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Zehn Jahre Spitzenforschung
Panorama 3 Min. 19.09.2019

Zehn Jahre Spitzenforschung

Am Wochenende enthüllte Rudi Balling (r.) die Kunstwerke der Jubiläumsausstellung.

Zehn Jahre Spitzenforschung

Am Wochenende enthüllte Rudi Balling (r.) die Kunstwerke der Jubiläumsausstellung.
Foto: Eric Hamus
Panorama 3 Min. 19.09.2019

Zehn Jahre Spitzenforschung

Rudi Balling, Direktor des „Luxembourg Center for Systems Biomedicine“ (LCSB), blickt auf das erste Jahrzehnt des Luxemburger Forschungszentrums.

Von Eric Hamus 

Die Neugierde, aus dem Gewohnten auszubrechen und querzudenken, die Innovation voran zu treiben: Genau darin besteht laut Rudi Balling das Bindeglied zwischen Kunst und Wissenschaft. Der Direktor des „Luxembourg Center for Systems Biomedicine“ (LCSB) ist solch ein Querdenker, einer, der über den Tellerrand schaut. Zusammen mit seinem Team hat er es geschafft, das Luxemburger Forschungszentrum innerhalb von zehn Jahren zu einem der führenden Institute dieser Art aufzubauen. Für ihn war die Interdisziplinarität in seiner Herangehensweise der ausschlaggebende Punkt.

Demnach dürfte es denn auch kaum verwundern, dass zum zehnten Geburtstag des LCSB eine Kunstausstellung mit zehn Gehirnen das Jubiläum markieren soll. „Die Ausstellung ,Mind the Brain’ zeigt, dass die Kunst und die Wissenschaft mehr gemeinsam haben, als wir oft denken“, sagt der deutsche Genetiker und nennt die eingangs bereits erwähnte Neugierde. „Und, was manchmal vergessen wird: Sowohl Kunst als auch Wissenschaft ist harte Arbeit sowie Professionalität in der Technik und den Methoden“, fährt einer der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet fort.


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Ballings Biografie ist beeindruckend: Nach dem Abitur im Jahr 1972 studierte der Deutsche Ernährungswissenschaften an der Universität Bonn und war Fulbright-Stipendiat an der Washington State University Pullman in den USA. Den Doktortitel erhielt er von der Universität Aachen auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie. Nach Aufenthalten am Mount Sinai Research Hospital in Toronto und den Max-Planck-Instituten in Biophysikalischer Chemie in Göttingen und Immunologie in Freiburg, wurde der Genetiker 1993 Direktor des Instituts für Säugetiergenetik am Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München. Von 2001 bis 2009 war Rudi Balling wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, bevor er für eine Gastprofessur am renommierten MIT nach Boston reiste. Im gleichen Jahr wechselte er als Gründungsdirektor ans LCSB in Luxemburg.

„Das eigene Ego zurückstellen“

Im LCSB setzte Balling von Beginn an auf eine breite Herangehensweise: „Die Idee war von Anfang an Interdisziplinarität und Internationalität“, so der Wissenschaftler. Wenn man in einem Land wie Luxemburg mit nur einer Universität und drei bis vier Forschungszentren international bestehen und konkurrieren wolle, dann müsse man über die Grenze schauen, so Balling. „Dann ist die Konkurrenz nämlich nicht in Leudelingen oder Düdelingen zu finden, sondern in Stanford, Harvard und am MIT“, unterstreicht der Genetiker selbstbewusst.

Die Menschheit sehe sich derzeit vielen Problemen ausgesetzt. „Sei es in der Umwelt, dem Klima, der Gesundheit, dem Finanzwesen oder der Sicherheit ... Eines ist aber klar: Keines dieser Themen kann ein einziger Wissenschaftler, eine einzige Forschungsinstitution alleine bewältigen“, fährt Balling fort. Man müsse einfach zusammenarbeiten und die Gewohnheiten aus 300 Jahren wissenschaftsprofessioneller Arbeit streichen: „Das eigene Ego zurückstellen, um das Team und den Gesamtgedanken der Vision nach vorne zu treiben.“ Dies gelte sowohl für die letzten als auch die kommenden zehn Jahre.

Rudi Balling legte im vergangenen Jahr ein wissenschaftliches Sabbatical ein: Er reiste nach San Diego, um dort am Scripps Research Institute neue Impulse für die Forschung zu erhalten.
Rudi Balling legte im vergangenen Jahr ein wissenschaftliches Sabbatical ein: Er reiste nach San Diego, um dort am Scripps Research Institute neue Impulse für die Forschung zu erhalten.
Foto: Lex Kleren

Erste Erfolge

So war es genau diese interdisziplinäre Herangehensweise, die dem LCSB nur wenige Jahre nach seiner Gründung bereits zu ersten Erfolgen in der Erforschung der neurodegenerativen Krankheit Parkinson verhalf. Tatsächlich war Rudi Balling bereits 2009 überzeugt, dass eine Kombination aus Biologie, Medizin, Mathematik, Physik und weiteren Wissenschaften zum Erfolg führen könnte. Die Herausforderung bestehe darin, „über den Tellerrand zu schauen, mit Fachkollegen und Experten zu interagieren und gemeinsam am selben Problem zu arbeiten“, meinte der Wissenschaftler beispielsweise im Dezember 2012 im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“.

Dank der verschiedensten Expertisen sei man am Zentrum nun in der Lage, Parkinson aus allen Blickwinkeln zu beleuchten und neue Wege zu erforschen, um die Krankheit in Zukunft früher diagnostizieren und besser behandeln zu können. Allerdings beschränken sich die Forscher des „Luxembourg Center for Systems Biomedicine“ nicht allein auf Parkinson, sondern auch auf die Erforschung von Umwelteinflüssen, Epilepsie, Alzheimer, das Mikrobiom und Stammzellen. So ist es LCSB-Forschern beispielsweise gelungen, menschliche Stammzellen aus Hautspenden in winzige dreidimensionale gehirnähnliche Zellkulturen umzuwandeln.

Seit zehn Jahren schon bringt das LCSB die besten „Gehirne“ der Welt in Luxemburg zusammen, um die brennenden Fragen rund um das Gehirn und seine Erkrankungen zu beantworten. Eine Ausstellung mit riesigen Skulpturen soll das zehnjährige Bestehen des „Luxembourg Center for Systems Biomedicine“ nun gebührend feiern. Zehn Gehirnskulpturen, die jeweils einen Forschungsbereich des LCSB repräsentieren, wurden von renommierten Luxemburger Künstlern gestaltet und im Zentrum der Hauptstadt ausgestellt. Der Erlös aus dem späteren Verkauf der Kunstwerke kommt auch der Forschung zugute – damit das LCSB auch weiterhin in der ersten Liga der wissenschaftlichen Institute mitspielen kann.

www.mindthebrain.lu


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