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Winterklima 2018: Einfach zu warm
 Wenig Schnee und höhere Temperaturen: Der aktuelle Winter ist im Vergleich zu den Vorjahren wesentlich milder.

Winterklima 2018: Einfach zu warm

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Wenig Schnee und höhere Temperaturen: Der aktuelle Winter ist im Vergleich zu den Vorjahren wesentlich milder.
Panorama 3 Min. 06.02.2018

Winterklima 2018: Einfach zu warm

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Dieser Winter scheint besonders mild und feucht zu sein. Ein Meteorologe klärt auf, inwieweit dies Probleme bereitet.

Interview: Birgit Pfaus-Ravida

Viel Regen und oftmals Temperaturen über 0 Grad Celsius: Dieser Winter scheint besonders mild und feucht zu sein. Ist das wirklich so? Und welche Auswirkungen hat dies? Fragen, die Meteorologe Andrew Ferrone von der Administration des services techniques de l'agriculture (ASTA) beantworten kann.

Herr Ferrone, ist dieser Winter anders als die vorherigen?

Eine Auswertung von vier ASTA-Stationen aus unserem Netz von 30 Stationen hat ergeben, dass die ersten beiden Monate dieses Winters im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 um 1,7 bis 2,5 Grad Celsius zu mild waren. Im Norden des Landes, in Asselborn, war der Winter bisher um 1,7 Grad wärmer als in der Referenzperiode. Im Südwesten des Landes, in Clemency, waren es 2,3 Grad, im Moseltal waren es 2,2 Grad in Grevenmacher und 2,5 Grad in Remich.

Und wie sieht die Gesamtentwicklung aus? Werden die Winter wirklich immer milder?

Ja. Um die langjährige Entwicklung der Temperaturen zu analysieren, schlägt die Weltorganisation für Meteorologie den Vergleich von 30-jährigen Perioden vor. Ein Vergleich der Mitteltemperatur der letzten 30 komplett vorliegenden Winter – 1988 bis 2017 – zeigt: Sie sind um rund ein halbes Grad wärmer als die Vergleichsperiode 1981 bis 2010. In nur sieben Jahren wurden die Winter in Luxemburg also deutlich milder. Auch ein Vergleich mit langjährigen Temperaturreihen bis in die 1950er-Jahre zurück zeigt den Anstieg der Temperaturen – und zwar in allen Jahreszeiten.

Welche Auswirkungen hat dies auf Flora und Fauna?

Der Einfluss zeigt sich besonders in der Verlängerung der Vegetationsperiode. Zu diesem Zweck wurde die meteorologische Vegetationsperiode ausgewertet, die anfängt, wenn die Tagesmitteltemperaturen an fünf aneinanderfolgenden Tagen fünf Grad überschreiten. Das Ende ist erreicht, wenn die Tagesmitteltemperaturen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen wieder unter fünf Grad liegen. Im aktuellen Klima – von 1981 bis 2010 – liegt die Länge der Vegetationsperiode in Luxemburg bei um die 250 Tage. Eine Verlängerung der Vegetationsperiode um sechs Tage pro Dekade wird für die Zukunft erwartet und erklärt sich vor allem durch einen früheren Beginn der Periode. Diese Verschiebung im Frühjahr kann das Risiko von Spätfrostschäden in dieser Jahreszeit erhöhen. Die Schäden wirken sich insbesondere negativ auf den Obstanbau aus, da die Blüten anfällig für Spätfrost sind.

ASTA-Meteorologe Andrew Ferrone.
ASTA-Meteorologe Andrew Ferrone.
FOTO: BIT.LY/IISDCLIMATE

Mit welchen Problemen haben die Landwirte noch zu kämpfen?

Die Struktur der landwirtschaftlichen Böden profitiert vom Bodenfrost, der zur Entstehung von Frostgare führt: Wenn Frost in den Boden eindringt, gefriert die Feuchtigkeit. Da Eis ein größeres Volumen als Wasser hat, werden größere Erdklumpen auseinandergesprengt – der Boden wird feinkrumiger, vorher verdichtete Stellen werden durchlässiger. Auch eine oberflächliche Schlammkruste, die sich bei lehmigen Böden nach langen Regenfällen bildet, wird durch den Frost aufgebrochen. Dadurch lassen sich die Felder im Frühjahr gut bearbeiten. Bei Winterkulturen und im Grünland kann das gleiche Phänomen aber auch Schäden an den Wurzeln mit sich bringen. Dieser Prozess wird durch die steigenden Temperaturen abgeschwächt. Die steigenden Temperaturen, die trotzdem noch in den Bereich unter null Grad Celsius fallen, führen im Zusammenspiel mit viel Feuchtigkeit außerdem momentan dazu, dass es für einige Schädlinge schwieriger wird zu überwintern als wenn trockene und kältere Witterungsverhältnisse vorherrschen.

Ist die Temperaturentwicklung also hierzulande nicht unbedingt schlecht für die Landwirtschaft, weil dadurch die Schädlinge absterben?

Der spezifische Aspekt, den wir hier hervorgehoben haben, ist effektiv ein Vorteil für die Landwirtschaft. Man muss allerdings auch berücksichtigen, dass durch die höheren Temperaturen über das gesamte Jahr sich Schädlinge, die sonst eher in südlichen Gegenden heimisch sind, auch in Luxemburg entwickeln können. Ebenfalls muss man das Thema in einem größeren Kontext sehen. Vor allem die höheren Temperaturen im Sommer und auch der erwartete Rückgang der Niederschläge im Sommer werden in Zukunft häufiger zu extremer Trockenheit führen, die die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellen wird. Auch wenn es einige kleine Vorteile gibt, erwarten wir, dass der Klimawandel sich insgesamt negativ auf die Landwirtschaft in Luxemburg auswirken wird.

Gibt es dieses Jahr schon beobachtete Wetterauffälligkeiten, welche negative Auswirkungen haben könnten?

Es ist noch zu früh, um einen Einfluss auf die landwirtschaftlichen Erträge vorherzusehen.

Haben auch die Stürme in den Wintermonaten zugenommen?

Winterstürme in Westeuropa werden von natürlichen Zyklen von zwölf bis 15 Jahren im Nordatlantik bestimmt. Dadurch ist es schwierig, den Klimawandel aus der natürlichen Variabilität herauszufiltern. Im Augenblick kann man also noch keine klare Verbindung zwischen Klimawandel und Winterstürmen erstellen. 


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