Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wie das Leben mit links funktioniert
Panorama 2 4 Min. 16.05.2022
Linkshänder

Wie das Leben mit links funktioniert

Wenn unklar ist, ob ein Kind Links- oder Rechtshänder ist, sollte das bereits vor der Einschulung getestet werden. Sonst hat es ein Kind mit dominanter linken Hand beim Schreiben oder Basteln etwa mit der Rechtshänderschere unnötig schwer.
Linkshänder

Wie das Leben mit links funktioniert

Wenn unklar ist, ob ein Kind Links- oder Rechtshänder ist, sollte das bereits vor der Einschulung getestet werden. Sonst hat es ein Kind mit dominanter linken Hand beim Schreiben oder Basteln etwa mit der Rechtshänderschere unnötig schwer.
Foto: Zeljko Dangubic/Westend61/dpa-tmn
Panorama 2 4 Min. 16.05.2022
Linkshänder

Wie das Leben mit links funktioniert

Auch wenn Linkshänder für ihre wichtigsten Aufgaben ihre linke Hand benutzen, müssen sie doch in vielen Bereichen mit einer rechtshändigen Welt zurechtkommen. Eine Bestandsaufnahme.

(dpa/tmn) - Mit links schreiben ist nicht weiter ungewöhnlich. Trotzdem gibt es für Linkshänder Hürden. Welche es gibt und worauf Eltern achten sollten – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie entsteht Linkshändigkeit?

Eine Antwort sucht die Wissenschaft noch. Vermutlich gibt es mehrere Faktoren dafür, dass bei Linkshändern die rechte Gehirnhälfte und damit die linke Hand dominiert. Dass Kinder linkshändiger Eltern häufiger die linke Hand bevorzugen, deutet auf eine genetische Komponente hin.

Auch andere Einflüsse spielen wohl eine Rolle. Ob die rechte oder linke Hand dominiert, wird bereits im Mutterleib bei der Ausbildung des Rückenmarks angelegt, fanden Forscher der Ruhr-Universität Bochum heraus. Schon ab der 13. Schwangerschaftswoche nuckeln Embryos bevorzugt am rechten oder am linken Daumen.

Wie erkennt man Linkshändigkeit und was sollten Eltern beachten?

Ob links oder rechts zeigt sich bei einigen Kindern früh – und bleibt bei anderen lange unklar. Aufmerksam hinzuschauen, aber die Händigkeit vor dem Kind nicht zu thematisieren, „damit man es nicht in seinem Verhalten beeinflusst“, rät Johanna Barbara Sattler, die 1985 in München die erste Beratungsstelle für Linkshänder in Deutschland gründete.

Mit welcher Hand Stift oder Löffel gehalten werde, sei nur bedingt aussagekräftig: „Kinder passen sich oft unbewusst an eine rechtshändige Umgebung an“, sagt Sattler. Manch kleiner Linkshänder schult sich unbewusst zum Rechtshänder um, um nicht aufzufallen.

Achten sollte man eher auf spontane Bewegungen: Mit welcher Hand deutet das Kind auf Gegenstände, wie kratzt es sich an der Nase? Und beim Essen gehört der Löffel nicht rechts neben den Teller, sondern in die Mitte in den Teller, damit das Kind spontan mit der bevorzugten Hand zugreifen kann.

Bleibt dennoch unklar, ob das Kind Links- oder Rechtshänder ist, rät Sattler zur professionellen Testung, noch deutlich vor der Einschulung: Denn wer als Linkshänder am Basteltisch mit Rechtshänder-Schere umgehen muss, hat es unnötig schwer. Und wer schon weiß, dass das Blatt schräg liegen muss, damit die Tinte nicht verwischt, dem fallen Schwungübungen in der ersten Klasse leichter.

Sind Linkshänder-Produkte sinnvoll?

Die Welt ist auf Rechtshänder ausgerichtet. Küchengeräte, Werkzeuge, Maschinen werden so designt, dass Rechtshänder sie gut bedienen können und die Finger automatisch in die Griffmulden finden. Für Linkshänder funktioniert das nicht. Bei ihnen muss die Hand einen Umweg nehmen oder sie müssen doch mit rechts agieren. „Doch wenn man die Dinge nicht mit seiner leistungsfähigeren Hand machen kann, wirkt man langsamer und ungeschickter, die eine Gehirnhälfte ist unter-, die andere überfordert“, sagt Sattler.

Für Linkshänder gibt es spezielle Stifte.
Für Linkshänder gibt es spezielle Stifte.
Foto: Daniel Reinhardt/dpa/dpa-tmn

Dass es mittlerweile eine ganze Reihe von Gerätschaften gibt, mit denen sich das vermeiden lässt, sei Linkshändern oft gar nicht bewusst, sagt Heiko Hilscher vom Online-Shop linkshaender.de, zu dem auch ein Laden für Linkshänder-Produkte in Erfurt gehört. Im Sortiment sind etwa Füller und Scheren, Messer und Dosenöffner, Computermäuse und Tastaturen. Doch manche Dinge sucht man vergeblich, beispielsweise Fotoapparate mit dem Auslöser auf der linken Seite.

Sport, Musikinstrumente – wie sieht es in der Freizeit aus?

Linkshänder zu sein, hat in Sportarten Vorteile, wo man sich Duelle mit direkten Gegnern liefern muss, fanden Wissenschaftler der Uni Kassel heraus. Beim Tischtennis, Fechten oder Tennis seien sie überdurchschnittlich erfolgreich. Grundsätzlich gelte: Werfen oder den Schläger schwingen sollte man mit der Hand, mit der es am besten geht – und kicken mit dem stärkeren Fuß, sagt Johanna Barbara Sattler. Bei Linkshändern ist auch das der linke.


Zum 75. von Jimi Hendrix: Der beste Gitarrist aller Zeiten
Die meisten Ranglisten der besten Rockgitarristen führen ihn auf Platz eins. Einige wenige Jahre bis zu seinem Drogentod reichten Jimi Hendrix, um zur Legende zu werden. Ende November wäre er 75 geworden.

Zur Herausforderung kann der Musikunterricht werden: „Instrumente sind für Rechtshänder ausgelegt“, sagt Andrea Arnoldussen, Musikpädagogin, Linkshänderberaterin und selbst Linkshänderin. Auch wenn auf den ersten Blick beide Hände gleichwertig auf dem Instrument agieren, sei es ein Unterschied, welche Hand die dominierende ist, erläutert sie.

Bei der Querflöte werden mit der rechten Hand nicht nur Klappen geschlossen, sondern sie stabilisiert auch das Instrument: „Linkshändern fällt das schwerer, linkshändige Kinder halten ihre Flöte spontan andersherum.“ Und auf dem Klavier ist die Melodiestimme in der Regel für die rechte Hand geschrieben, bei Linkshändern wäre dafür eigentlich die linke Hand die geeignetere.

Für einige Instrumente gibt es Linkshänder-Modelle, etwa für Blockflöten, Querflöten und Gitarren. Streichinstrumente können vom Geigenbauer so umgebaut werden, dass die linke Hand den Bogen führt und die rechte Hand greift. „Gerade am Anfang ist es wichtig, dass Musikschüler ausprobieren dürfen, wie sie ein Instrument intuitiv halten wollen und wie sie sich am wohlsten fühlen“, sagt Arnoldussen.

Zum Rechtshänder umgeschult – sollte man das rückgängig machen?

Bis in die 90er-Jahre wurden in Deutschland und anderen Ländern Kinder in der Schule von links auf rechts umgeschult. Über Jahrzehnte eingeübte Bewegungen rückgängig zu machen und der dominanten Hand zu ihrem Recht zu verhelfen, ist möglich, aber nicht immer sinnvoll. „Auch die Rückschulung kann zu Belastungsprozessen führen“, so Sattler. Eine Rückschulung dauere etwa zwei Jahre – oft müsse Sattler den Enthusiasmus bremsen: „Viele wollen gleich mit links schreiben, doch das funktioniert in der Regel nicht.“ 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Vorstellung, im Alter schusselig, orientierungslos oder gar dement zu werden, ist für die meisten Menschen schrecklich. Wer möglichst lange rege im Kopf bleiben will, kann selbst etwas dafür tun. Sieben Tipps für die geistige Fitness.
Zum Themendienst-Bericht von Elena Zelle vom 21. Juli 2016: Am besten trainieren Gespräche und gemeinsame Aktivitäten das Gehirn. Deswegen ist ein gutes soziales Umfeld besonders wichtig, um geistig rege zu bleiben.  
(ACHTUNG - Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des nachfolgenden Credits.) Foto: Rainer Berg/Westend61/dpa-tmn
Welttag der Linkshänder
Am 13. August feiern wir den Internationalen Tag der Linkshänder. Mit welcher Hand ein Mensch heutzutage schreibt und feinmotorische Bewegungen ausführt, ist in unseren Breitengraden vollkommen egal – doch das war nicht immer so.
Einrichtung fürs Homeoffice
Viele haben ein Arbeitszimmer, mindestens aber einen Schreibtisch zu Hause. Wie auch im eigentlichen Büro belasten falsch eingestellte Möbel den Rücken und die Augen. Ein paar Tipps für die Möblierung.
Ein weißer Schreibtisch im Arbeitszimmer schont die Augen beim Arbeiten.
Internationaler Tag der Linkshänder
Ob Schere oder Computermaus – wer etwas "mit links" machen möchte, hat in einer Welt der Rechtshänder oft Probleme. Zudem haben Linkshänder – wie ein Luxemburger erzählt – oft mit einer rechten Flut von Vorurteilen zu kämpfen.