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Barbecue, Gurken und importierte Tannen
Panorama 6 Min. 24.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Weihnachten in aller Welt

Barbecue, Gurken und importierte Tannen

Je nachdem wo gefeiert wird, muss der passende Baum erst importiert werden.
Weihnachten in aller Welt

Barbecue, Gurken und importierte Tannen

Je nachdem wo gefeiert wird, muss der passende Baum erst importiert werden.
Foto: Shutterstock
Panorama 6 Min. 24.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Weihnachten in aller Welt

Barbecue, Gurken und importierte Tannen

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Andere Länder, andere Sitten – dieses Sprichwort bewahrheitet sich vor allem in der besinnlichen Weihnachtszeit. Wir entführen Sie auf eine festliche und spaßige Reise rund um den Globus.

(dpa/mij) - Foie gras, ein Truthahn, die Bûche de Noël und natürlich ein Glas Crémant – in vielen luxemburgischen Haushalten spielt sich an Weihnachten alljährlich das Gleiche ab. Aber wie feiern eigentlich die Australier bei 30 Grad im Schatten? Und was machen die Grönländer, wenn sie einen Weihnachtsbaum aufstellen wollen? Wir haben uns mal umgehört:

Australien

In Australien beginnt vor Weihnachten die heißeste Jahreszeit. Statt Kamin und Kerzenschein sind Beach, Barbecue und Bier angesagt. Auch der Truthahn darf nicht fehlen. Es gibt sogar eigens Rezepte, wie das Tier samt Füllung auf dem Grill zubereitet werden kann. Der Trick: Der Grill braucht einen Deckel. Der Puter braucht auch gegrillt drei Stunden, bis er gar ist. Dazu wird natürlich reichlich getrunken: Laut einer Studie steigt der Alkoholkonsum auf das Dreifache zu dieser Zeit.

Grönland

Für die Grönländer ist es an Weihnachten besonders wichtig, möglichst viele Lichterketten und leuchtende Sterne an den Häusern und in den Straßen anzubringen. Denn schließlich lässt sich die Sonne den ganzen Tag nicht blicken. Wenn das Nordlicht nicht für die richtige Stimmung sorgt, muss man eben mit elektrischem Licht nachhelfen. An den Weihnachtsbäumen – die alle importiert werden müssen – werden die Kerzen bereits am 1. Advent angezündet und leuchten bis zum 6. Januar.

Die Kinder ziehen an Heiligabend von Haus zu Haus und singen, wofür sie dann mit Weihnachtsgebäck belohnt werden. Die Geschenke dürfen viele schon am Morgen des 24. Dezember aufmachen.

Griechenland

In Griechenland steht neben der Krippe manchmal kein Weihnachtsbaum, sondern ein mit einer Lichterkette geschmücktes kleines Boot. Grund: Griechenland ist bis heute eine Seefahrernation. Mehr als 200 000 Menschen arbeiten zurzeit in der Handelsschifffahrt und viele von ihnen verbringen Weihnachten auf einer Fähre, einem Frachtschiff oder einem Tanker. Das geschmückte Schiff steht daher symbolisch für das fehlende Familienmitglied, das nicht mitfeiern kann.

Der Brauch war bis in die 1950er-Jahre auch überall auf dem Festland verbreitet. Wegen der engen Verbindung zu Westeuropa ließ die Tradition aber allmählich nach – und der Weihnachtsbaum ersetzte das Lichterkettenboot. Doch manche Geschäfte in Athen setzen den Brauch bis heute fort.

Hawaii

Auch im US-Bundesstaat Hawaii gehört der Weihnachtsbaum zum Fest dazu. Die Bäume werden traditionell mit „Weihnachtsbaum-Schiffen“ von der US-Westküste in gekühlten Frachtcontainern auf die tropischen Pazifikinseln geliefert. „Die klassische Edeltanne ist unser Bestseller“, erzählt der gebürtige Hawaiianer Richard Tajiri.

In dieser Saison importiert er 5 000 Bäume aus den Staaten Oregon und Washington. In dem für Palmenstrände und Ananasplantagen berühmten US-Staat werden jedes Jahr rund 200 000 Weihnachtsbäume verkauft, schätzt die Landwirtschaftsbehörde, 96 Prozent kommen per Schiff. Die heimische Alternative ist eine Norfolk-Tanne aus der Gattung der Araukarien. „Nicht so hübsch“, meint 
Tajiris Frau und Geschäftspartnerin Paula. Die Zweige hätten weniger Nadeln und es fehle der aromatische Tannenduft.

Litauen

Im am spätesten christianisierten Land Europas wird traditionell katholisch-heidnisch gefeiert. Der Heilige Abend ist dabei der Familie vorbehalten. Nach dem Schmücken des Christbaums wird unter dem weißen Leinentischtuch Stroh versteckt, aus dem jeder Anwesende später einen Halm hervorzieht: ist er kurz oder dünn, droht ein schwieriges Jahr, lange und dicke Halme hingegen lassen auf ein gutes hoffen.

Rund um den Tisch werden zwölf verschiedene Speisen aufgedeckt – je nach Deutung stehen sie für einen Monat oder für einen der Apostel. Zumeist gibt es Fisch, Gemüse, Gebäck aus einem süßen Teig mit Mohnsamen und eine für Litauen typische Mohnmilchsuppe. Fleisch und Alkohol sind an Heiligabend verboten.

Begonnen mit dem Essen wird erst, wenn der Abendstern am Himmel zu sehen ist. Dazu wird vorab ein gesegneter Gotteskuchen herumgereicht. Nach dem Festmahl wird die Tafel nicht abgeräumt, damit sich auch die Seelen der Verstorbenen laben können. Zudem bleibt ein gedeckter Platz immer frei. 

Mexiko

Mit den sogenannten Posadas erinnern die Mexikaner in den Tagen vor Weihnachten an die Herbergssuche von Maria und Josef. Singend und mit Kerzen in den Händen ziehen sie in der Nachbarschaft von Haus zu Haus und bitten um Obdach. Nach einem festen Ritual zeigen sich die Bewohner zunächst hartherzig und schicken die Heilige Familie fort, öffnen später aber doch die Türen und bieten den Gästen Speis und Trank an. Oft gibt es Tamales – in Bananenblättern gedämpfte Maismasse mit Hühnchen, Schwein und der süß-scharfen Soße Mole – sowie Punsch.

Die Tradition der Posadas geht auf spanische Augustinermönche zurück. Bei der Missionierung der Indios nahmen sie die Riten der Azteken auf und gaben ihnen eine christliche Bedeutung. So feierten die Azteken Anfang Dezember die Ankunft des Kriegsgottes Huitzilopochtli. Die Augustiner verbanden die traditionellen Feiern schließlich mit der biblischen Weihnachtsgeschichte.

Neuseeland

Weiße Weihnachten und Sonne satt: In der neuseeländischen Forschungsstation Scott Base in der Antarktis feiern rund 60 Menschen aus aller Welt das Weihnachtsfest. Es gibt einen Weihnachtsbaum und Truthahnbraten, wie Josie Debenham berichtet. Die 34-jährige Neuseeländerin arbeitet als Servicekraft. „Als Dessert verwöhnen uns die Köche mit neuseeländischen Weihnachtsleckereien wie Erdbeeren, Kirschen, Baiserkuchen und Weihnachts-Pudding.“ Bei „Secret Santa“, dem Weihnachtswichteln, ist Kreativität gefragt, denn Läden gibt es hier nicht.

Die Station liegt auf der Ross-Insel, etwa 1  350 Kilometer vom Südpol entfernt, die Wissenschaftler studieren hier das Antarktis-Eis und Pinguine. Weihnachten fällt in den antarktischen Sommer – die Temperaturen liegen daher bei vergleichsweise milden 4 Grad unter Null. Da Weihnachten auf der Südhalbkugel nur wenige Tage nach der Sommersonnenwende gefeiert wird, geht hier die Sonne daher nicht unter.

Russland

Wenn die Menschen in Luxemburg Weihnachten feiern, ist in Russland weiter Warten angesagt: Bei meistens viel Schnee und eisiger Kälte feiern die Kinder im größten Land der Erde später ein Jolka-Fest. Es ist nach der Jolka, dem Tannenbaum, benannt. Väterchen Frost – der russische Weihnachtsmann – bringt erst zum Jahreswechsel Geschenke. Ein Mädchen begleitet ihn: „Snegurotschka“ (Schneeflöckchen).

Die fröhliche Feier zum Tannenbaumfest findet in Russland meist am Silvesterabend statt. Kinder sagen dann Gedichte und Geschichten auf oder singen Lieder. Sie machen auch Verwandten kleine Geschenke, zum Beispiel eine Tüte mit Äpfeln und Plätzchen. Bunte Lichterketten erhellen die Straßen. Auf großen Plätzen stehen geschmückte Tannenbäume.

Viele Christen in Russland feiern noch einmal anders. Dazu richtet sich die orthodoxe Kirche nach dem julianischen Kalender, der früher in Russland galt. Die Orthodoxen begehen Weihnachten erst in der Nacht zum 7. Januar mit feierlichen, oft stundenlangen Messen.

Skandinavien

Auch in Dänemark, Schweden und Norwegen gibt es im Dezember Adventskalender mit Schokolade, die einem die Wartezeit bis zum Heiligen Abend versüßen. Typisch skandinavisch aber ist der Adventskalender im Fernsehen. Jeden Abend zeigen die öffentlich-rechtlichen Sender im Kinderprogramm eine Serie in 24 Teilen, in der es irgendwie um das Thema Weihnachten geht.

Im Mittelpunkt der norwegischen Serie „Schneefall“ steht die neunjährige Selma, die eine Tür zu einer anderen Welt findet und dort dem Weihnachtsmann begegnet. Auch in Schweden macht sich ein kleines Mädchen auf die Suche nach dem Weihnachtsmann. In Dänemark gleiten zwei Schwestern in die Märchenwelt und müssen dort an der Seite von Dornröschen, Aschenbrödel und Schneewittchen Abenteuer bestehen.

Adventskalender zu gucken ist in vielen Familien ein festes Ritual. Und natürlich sprechen am nächsten Tag im Kindergarten und in der Schule alle darüber.

USA

Amerikaner lieben schrillen Weihnachtschmuck. An manchen Bäumen gibt es eine Besonderheit, die geradezu bizarr anmutet: An ihnen hängt eine saure Gurke, grün schillernd aus Glas oder Kunststoff hergestellt, genannt „Christmas Pickle“ (Weihnachtsgurke) oder „Good Luck Pickle“ (Glücksgurke). Der Gurkenschmuck wird im Baum etwas versteckt. Wenn Kinder ihn entdecken, winkt ein weiteres Geschenk. Das Besondere: Amerikaner meinen, der Brauch stamme ursprünglich aus Deutschland.


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