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Taktisches Coming Out und Aus für "House of Cards"
Panorama 2 Min. 31.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Wirbel um Kevin Spacey

Taktisches Coming Out und Aus für "House of Cards"

Kevin Spacey hat sein Coming Out anscheinend genutzt, um von schweren Vorwürfen gegen sich abzulenken.
Wirbel um Kevin Spacey

Taktisches Coming Out und Aus für "House of Cards"

Kevin Spacey hat sein Coming Out anscheinend genutzt, um von schweren Vorwürfen gegen sich abzulenken.
Foto: AFP
Panorama 2 Min. 31.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Wirbel um Kevin Spacey

Taktisches Coming Out und Aus für "House of Cards"

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Jahrelang behielt Kevin Spacey seine sexuelle Haltung lieber für sich. Nun outet der Schauspieler sich als schwul - nach Vorwürfen eines sexuellen Übergriffs auf einen 14-Jährigen. Kurz darauf verkündet "Netflix" das Ende von "House of Cards". Taktik?

(dpa) - Eigentlich ist ein Coming Out ein Befreiungsschlag. Wer sich erstmals als schwul oder lesbisch, als Transgender oder queer zu erkennen gibt, will sich wegen seiner sexuellen Vorlieben oder seiner Geschlechterrolle nicht mehr länger verstecken müssen. Entsprechend gelobt und gefeiert werden deshalb vor allem Prominente, die sich nicht nur gegenüber Freunden und Familie outen, sondern in aller Öffentlichkeit. Aber als Schauspieler Kevin Spacey sich am Montag outete, wetterte ihm Kritik entgegen. Was war geschehen?

Angefangen hatte alles mit Vorwürfen von Schauspielerkollege Anthony Rapp, bekannt etwa aus „A Beautiful Mind“ und „Star Trek: Discovery“. Der hatte den „House of Cards“-Darsteller beschuldigt, ihn 1986 nach einer Party in seinem Apartment in New York auf sein Bett gelegt zu haben und auf ihn gestiegen zu sein. Es war der Vorwurf eines sexuellen Übergriffs, wie ihnen derzeit auch Filmproduzent Harvey Weinstein ausgesetzt ist, dazu aber noch auf einen Minderjährigen. Rapp sei damals nur 14, Spacey dagegen 26 Jahre alt gewesen, sagte Rapp der Website „Buzzfeed“.

Das Coming Out als Ablenkungsmanöver

Dass Spacey den mutmaßlichen Übergriff zwar als „zutiefst unangemessenes“, aber auch als „betrunkenes Verhalten“ einstufte, machte die Sache nicht besser - ebenso die Tatsache, dass er sich an den Vorfall eigener Aussage zufolge überhaupt nicht mehr erinnern kann. Aber dass der 58-jährige Oscarpreisträger ausgerechnet diesen Moment nutzte, um sich als schwul zu outen, brachte das Fass für einige zum Überlaufen. Kritikern zufolge wirkte es wie eine gezielte Taktik, um vom eigentlichen Thema abzulenken.

War es also ein Akt der Verzweiflung oder gar die desaströse Entscheidung von Spaceys Management, Sprechern oder PR-Beratern? Wollte Spacey die Deutungshoheit über die Geschichte an sich ziehen und davon ablenken, dass er mutmaßlich Sex mit einem 14-Jährigen haben wollte? Oder „ermutigte“ ihn der Vorwurf schlicht dazu, auch „andere Dinge über sein Leben anzusprechen“, wie er selbst schrieb?

Selbst wenn ein Coming Out viel Mut erfordert und manche Menschen ihre sexuelle Haltung teils ein Leben lang für sich behalten: Für einen so beliebten, mächtigen und wohlhabenden Schauspieler wie Spacey wäre es sicher machbar gewesen, sich früher zu erkennen zu geben. In einem Interview im Jahr 2000 hatte er noch bestritten, schwul zu sein. 

Netflix kündigt Ende von "House of Cards" an

Für weitere Diskussionen sorgte dann am Montagabend die Entscheidung des Streamingdienstes "Netflix", preisgekrönte Dramaserie „House of Cards“, in der Spacey die Hauptrolle des fiktiven US-Präsidenten Frank Underwood spielt, nach der sechsten Staffel zu beenden. Diese Entscheidung sei aber schon vor Monaten gefallen, berichtete die „New York Times“ am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf eine "Netflix"-Sprecherin. 

Netflix und die „House of Cards“-Produktionsfirma Media Rights Capital erklärten laut „New York Times“, sie seien „zutiefst beunruhigt“ von den Nachrichten über Spacey. Vertreter beider Unternehmen hätten in Baltimore die Crew und die Schauspieler der Serie getroffen, um ihnen Unterstützung zuzusichern: „Wie vorher geplant, arbeitet Kevin Spacey derzeit nicht am Set.“


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