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Warum Schüler in Südkorea nur drei Stunden schlafen
Panorama 2 Min. 05.12.2019

Warum Schüler in Südkorea nur drei Stunden schlafen

Auch die jüngeren Schüler verbringen ihre Nachmittage in „Hagwons“, wie Nachhilfeinstitute genannt werden..

Warum Schüler in Südkorea nur drei Stunden schlafen

Auch die jüngeren Schüler verbringen ihre Nachmittage in „Hagwons“, wie Nachhilfeinstitute genannt werden..
Foto: Getty Images
Panorama 2 Min. 05.12.2019

Warum Schüler in Südkorea nur drei Stunden schlafen

Fabian KRETSCHMER
Fabian KRETSCHMER
Für Schüler in Südkorea, einem der PISA-Spitzenreiter, ist das rigide Bildungssystem eine Tortur.

Die quirlige Zehn-Millionen-Metropole Seoul kommt einmal im Jahr zum Stillstand: Als am 14. November rund eine halbe Million südkoreanische Oberschüler zur Universitätseingangsprüfung antraten, öffneten die staatlichen Firmen und Börsenmärkte eine Stunde verspätet – damit die Pendler nicht die U-Bahnen und Busse zu den Schulen verstopften. Während des 35-minütigen Hörverständnistests in Englisch wurde gar der Flugraum landesweit gesperrt. Und bereits Tage zuvor waren die buddhistischen Tempel mit besorgten Müttern gefüllt, die mit Räucherstäbchen und Kerzen für die Zukunft ihrer Kinder beteten. Der neunstündige Prüfungsmarathon ist schließlich für jeden Südkoreaner der wohl entscheidendste Tag im Leben.

Schlüssel zum Aufstieg

Wie in vielen ostasiatischen Ländern gilt auch im konfuzianisch geprägten Südkorea Bildung als Schlüssel zum gesellschaftlichen Aufstieg. Das spiegelte sich eindrucksvoll bei den am Dienstag vorgestellten PISA-Ergebnissen wider: Die südkoreanischen Schüler landeten durchweg in der Spitzengruppe. Im direkten Vergleich mit Luxemburg hat Südkorea in allen getesteten Disziplinen – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – die Nase vorn. Ebenfalls ist das Bildungssystem der Koreaner vergleichsweise integrativ: Der soziale Hintergrund der Eltern spielt eine geringere Rolle verglichen mit dem OECD-Durchschnitt.

Tatsächlich war noch nach dem Koreakrieg (1950-53) der Großteil der Bevölkerung nicht alphabetisiert. Heute gibt es in keinem Land der Welt mehr Universitätsabsolventen als in Südkorea. Dabei hat das rigide Bildungssystem auch seine Schattenseiten, die sich nicht zuletzt in einem gängigen Sprichwort der südkoreanischen Jugend widerspiegeln: Wenn du drei Stunden schläfst, wirst du den Test bestehen. Vier Stunden Schlaf – und du fällst durch. Die Oberschüler des Landes stemmen Arbeitstage wie Spitzenmanager.

Ansturm auf Nachhilfeinstitute

Dabei findet der wichtigste Teil des „Büffelns“ nicht im Schulgebäude statt. Je näher es an den entscheidenden Universitätseingangstest geht, desto desinteressierter und schläfriger werden die Schüler in den Klassenzimmern. Aufgeregter geht es dagegen nachmittags in den Nachhilfeinstituten, „Hagwon“ genannt, zu. Dort wird effizient und gezielt für die Prüfung am Ende der Oberschule gelernt.


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Die massiven Kosten außerschulischer Bildung sind längst zum gesellschaftlichen Übel geworden. Seit Jahren versucht das Bildungsministerium in Seoul den Nachhilfesektor zu regulieren, um die Chancengleichheit für Kinder aus weniger privilegierten Haushalten zu gewährleisten. Bislang jedoch ist der Widerstand aufgebrachter Eltern zu stark. Der vielleicht bislang größte Erfolg: Seit einigen Jahren müssen die südkoreanischen „Hagwons“ um 22 Uhr schließen – damit die Kinder genug Schlaf finden.

Am 7. November hat das Bildungsministerium in Seoul die Abschaffung seiner rund 80 Elite-Schulen beschlossen. „Ich nehme die Sorgen der Öffentlichkeit ernst, dass die Ungleichheit im Schulsystem auch zur Ungleichheit zwischen den gesellschaftlichen Schichten führt“, begründete Ministerin Yoo Eun-hae die Maßnahme.

Einführung eines Credit-Systems

Gleichmacherei bedeutet das jedoch nicht: Ab 2025 wird in südkoreanischen Oberschulen ein sogenanntes Credit-Systems nach dem Vorbild von Universitäten eingeführt: Dann können die Schüler weitestgehend selber bestimmen, welche Kurse sie belegen wollen. 


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