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100 Jahre Allgemeinwahlrecht: Frauen an die Urnen
Politik 2 Min. 07.05.2019

100 Jahre Allgemeinwahlrecht: Frauen an die Urnen

Am Anfang des 20. Jahrhunderts setzten sich immer mehr Frauen für ihre Rechte ein. Ein Kampf, der nicht immer fair war. In Luxemburg wurde das Frauenwahlrecht 1919 eingeführt.

100 Jahre Allgemeinwahlrecht: Frauen an die Urnen

Am Anfang des 20. Jahrhunderts setzten sich immer mehr Frauen für ihre Rechte ein. Ein Kampf, der nicht immer fair war. In Luxemburg wurde das Frauenwahlrecht 1919 eingeführt.
Foto: Getty Images
Politik 2 Min. 07.05.2019

100 Jahre Allgemeinwahlrecht: Frauen an die Urnen

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Am 8. Mai 2019 jährt sich das Allgemeinwahlrecht in Luxemburg zum 100. Mal. Trotzdem sind Frauen in der Politik auch heute noch eher die Ausnahme als die Regel.

Der Name Marguerite Thomas-Clement wird den wenigsten Menschen heutzutage ein Begriff sein. Dabei ist die 1868 in Luxemburg-Stadt geborene Frau eine Pionierin der luxemburgischen Geschichte. 1919 wird sie als einzige von vier Kandidatinnen und als erste Frau überhaupt ins Parlament gewählt, wenige Monate nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts.

Die Frauenrechte sind nicht vom Himmel gefallen. Für sie wurde gekämpft.

Am 8. Mai 1919 wird das aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen im luxemburgischen Parlament mit 39 Ja-Stimmen gegenüber 11 Nein-Stimmen, angenommen. Im Jahr 1920 reicht Thomas-Clement einen Gesetzesvorschlag für die politische Gleichstellung der Geschlechter ein.


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Frauen und Männer sind noch immer nicht gleichberechtigt, auch nach 100 Jahren Kampf für die Gleichberechtigung. Es gibt genügend Beweise dafür in allen Bereichen des Lebens, so auch im Radsport.

Dieser Vorschlag, genauso wie die anderen gesellschaftlichen Diskussionen, welche die Abgeordnete im Parlament anstoßen will, erfahren jedoch in dieser, von Männern dominierten Runde, kaum Interesse. Insgesamt zwölf Jahre, bis 1931, bleibt Marguerite Thomas-Clement die einzige Frau im luxemburgischen Parlament. Erst 1965 gelingt mit Astrid Lulling wieder einer Frau den Sprung in die Chamber.

„Es gibt noch viel zu tun“

Auch 100 Jahre nach diesem historischen Ereignis bleiben Frauen in vielen Bereichen des Lebens gegenüber Männern benachteiligt. „Die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern besteht zwar de jure, de facto gibt es aber einen enormen Handlungsbedarf“, so das Fazit von Gleichheitsministerin Taina Bofferding.

Als Beispiel nannte sie die schwache Repräsentation von Frauen in der Politik. Bei den Legislaturwahlen im vergangenen Herbst schenkten die Wähler lediglich 12 Frauen ihr Vertrauen. Auch bei der aktuellen Regierung fällt die Bilanz mit fünf Frauen gegenüber zwölf Männern eher nüchtern aus, so Bofferding: „Es gibt also noch viel zu tun.“

Marguerite Thomas-Clement wurde 1919 Luxemburgs erste Parlaments-Abgeordnete.Sie ist eine Pionierin der luxemburgischen Geschichte.
Marguerite Thomas-Clement wurde 1919 Luxemburgs erste Parlaments-Abgeordnete.Sie ist eine Pionierin der luxemburgischen Geschichte.
Foto: Al. Anen, fils/LW-Archiv

Um an den Kampf der Frauen für Gleichstellung, die historischen Ereignisse vor 100 Jahren und die Frauen zu erinnern, die sich für diesen gesellschaftlichen Fortschritt eingesetzt haben, hat das Ministerium für die Gleichstellung zwischen Frauen und Männer eine Reihe von Ereignissen für dieses Jahr vorgesehen, unter anderem die Wanderausstellung „100 ans de démocratie au féminin“, die man noch bis zum 17. Mai im Bierger-Center in der Hauptstadt besuchen kann und deren Eröffnung am Dienstag im Beisein von Bürgermeisterin Lydie Polfer gefeiert wurde. Zudem ist dem Thema eine akademische Sitzung am 22. Mai gewidmet, die ebenfalls in der Hauptstadt stattfindet.


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Einen besonderen Stellenwert haben die Verantwortlichen auf den Dialog mit Jugendlichen gelegt. „Wir suchen den direkten Austausch mit Schülerinnen und Schülern. Wir möchten ihnen diese Geschichte erzählen und somit auch zeigen, dass die Rechte, die sie heute genießen, nicht vom Himmel gefallen sind, sondern dass dafür gekämpft wurde“, erklärte Bofferding.

Das Gleichheitsministerium wird dabei eine aktive Rolle einnehmen. Mitarbeiter des Ministeriums werden die einzelnen Schulen im Land sowie größere Jugendveranstaltungen besuchen und sich mit den Schülern über Themen wie Demokratie und die Gleichheit der Geschlechter unterhalten. Zudem wird auch die Ausstellung in Schulen im ganzen Land zu sehen sein. Eine Liste mit allen Veranstaltungen ist auf der Internetseite des Ministeriums zu finden.


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