Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Was die Fußball-WM für die Gesundheit bedeuten kann
Typische WM-Snacks wie Chips sind nicht gerade gesund.

Was die Fußball-WM für die Gesundheit bedeuten kann

dpa-tmn
Typische WM-Snacks wie Chips sind nicht gerade gesund.
Panorama 3 Min. 14.06.2018

Was die Fußball-WM für die Gesundheit bedeuten kann

Beim Fußballspielen bewegt man sich. Beim Fußballschauen eher weniger. Zusammen mit oft fettigen und kalorienhaltigen Snacks sind die Stunden vor dem Fernseher nicht das Beste für die Gesundheit

(dpa/KNA/SCH) - Dass die Fußball-Weltmeisterschaft bevorsteht, ist in jedem Supermarkt zu erkennen. Viele Lebensmittelverpackungen glänzen in Nationalfarben - überwiegend allerdings die ungesunder Waren. Fußball-Nuggets, Kekse in Trikotform, die Mannschaftspackung Burger oder der Elferpack Bierdosen: Während die Fußballer in Russland einen strengen Ernährungs- und Trainingsplan haben, stehen bei vielen Fans fettige Lebensmittel, Bier und viele Stunden vor dem Fernseher auf dem Programm.Die UEFA hat 2015 eine Grafik veröffentlicht, die zeigt, was die Fußballfans in Europa essen. Ganz vorne mit dabei: Sonnenblumenkerne, Bratwurst in ihren regionalen Variationen, Bier, Chips und Pommes.


Vor dem ersten WM-Spiel am Donnerstag zwischen Russland und Saudi-Arabien steht Robbie Williams im Moskauer Luschniki-Stadion auf der Bühne.
Robbie Williams und Ronaldo eröffnen Fußball-WM
Robbie Williams wird gemeinsam mit der russischen Sopranistin Aida Garifullina am 14. Juni bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2018 in Russland auftreten.

Wissenschaftler und Ärzte zeigen sich besorgt über mögliche Gesundheitsfolgen für WM-Zuschauer. So warnte die Medizinische Universität Wien davor, während der Spiele zu viele zuckerhaltige Getränke zu trinken. „An manchen Tagen finden drei Spiele statt. Da lassen sich mit Schorlen statt Limonaden und puren Säften viele Kalorien sparen“, rät die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Maria Wakolbinger. Sie empfiehlt, Softdrinks und Fruchtsäfte zumindest mit reichlich Wasser zu mischen.

Wer lieber Bier trinken will, steht demnach mit Blick auf die Kalorien nicht besser da: Ein Liter Bier habe mehr als 400 Kalorien - was etwa 20 Prozent des täglichen Bedarfs entspreche. Statt satt zu machen, rege es zudem den Appetit an.

Kritik an Werbedeals mit Coca-Cola und Co.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert derweil den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola. Der Verband bezeichnete es als Skandal, dass der DFB sich in seiner Satzung zur Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung bekenne und sich gleichzeitig von den beiden Konzernen sponsern lasse. „Mit seinem Verhalten trägt der DFB mit dazu bei, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Übergewicht entwickeln, denn ein entscheidender Faktor für Übergewicht ist neben Bewegungsmangel zu fette und zu süße Ernährung“, sagte Verbandssprecher Josef Kahl. Auch die Brauerei Bitburger gehört zu den Premium-Partnern des DFB.


12.6. Wi / Panini Sticker Fussballweltmeisterschaft Foto:Guy Jallay
Rollt der Ball, läuft das Geschäft
Endlich geht's los: Die heiß ersehnte Fußball-Weltmeisterschaft (WM) beginnt. Natürlich sind auch Portugal, Belgien, Deutschland und Frankreich mit von der Partie. Das freut nicht nur die Luxemburger Geschäftswelt.

„McDonald's und Coca-Cola engagieren sich in karitativen Projekten sowie breitensportlichen Initiativen um Aufklärung zum Thema Ernährung und Bewegung“, erklärte der DFB zu der Kritik an seinen Sponsoren. „So ist McDonald’s Förderer des DFB-Fußball-Abzeichens und unterstützt so die Bewegung von Kindern und Jugendlichen.“ Der Genuss eines Hamburgers mit Salat und Orangensaft stelle zudem nach ökotrophologischen Empfehlungen keine Fehlernährung dar.

Auf das richtige Maß kommt es an

„Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es natürlich nicht sinnvoll, dass die ungesunden Snacks als besonders WM-tauglich beworben werden“, sagte Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Letztlich komme es aber während der vier WM-Wochen auf das richtige Maß an. Außerdem sei Essen nicht nur eine Sache der Vernunft, sondern auch ein Erlebnis, verknüpft mit Emotionen. „Viele Menschen sind da auch sehr traditionsbewusst und freuen sich schon lange auf die WM-Bratwurst.“

Auch Notärzte raten Fans zu Vorsichtsmaßnahmen bei der Fußballweltmeisterschaft. "Wichtig ist zum Beispiel, besonders die Spiele mit deutscher Beteiligung nicht allein zu gucken", sagte Jan-Thorsten Gräsner, Experte für Notfallmedizin bei der "Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin" (DGAI), am Mittwoch in Nürnberg.

Herzinfarkt beim Deutschland-Spiel

Eine medizinische Studie habe erwiesen, dass es bei Deutschland-Spielen zu besonders vielen Herzinfarkten und Herzstillständen komme. Dann sei es entscheidend, dass direkt jemand helfen könne. Dann sei das Motto: "Prüfen, rufen, drücken" - Kreislauf prüfen, über den "Notruf 112" Hilfe holen und dann 100-mal pro Minute das Brustbein fünf Zentimeter tief eindrücken.

Die DGAI rate zudem beim "Rudelgucken" dazu, nicht nur Alkohol zu trinken und bei Feieraktivitäten die Rettungswege freizuhalten. "Wir bitten auch eindringlich darum, unsere Fahrzeuge bei Einsätzen in den Städten nicht voller Übermut mit Flaschen zu bewerfen", erklärten die Notärzte.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Rollt der Ball, läuft das Geschäft
Endlich geht's los: Die heiß ersehnte Fußball-Weltmeisterschaft (WM) beginnt. Natürlich sind auch Portugal, Belgien, Deutschland und Frankreich mit von der Partie. Das freut nicht nur die Luxemburger Geschäftswelt.
12.6. Wi / Panini Sticker Fussballweltmeisterschaft Foto:Guy Jallay
WM 2026: Die FLF tendiert zu Marokko
Wer richtet die WM 2026 aus? Die USA, Mexiko und Kanada treten gemeinsam gegen Marokko an. Die FLF wird am Mittwoch aller Voraussicht nach für das nordafrikanische Land stimmen.
Paul Philipp: "Es sind bei der WM 2026 zu viele Mannschaften am Start, darüber brauchen wir überhaupt nicht zu diskutieren."
Der Ball muss rollen
In rund zweieinhalb Wochen beginnt in Russland die 21. Weltmeisterschaft im Fußball. Nur 200 km vom Ort eines Krieges entfernt.
Colombian fans hold a fake trophy in front the Saint Basil's Cathedral on the Red Square in Moscow on June 10, 2018, ahead of the Russia 2018 World Cup. / AFP PHOTO / YURI CORTEZ
Fußball-WM 2018
Vom 14. Juni bis zum 15. Juli findet in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft statt. In unserem Dossier finden Sie alle Artikel zum Großevent.
Croatia's fans celebrate victory against Russia in the Croatian capital Zagreb's main square after the 2018 FIFA World Cup Russia Round of 8 match between Russia and Croatia on July 7, 2018.  / AFP PHOTO / Denis Lovrovic