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Zehn Jahre im Dienste der Kinder
Panorama 4 Min. 27.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Zehn Jahre im Dienste der Kinder

Freude ohne großen Anspruch: Jungen und Mädchen eines Projekts im indischen Murbad.

Zehn Jahre im Dienste der Kinder

Freude ohne großen Anspruch: Jungen und Mädchen eines Projekts im indischen Murbad.
Foto: KNH/Jakob Studnar,
Panorama 4 Min. 27.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Zehn Jahre im Dienste der Kinder

Nicole WERKMEISTER
Nicole WERKMEISTER
Seit zehn Jahren engagiert sich die Kindernothilfe Luxembourg für die Belange Heranwachsender.

Klimawandel, Plastik in den Meeren, die Flüchtlingskrise ... Man müsste etwas tun, da sind sich heute viele einig. Nur wo beginnen? Das fragte sich auch Patrick Reinert, als sein 40. Geburtstag bevorstand und er die erwarteten Zuwendungen einem guten Zweck zukommen lassen wollte. „Ich hatte Glück im Leben – unter anderem das Glück, in einem wohlhabenden Land geboren zu sein – und das wollte ich teilen“, erinnert sich der heute 51-Jährige. Aber er wollte sicher sein, dass seine Spende auch an Ort und Stelle ankam. Also begann der gelernte Ökonom, sich über diverse Hilfsorganisationen zu informieren. Seine Begeisterung entfachte schließlich die 1959 in Deutschland gegründete Kindernothilfe, die bis dato zwar in der Schweiz und in Österreich, aber noch nicht in Luxemburg vertreten war. Und so sollte aus der einmal geplanten Unterstützung ein langfristiges Projekt werden: Am 9. Juni 2009 gründete Patrick Reinert gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten die heutige „Kindernothilfe Luxembourg“, die inzwischen auf zahlreiche erfolgreiche Projekte zurückblicken kann.

Patrick Reinert, Gründer der "Kindernotholfe Luxembourg"
Patrick Reinert, Gründer der "Kindernotholfe Luxembourg"
Foto: Claudine Bosseler

Erste Erfolge

Ihren erste erfolgreiche Spendenaktion erlebten die Verantwortlichen der Kindernothilfe Luxembourg 2010 nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti. Gemeinsam mit den Kollegen der Dachorganisation unterstützten die Luxemburger die betroffenen Familien und deren Kinder mit der nötigen Soforthilfe. Die neu gewonnene Bekanntheit der Organisation im Großherzogtum und die große Spendenbereitschaft ermöglichten es schließlich, 2014 ein eigenes Langzeitprojekt in Angriff zu nehmen: ein Berufsbildungsprojekt für bedürftige Jugendliche in Malawi, das auch durch das luxemburgische Außenministerium unterstützt wurde. Heute fördert die seit 2013 als ONG offiziell anerkannte Organisation 21 000 Kinder und 3 600 Jugendliche weltweit.

Eltern und Umfeld einbinden

„Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Überall auf der Welt“, erklärt Patrick Reinert, der seit September 2017 auch die Position des Geschäftsführers der Organisation innehat. „Um den Heranwachsenden eine langfristige Zukunftsperspektive zu geben, ist Bildung immer der beste Weg.“


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Oft werde den Kindern der Zugang zu Bildung aber durch ausbeuterische Kinderarbeit verwehrt. Daher sei es wichtig, zunächst das Lebensumfeld der Kinder positiv zu beeinflussen und Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern. Im ersten Schritt gelte es dabei, Einfluss auf die familiären Strukturen der Betroffenen zu nehmen und den Eltern Lösungen aufzuzeigen, wie sich das nötige Einkommen auch ohne den Einsatz ihrer Kinder erwirtschaften lässt. Exemplarisch für diesen Ansatz nennt Patrick Reinert ein kofinanziertes Entwicklungsprojekt zur Sicherung der Lebensgrundlagen von Kindern und ihren Familien in Sambia. Dieses Ziel wurde insbesondere durch Umweltaufklärung, Wassergewinnung und geeignete landwirtschaftliche Anbautechniken erreicht. Indem man weiterhin die Mütter durch Selbsthilfegruppen förderte, wurde deren Stellung innerhalb der Familien gestärkt, sodass sie sich schützend für ihre Kinder einsetzen können. „Es ist wichtig, Strategien zu finden, um die Not der Erwachsenen zu lindern, damit diese die Rechte der Kinder achten“, so Patrick Reinert.

Anregung zum Umdenken

Oft gilt es auf diesem Weg, Aufklärungsarbeit zu leisten und Leid bringende Traditionen in Frage zu stellen. Bei einem weiteren Projekt in Sambia steht daher der Schutz von Mädchen vor Frühverheiratung und Missbrauch im Mittelpunkt. Mädchen, die ungewollt schwanger geworden, Opfer von Frühverheiratung oder Missbrauch geworden sind, erhalten Hilfe bei der Reintegration – durch Life-Skills-Trainings, die Vermittlung von staatlichen Hilfen oder direkte wirtschaftliche Unterstützung. Um jedoch möglichst viele Mädchen vor diesem Schicksal zu bewahren, leistet man Aufklärung und stärkt neben den Rechten der Kinder auch die der Frauen. Für Nachhaltigkeit der Veränderung sorgt die Organisation durch die Zusammenarbeit mit nationalen Behörden, einheimischen Stammesführern und Schulen. Den nötigen Zugang zur sozialen Gemeinschaft schaffen wiederum Partner vor Ort, die Kultur und Sprache des Landes kennen. „Unserer Partnerorganisation ist es inzwischen sogar gelungen, in politischen Gremien vertreten zu sein und Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung hinsichtlich der Frühverheiratung nehmen zu können“, bemerkt Patrick Reinert erfreut.

Lernen kann Spaß machen: In der „Damme-Schule“ werden Flüchtlingskinder auf das libanesische Schulsystem vorbereitet.
Lernen kann Spaß machen: In der „Damme-Schule“ werden Flüchtlingskinder auf das libanesische Schulsystem vorbereitet.
Foto: Ulrich Gernhardt

Mit ähnlichen Strategien setzt sich die Kindernothilfe Luxembourg für Aidswaisen in Malawi und syrische Flüchtlingskinder im Libanon ein. Zum Modellprojekt könnte der dort gelungene Aufbau der „Damme-Schule“ werden, die den vielfach traumatisierten syrischen Flüchtlingskindern den Eintritt in das libanesische Schulsystem erleichtert.

Um das Verständnis für die Lage der notleidenden Kinder im entfernten Ausland zu stärken und einen konkreten Bezug herzustellen, betreibt die ONG Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit an Luxemburger Schulen und in der Öffentlichkeit. 


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