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Wenn das Steak zur Gefahr wird
Der Genuss von Fleisch kann bei Allergikern zu einer kritischen Reaktion führen.

Wenn das Steak zur Gefahr wird

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Der Genuss von Fleisch kann bei Allergikern zu einer kritischen Reaktion führen.
Panorama 2 Min. 06.12.2018

Wenn das Steak zur Gefahr wird

Zeckenbisse können eine Reaktion im Körper auslösen, nach der Infizierte kein Fleisch mehr vertragen. Luxemburger Forscher haben den Nachweis einer solchen Allergie nun vereinfacht.

Der Biss in ein saftiges Steak vom Grill – nicht nur für Vegetarier eine Horrorvorstellung: 2009 haben US-amerikanische Wissenschaftler festgestellt, dass Menschen gegen Fleisch von Säugetieren eine Allergie entwickeln können. Insbesondere, wenn sie zuvor von einer Zecke gebissen wurden und darauf starke Entzündungsreaktionen zeigten. Symptome wie Hautrötungen, Atemnot oder gar allergische Schockzustände sind dann mögliche Folgen von Fleischverzehr.

Verzögerte Reaktion

Unmittelbarer Auslöser für diese seltenen, als alpha-Gal-Syndrom bezeichneten Reaktionen ist ein spezieller Zuckerstoff, die Galaktose-alpha-1,3-Galaktose, kurz alpha-Gal. Alpha-Gal sitzt auf der Oberfläche von Zellen von Säugetieren wie Rind, Schwein, Lamm oder Wild. Menschliche Zellen besitzen den Zuckerstoff hingegen nicht. Gelangt alpha-Gal nach einer Fleischmahlzeit ins Blut, kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Allerdings nicht – wie beispielsweise bei Apfel-Allergikern – sofort beim Kauen der Nahrung, sondern meist mit einer Zeitverzögerung von zwei bis sechs Stunden. Deshalb sind die Allergie-Symptome nicht immer leicht mit dem Fleischverzehr in Verbindung zu bringen.

Bluttest entwickelt

Das Team von Wissenschaftlern und Klinikern aus Luxemburg und Deutschland hat nun einen Test weiterentwickelt, mit dem das alpha-Gal-Syndrom deutlich besser als bisher diagnostiziert werden kann. Durch den Nachweis von speziellen Antikörpern gegen alpha-Gal kann man zwar eine sogenannte Sensibilisierung auf alpha-Gal zeigen; das tatsächliche Risiko einer allergischen Reaktion konnte so allerdings bisher nicht erfasst werden. „Bislang musste ein Provokationstest durchgeführt werden: Die Betroffenen aßen unter ärztlicher Überwachung Fleisch in immer größeren Mengen, bis es zur allergischen Reaktion kam“, sagt die am Projekt federführend beteiligte Wissenschaftlerin Christiane Hilger vom Luxembourg Institute of Health: (LIH). „Wegen der Zeitverzögerung war der Test sehr aufwendig und nicht ohne Risiken.“

Für ihre Arbeit analysierten die Forscher das Verhalten einer bestimmten Art menschlicher Immunzellen, der Basophilen. Denn diese reagieren stark auf verschiedene Allergene, auch auf den Zuckerstoff alpha-Gal, wenn eine Allergie vorliegt. Die Wissenschaftler haben deshalb einen Test weiterentwickelt, welcher unter anderem das Allergen alpha-Gal und bestimmte fluoreszierende Marker enthält. Letztere sind bei Allergen-Stimulation der weißen Blutkörperchen (Basophilen-Aktivierungstest) verstärkt nachweisbar, wie Hilger erläutert: „Dem Patienten wird eine Blutprobe entnommen, die mit den Substanzen des Test-Kits in Kontakt gebracht wird. Anschließend werden die Basophilen in einer sogenannten Durchfluss-Zytometrie untersucht. Haben sie stark auf das alpha-Gal reagiert, leuchten sie im Untersuchungsgerät wegen der fluoreszierenden Marker deutlich auf. Bei Probanden, die keine allergische Reaktion zeigen, finden wir hingegen kein oder ein deutlich schwächeres Fluoreszenz-Signal.“ So habe man bei der Studie an 50 Probanden deutlich die Personen erkennen können, die eine Fleisch-Allergie entwickelt und ein hohes Risiko einer allergischen Reaktion bei Fleischverzehr haben. „Der Test wird dazu beitragen, dass die Zahl der Provokationstests deutlich reduziert werden kann“, so Hilger.

Weitere Forschung

Für die Wissenschaftler ist die Arbeit damit aber noch nicht zu Ende: In einem weiterführenden Projekt der Kollaboration will man nun erforschen, welche Substanzen im Speichel der Zecken die genannte Reaktion auslösen und was im Immunsystem dabei genau geschieht. Finanziert wird die Arbeit durch Mittel des Fonds National de la Recherche (FNR) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des CORE-Förderinstruments C.


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