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Was Zoobesucher bedenken sollten
Panorama 2 Min. 25.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Artenschutz und Gefangenschaft

Was Zoobesucher bedenken sollten

Eisbären haben im Zoogehege häufig nicht genug Platz. In der Wildnis bringen diese Tiere täglich bis zu 50 Kilometer hinter sich.
Artenschutz und Gefangenschaft

Was Zoobesucher bedenken sollten

Eisbären haben im Zoogehege häufig nicht genug Platz. In der Wildnis bringen diese Tiere täglich bis zu 50 Kilometer hinter sich.
Foto: dpa
Panorama 2 Min. 25.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Artenschutz und Gefangenschaft

Was Zoobesucher bedenken sollten

Die Haltung wilder Tiere im Zoo wird oft moniert, die Gehege seien oft zu klein und nicht artgerecht eingerichtet. Außerdem würden sich die Tiere langweilen. Soll man Zoobesuche deswegen streichen?


(dpa) - Sie sind beliebte Ausflugsziele - aber auch das Ziel der Proteste von Tierschützern. Die Meinung der radikalsten Zoogegner: Zoos gehören abgeschafft. Denn wilde Tiere dürften nicht in Gefangenschaft gehalten werden, in den Zoos würden sie zum Schauobjekt degradiert. Der Verband deutscher Zoodirektoren hält dagegen: Die Wildbahn sei auch nicht gleichbedeutend mit Freiheit. 

„Wenn Tiere vernünftig gehalten werden, fühlen sie sich nicht eingesperrt, sondern als Territoriumsbesitzer“, sagt der Direktor des Zoos in Frankfurt, Prof. Manfred Niekisch. Dass in allen deutschen Zoos die Tiere vernünftig gehalten werden, behauptet er jedoch auch nicht. Zumal der Begriff Zoo weit gefasst ist. So darf sich in Deutschland fast jede Einrichtung nennen, die Wildtiere präsentiert.

Probleme mit artgerechter Haltung

Nicht nur radikale Tierschützer kritisieren Zoos, auch weniger vehemente Verbände haben an der dortigen Tierhaltung einiges auszusetzen. So lehnt etwa der Deutsche Tierschutzbund die Haltung von wilden Tieren in solchen Anlagen zwar nicht generell ab. Aber es gebe Tiere, die dort einfach nicht artgerecht leben könnten, sagt Pressesprecher Marius Tünte. Dazu gehörten Eisbären oder Delfine.

Delfinarien sind ein Zuschauermagent. Eine artgerechte Haltung ist in den Becken aber oft aber nicht möglich, weshalb sich Tierschützer dagegen aussprechen.
Delfinarien sind ein Zuschauermagent. Eine artgerechte Haltung ist in den Becken aber oft aber nicht möglich, weshalb sich Tierschützer dagegen aussprechen.
Foto: dpa

„Selbst die größten Außengehege schränken den natürlichen Bewegungsdrang der Tiere extrem ein“, sagt Tünte über die Haltung der wanderfreudigen Eisbären. Delfine legen ebenfalls täglich viele Kilometer zurück. Umweltschützer sehen das ähnlich: „Delfinarien sind nur Schwimmbecken. Die Tiere sind dort sehr eingeengt, das ist keine artgerechte Haltung“, kritisiert Roland Gramling vom WWF in Berlin.

Mögliche Auswirkungen mangelhafter Haltung kann jeder Laie erkennen, denn sie kann zu Verhaltensstörungen führen. Dazu gehören Stereotypen, also etwa das ständige Hin- und Herlaufen. Manche Tiere putzen und kratzen sich übermäßig, sie lecken Stangen ab, verstümmeln sich selbst oder spielen mit den eigenen Exkrementen. 

Doch generell hat sich in den Zoos schon viel getan, um die Haltung der Tiere zu verbessern. Käfige und Anlagen, wie sie noch vor einigen Jahrzehnten gebaut wurden, sind heute nicht mehr denkbar. In modernen Anlagen können sich die Tiere zurückziehen, auch auf ihre sonstigen Bedürfnisse wird Rücksicht genommen.

„Die Tiere sind Botschafter“

Manche Zoos machen keinen Hehl daraus, dass sie bei einigen Tieren große Probleme mit einer guten Haltung haben - und ziehen daraus ihre Konsequenzen. So beherbergt zum Beispiel der Opel-Zoo in Kronberg nun keine Flusspferde in seiner veralteten Anlage mehr.

Mit einem ähnlichen Problem plagt sich der Frankfurter Zoo herum. „Unser Flusspferdehaus aus den 1950er Jahren ist kein Glanzstück. Dort lebt ein einzelnes Flusspferd, das ist nicht gut“, räumt Direktor Prof. Niekisch ein. Das Problem: Das Tier kann nicht gemeinsam mit anderen Flusspferden gehalten werden. Leben Tiere in veralteten Anlagen, gibt es einen Bestandsschutz. Die Tiere dürfen dort bis zu ihrem Tod bleiben, es dürfen aber keine neuen Tiere einziehen.

Dass Zoos auch einen hohen Nutzen haben, sehen auch Tier- und Umweltverbände. Laut WWF verdanken Tierarten wie das Przewalski-Pferd oder das Goldene Löwenäffchen dem Engagement von Zoos ihr Überleben. Seriöse Zoos hätten eine Schlüsselfunktion, die für den Tier- und Umweltschutz nicht zu unterschätzen sei, erklärt Roland Gramling vom WWF: „Die Zootiere sind auch Botschafter. Denn Menschen schützen, was sie kennen und lieben.“



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