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Zum 175. Geburtstag von Karl May: „Ich bin wirklich Old Shatterhand“
Panorama 3 Min. 25.02.2017 Aus unserem online-Archiv

Zum 175. Geburtstag von Karl May: „Ich bin wirklich Old Shatterhand“

Ein gutes Team: Karl May (l.) und der Künstler Sascha Schneider, der die ersten Titelbilder für seine Romanserien gestaltete.

Zum 175. Geburtstag von Karl May: „Ich bin wirklich Old Shatterhand“

Ein gutes Team: Karl May (l.) und der Künstler Sascha Schneider, der die ersten Titelbilder für seine Romanserien gestaltete.
Foto: Karl-May-Gesellschaft
Panorama 3 Min. 25.02.2017 Aus unserem online-Archiv

Zum 175. Geburtstag von Karl May: „Ich bin wirklich Old Shatterhand“

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Mit seinen Büchern und Romanhelden hat Karl May Generationen fasziniert, doch jetzt gehen die Verkäufe allmählich zurück. Vor 175 Jahren wurde der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand geboren.

(dpa/KNA) - „Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch“, schrieb Karl May. Schon vor weit mehr als 100 Jahren hat der geistige Vater von Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi jegliche Waffengänge angeprangert und das Miteinander gepriesen. „Karl May ist aktueller denn je“, sagt Bernhard Schmid, der Leiter des Karl-May-Verlages in Bamberg. Angesichts von Krieg und Terror, von Hass und Intoleranz müsste der Schriftsteller fast schon Pflichtlektüre in der Schule werden, schlägt Schmid vor. An diesem Samstag (25.2.) vor 175 Jahren wurde Karl Friedrich May im sächsischen Ernstthal geboren.

Späte Ehre: Zum 75. Todestag brachte die Deutsche Bundespost eine Winnetou-Sondermarke heraus.
Späte Ehre: Zum 75. Todestag brachte die Deutsche Bundespost eine Winnetou-Sondermarke heraus.
Foto: Deutsche Bundespost / Wikipedia

May zählt zu den meistgelesenen Schriftstellern deutscher Sprache. Allein sein Verlag habe den Verkauf von 80 Millionen Bänden dokumentiert, sagt der 54-jährige Schmid, der den Verlag in dritter Generation führt. Insgesamt werde die verkaufte Auflage im deutschsprachigen Gebiet auf 100 Millionen Exemplare geschätzt. Hinzu kämen Millionen Bücher in 33 anderen Sprachen weltweit.

Western- und Abenteuerromane, Reiseerzählungen und Prosa - das Gesamtwerk Karl Mays ist umfangreich. „Er hat viele Facetten und mehr zu bieten als Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand“, sagt Schmid. Aber zunehmend weniger Buchhändler führten Mays Romane. 

Vom Lehramtsanwärter zum Kleinkriminellen

Am 25. Februar 1842 wurde Karl May als fünftes von 14 Kindern einer verarmten Weberfamilie geboren. Neun Geschwister starben bereits in jungen Jahren. Der einzige überlebende Sohn sollte Lehrer werden, aber er kam häufig mit dem Gesetz in Konflikt und führte das Leben eines Kleinkriminellen. Wegen sechs unterschlagener Kerzen flog er vom Lehrerseminar. In Altchemnitz brachte ihm die „widerrechtliche Benutzung“ einer Taschenuhr seine erste Haftstrafe ein - zugleich war seine Karriere als Lehrer beendet. Diebstahl, Betrug und Hochstapelei wurden 1865 mit vier Jahren Arbeitshaus bestraft. Wegen zahlreicher weiterer Delikte saß er von 1870 an vier Jahre im Zuchthaus Waldheim.

May begann zu schreiben, doch den Durchbruch markierte erst 1892 die eigene Buchserie „Carl May's gesammelte Reiseromane“, in der schließlich auch der dreibändige „Winnetou“ erschien. Da war der Autor schon über 50. Längst hatte er sich zum Helden seiner Ich-Romane gemacht: „Ich bin wirklich Old Shatterhand“, behauptete er öffentlich. May ließ sich auch als Kara Ben Nemsi verkleiden und fotografieren.

Die meisten der Titelbilder aus der berühmten "grün-goldenen" Reihe entstammten der Feder von Carl Lindeberg.
Die meisten der Titelbilder aus der berühmten "grün-goldenen" Reihe entstammten der Feder von Carl Lindeberg.
Foto: Karl-May-Gesellschaft

Aber die Helden und auch die Landschaften seiner Romane entsprangen seiner lebhaften Fantasie. „Soll ein Buch seinen Zweck erreichen, so muß es eine Seele haben, nämlich die Seele des Verfassers. Ist es bei zugeknöpftem Rock geschrieben, so mag ich es nicht lesen“, gab der Autor sein Credo in „Old Surehand“ preis. Erst 1899, sieben Jahre nach dem Erscheinen von „Durch die Wüste“ als Auftakt seines Orient-Zyklus, bereiste er tatsächlich die Region. Und gar erst 1908 betrat May erstmals amerikanischen Boden. Da hatte May den Großteil seines immensen Werkes schon verfasst - und „Winnetou I“ war zu diesem Zeitpunkt schon 15 Jahre auf dem Markt.

Gut 50.000 Manuskriptseiten, so errechnete der Publizist Rüdiger Schaper, füllte der emsige Schriftsteller. In 35 aktiven Autorenjahren macht das 1.430 Seiten pro Jahr. Oder vier pro Tag! Was der schreibwütige May da zusammenfabulierte, hatte nicht immer die gleiche Qualität. Durch viel Schwulst und Kitsch muss sich der geneigte Leser bisweilen kämpfen. Aber von ungefähr kommt die riesige Gesamtauflage nicht, die May angeblich zum meistübersetzten deutschsprachigen Autor der Welt macht.

Gegen Ende seines Lebens wandte sich der Protestant May verstärkt religiösen Fragen zu. Die waren freilich auch vorher schon in seinem Werk angelegt - Winnetous Tod mit den Worten "Ich glaube an den Heiland" beweist es. Für Publizist Schaper gipfelte das Ganze in einem radikalen Pazifismus, wie er sich in "Und Friede auf Erden" offenbarte. Das Manifest gegen die deutsche Kolonialpolitik erschien 1904 - und war damit seiner Zeit weit voraus.

Einbrechende Verkaufszahlen

Karl May prägte bei Generationen meist jugendlicher Leser das Bild vom „Wilden Westen“. Doch die Millionenauflagen der 1960er und 1970er sind nicht mehr erreichbar. „Winnetou I“ sei im Vorjahr 2500 Mal über die Ladentheke gegangen, sagt Verleger Schmid. Um den Schriftsteller wieder erlebbar zu machen, gibt es Hörspiele und E-Books. Im Trend der Fantasy-Bücher verlegen die Bamberger auch die Romane des Autors Alexander Röder im „Kara Ben Nemsi“-Stil.

Karl May war zweimal verheiratet, hinterließ jedoch keine Kinder. Am 30. März 1912 starb er in seiner "Villa Shatterhand" in Radebeul nahe Dresden vermutlich an einer chronischen Bleivergiftung. Sowohl sein Geburtshaus in Hohenstein-Ernstthal als auch sein letzter Wohnsitz sind Museen, in denen anlässlich des 175. Geburtstages zahlreiche Veranstaltungen geplant sind.

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