aber nicht, um zum Koalitionsprogramm Stellung zu beziehen. Der Termin stand einzig und allein im Zeichen der Gründung des OGBL vor 40 Jahren.

Der Onofhängege Gewerkschaftsbond wurde am 5. Januar 1979 gegründet, hervorgegangen ist er aus dem Lëtzebuerger Arbechterverband (LAV). Das eigentliche Ziel, die Schaffung einer Einheitsgewerkschaft, die die Interessen aller Beschäftigten in Luxemburg vertritt, konnte bis heute nicht umgesetzt werden.

Die Bildung einer einzigen gewerkschaftlichen Kraft bleibt aber ein Ziel des Unabhängigen Gewerkschaftsbundes, „aus dem ganz einfachen Grund, weil es dazu keine einzige sinnvolle Alternative gibt“, so OGBL-Präsident André Roeltgen am Donnerstag vor gut 300 Gästen in den Escher OGBL-Räumlichkeiten.

Mitgliederstarke Gewerkschaft

Mit rund 70.000 Mitgliedern zählt der OGBL heute zu den führenden Gewerkschaften des Landes und hat als solche einen erheblichen Einfluss auf die Politikgestaltung, besonders in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik. Dabei waren die Anfänge alles andere als einfach, wie André Roeltgen zu Beginn seiner Rede hervorhob. Dass aus dem OGBL eine Erfolgsstory wurde, führte er auf das Engagement des langjährigen Gewerkschaftschefs John Castegnaro und auf den starken Zusammenhalt innerhalb der Organisation zurück.

Der Vorsitzende erinnerte an gewerkschaftliche Sternstunden, wie zum Beispiel die Aufstände gegen Schließungen von Industrieanlagen, an die Streikbewegung der Fliesenleger Mitte der Achtziger Jahre. „Fast einen Monat lang wurde im Vorsommer 1985 gestreikt, der längste Streik in der Geschichte des OGBL“, so Roeltgen. Stolz ist man beim OGBL auch auf die „wesentlichen Verbesserungen, die wir 1990 bei den Renten durchsetzen konnten“ und darauf, dass „Leistungsverschlechterungen in der Krankenversicherung verhindert werden konnten“.

Einführung des Einheitsstatuts

Zu den Sternstunden zählt auch die Einführung des Einheitsstatuts im Jahr 2008 mit der Schaffung der Arbeitnehmerkammer und dem Zusammenschluss der Krankenkassen und der Rentenkassen. Die Erfolgsreihe reicht bis in die jüngste Vergangenheit hinein, als die Gewerkschaft sich im Baugewerbe, im Pflegesektor und im Gesundheits- und Sozialwesen für bessere Arbeits- und Lohnbedingungen eingesetzt hatte. Auch die Wiederherstellung des Indexsystems sei in erster Linie dem OGBL zu verdanken, so der Vorsitzende.

Wie man es richtig macht

Obschon der politische Einfluss kein geringer ist, wie Roeltgens Rückblick und auch die Verhandlungsergebnisse der vergangenen Jahre zum Beispiel in puncto Arbeitszeitflexibilisierung oder Zeitsparkonten zeigen, reicht das dem OGBL offenbar nicht. Wie man es richtig macht, haben die Arbeitgeber gezeigt. Um ihre Interessen wirksamer vertreten zu können, haben die Unternehmen sich im Jahr 2000 zur Union des entreprises luxembourgeoises (UEL) zusammengeschlossen.

Es ist ein großer historischer Fehler, wenn die Gewerkschaftsbewegung ihre Zersplitterung nicht überwindet.

Roeltgen gibt den Traum einer Einheitsgewerkschaft nicht auf, nicht nur, weil er sich davon mehr Durchschlagskraft erhofft. Angesichts der großen Herausforderungen (Digitalisierung, wachsende soziale Ungleichheiten) ist ein Zusammenschluss quasi unausweichlich. „Es ist ein großer historischer Fehler, wenn die Gewerkschaftsbewegung ihre Zersplitterung nicht überwindet“, so Roeltgens Aufruf an die anderen Gewerkschaften, sich der Idee eines Zusammenschlusses nicht weiter zu verschließen.

Sozialwahlen im März

Der OGBL weiß um seine Stärke in der Gewerkschaftslandschaft und möchte sie noch ausbauen. In der Arbeitnehmerkammer (CSL) verfügt die Gewerkschaft mit 38 von 60 möglichen Sitzen bereits über die absolute Mehrheit. Nun hofft sie, dass sie bei den Sozialwahlen am kommenden 12. März erneut gestärkt wird, damit der Traum von der Einheitsgewerkschaft irgendwann doch noch in Erfüllung geht.


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